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Web 2.0 – Zurschaustellung mit langfristigen Folgen?

StudiVZ, Facebook.com, Xing oder MySpace: Die Popularität der Netzwerkplattformen ist größer denn je. Über Privatsphäre und Datenschutz scheinen sich die Nutzer jedoch keine Sorgen zu machen, die Seiten der Online-Poesiealben werden mit großer Bereitwilligkeit detailreich ausgeschmückt.
Persönliche Fotos, Unterhaltungen und ein möglichst umfassender Freundeskreis, dessen Tiefe sich häufig nur auf reine Internet-Freundschaften beschränkt, geben Aufschluss über die Zielperson, die sich ohne großen Aufwand finden lässt. Voraussetzung dafür ist eine eigene Registrierung – eine fantasierte Identität ist dabei allemal ausreichend.

Ursprünglich dienten Plattformen wie OpenBC, das jetzt als ‚Xing‘ bekannt ist, der Präsenzmöglichkeit von Arbeitnehmern für potenzielle Arbeitgeber, der Kunden- und Kontaktpflege. Bei der Suche nach dem richtigen Angestellten wird allerdings nicht nur auf solche makellosen Online-Universalbewerbungen wie bei Xing zurückgegriffen – viel aufschlussreicher ist eine Recherche bei einem Social Networks wie dem Studiverzeichnis, wo sich die Nutzer in privater Atmosphäre bewegen.
„Ich bin mir sicher, dass sich in 10 bis 15 Jahren viele Leute darüber ärgern werden, was sie im Überschwang ihrer jugendlichen Freude im Internet getrieben haben,“ sagt Padeluun, Künstler und Vorstandsmitglied des Foebud e. V., eines Vereins, der sich „eine lebenswerte digitale Welt“ zum Ziel gesetzt hat.

Nur 10 % nutzen die Zugangsbeschränkungen bei StudiVZ

Bei StudiVZ kann jeder auf den Seiten anderer Mitglieder kommentieren, einsehbar für alle anderen angemeldeten Teilnehmer. Und dennoch nutzt nur ein Zehntel der Nutzer die Möglichkeit, den Zugangs auf ausgewählte „Freunde“ zu beschränken. Insofern entsteht der Eindruck, dass sich die Nutzer bisher nicht in ihrer Privatsphäre berührt fühlen – nur die Wenigsten, so scheint es, haben etwas zu verbergen. Fotos, die man unter Umständen lieber in der Schublade des Freundes gewusst hätte als auf seiner Studiverzeichnisseite, würden sich ohnehin der Zugangssperre entziehen.

Den Anspruch, gegen Fälschungen und Hackerangriffen gefeit zu sein, können die Social Networks nicht erheben; erst kürzlich mussten alle Studiverzeichnismitglieder ihr Passwort zwingend ändern, und es ist nach wie vor unklar, wie viele Daten entwendet wurden. Kritische Stimmen werden vor allem von den Datenschützern erhoben. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar äußert sich misstrauisch:

Es geht da auch um kommerziell verwertbare Daten. Wenn man sich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen anschaut, sind da viele nicht so seriös. Da gibt es Klauseln wie: Wir behalten uns eine Änderung der Nutzungsbedingungen vor. Man kauft also quasi eine Katze im Sack.

Die Betreiber des Studiverzeichnisses betonen jedoch, dass eine Weitergabe an Dritte ausgeschlossen sei:
„Das Vertrauen unserer Nutzer ist unser wichtigstes Kaptial,“ erklärte StudiVZ-Pressesprecher Julian Artopè©. Seit 2007 können auch Schüler beim digitalen Poesiealbum teilnehmen – Voraussetzung dafür ist die exklusive Einladung durch einen Studenten oder einen anderen Schüler, der bereits in den Genuss einer solchen gekommen ist.

Gleichzeitig werden die Forderungen nach einer Anpassung des Datenschutzgesetzes lauter – angesichts dieser Entwicklungen sei es nicht mehr zeitgemäß.

Mehr bei der taz

, Telemedicus v. 04.04.2007, https://tlmd.in/a/137

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