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Urheberrecht: Drei Fragen an Sophia Littkopf (Kulturarbeiterin)

Hat das deutsche Urheberrecht den Blick für die Realität verloren? Wo liegen die Probleme in der Praxis? Behindert das Urheberrecht die Kreativität und tägliche Arbeit? Auf unsere drei Fragen antwortet heute: Sophia Littkopf.


1. Wo haben Sie in Ihrer täglichen Arbeit Kontakt mit dem Urheberrecht?

Der „Hörspielsommer e.V.”, dessen Vorstandsposten ich seit mehreren Jahren bekleide, veranstaltet jährlich ein zehntägiges Hörspielfestival in Leipzig. Dafür müssen jedes Jahr die Vorführgenehmigungen für alle Programmstücke (ca. 70) eingeholt werden.

2. Welche Probleme stellen sich dabei?

Bei Hörspielen, die von Rundfunkanstalten produziert wurden, ist es recht einfach die entsprechenden Genehmigungen zu bekommen; die Zuarbeit der ARD beispielsweise funktioniert gut. Bei Autoren- oder Verlagsproduktionen wird die Recherche der Rechtelage mitunter schwieriger. Vor allem, wenn sich Verlage aufgelöst oder Rechteinhaber von Hörspielen verstorben sind. Dann wissen wir nicht, wo wir sie suchen sollen bzw. wie wir etwaige Verbliebene erreichen können.

Auch Anmeldungen bei Gema und VG-Wort können Hürden darstellen. Bei unserem Festival gibt es auch einen Hörspielwettbewerb für Nachwuchskünstler – und die verwenden häufig gemapflichtige Musik oder Literaturgrundlagen, deren Rechte sie nicht eingeholt haben. Diese Stücke können dann nicht am Wettbewerb teilnehmen, was zwar verständlich aber auch schade ist.

3. Wie könnten Lösungen für diese Probleme aussehen?

Für uns wäre es hilfreich, wenn alle Rechteinhaber eines Hörspiels auf der CD oder auf den Portalen der Sendeanstalten/Verlage ausgezeichnet wären. Ebenso wäre es sinnvoll, wenn Hörspielmacher eigenständig – also unabhängig von Sender oder Verlag – über die Vorführung entscheiden könnten. Das würde uns einiges an Arbeit ersparen, denn es müsste nur eine Person befragt werden. Vielleicht müsste die Gema ihre Vorschriften lockern: Nachwuchs-Hörspielmacher wollen sich in erster Linie ausprobieren und nicht unbedingt Profit mit ihren Stücken machen. Ich finde daher, dass eine Verwendung gemapflichtiger Musik in einem noch zu klärenden Rahmen (Vorschlag: 60 Sekunden) legal sein sollte.

Sophia Littkopf wurde 1979 in Leipzig geboren. Nach dem Abitur an der Thomasschule arbeitete sie als Regieassistentin bei Film- und Theaterproduktionen. Seit 2003 ist sie Direktorin des Hörspielfestivals „Leipziger Hörspielsommer”, seit 2005 Vorsitzende des „Hörspielsommer e.V.”. Sophia Littkopf ist diplomierte Kulturarbeiterin und Altstipendiatin der Hans-Böckler-Stiftung.

Hintergrund: Artikel-Serie „Drei Fragen …”.

Alle Fragen zum Urheberrecht.

, Telemedicus v. 22.02.2010, https://tlmd.in/a/1637

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