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Werbung in Blogs?

Sascha Lobo (ZIA) und der Spreeblick-Verlag haben vergangene Woche ein Blog-Werbeprojekt namens „Adical“ gestartet. Gleichzeitig haben einige andere bekannte deutsche Blogger angekündigt, bald bezahlte Blogeinträge über die Playstation 3 zu schreiben.
Die Diskussion zu dem Thema wird im Moment hitzig geführt – gerade auch hinter den Kulissen. Viele Blogger fürchten, ihr Hobby könnte kommerzialisiert werden. Nicht ganz zu Unrecht: Einige derjenigen, die heute Werbung machen, waren früher selbst strikte Gegner solcher Kooperationen.

Den werbenden Bloggern ist vor allem mit auf den Weg zu geben, dass Werbung in Blogs nicht nur ein moralisches Problem ist, sondern auch ein rechtliches.
Für Blogs gilt seit vorgestern der Staatsvertrag über Rundfunk und Telemedien. Mit der Gesetzesänderung ist endgültig klargestellt, dass für Blogs die selben Werbevorschriften gelten wie für professionelle Webseiten. Was Werbung angeht, müssen sich Blogs damit an folgende Vorschriften halten:

§ 58 Abs. 2 RStV – „Werbung, Sponsoring“

Werbung muss als solche klar erkennbar und vom übrigen Inhalt der Angebote eindeutig getrennt sein. In der Werbung dürfen keine unterschwelligen Techniken eingesetzt werden.

Das heißt, Werbung im redaktionellen Teil von Blogs ist nur erlaubt, wenn sie deutlich gekennzeichnet wird. „Kooperationen“ oder „Product Placement“, mit denen der Charakter der Werbung verschleiert wird, sind unzulässig.

Außerdem gilt folgendes:

§ 54 Abs. 2 RStV – „Allgemeine Bestimmungen“

Telemedien mit journalistisch-redaktionell gestalteten Angeboten, in denen insbesondere vollständig oder teilweise Inhalte periodischer Druckerzeugnisse in Text oder Bild wiedergegeben werden, haben den anerkannten journalistischen Grundsätzen zu entsprechen. Nachrichten sind vom Anbieter vor ihrer Verbreitung mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf Inhalt, Herkunft und Wahrheit zu prüfen.

Zu den journalistischen Grundsätzen gehört unter anderem auch die Wahrheits- und Sorgfaltspflicht. Der Blogger muss also sicherstellen, dass sein Blog keine falschen Tatsachenbehauptungen enthält – auch dann, wenn das nicht absichtlich geschah. „Loyalitätskonflikte“ in Bezug auf Werbekunden sollten also unbedingt so gelöst werden, dass der Blogger dabei bei der Wahrheit bleibt.

Denn: Wenn diese Vorschriften nicht beachtet werden, könnte das bald zu Situationen führen, in denen Blogger sich gegenseitig abmahnen. Und das will nun wirklich keiner.

  • Dr. Simon Assion ist Mitgründer von Telemedicus und Rechtsanwalt bei Bird&Bird.

, Telemedicus v. 03.03.2007, https://tlmd.in/a/84

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