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Warum die WAZ ohne dpa auskommt – Reitz im Interview

Die WAZ kommt künftig nicht nur ohne 300 ihrer Mitarbeiter aus, sie verzichtet seit Anfang des Jahres auch auf Meldungen der Deutschen Presseagentur („dpa“). Damit will man 2 Millionen Euro weniger ausgeben. Mit dem ersparten Geld sollen die Arbeitsplätze von 25 eigenen Journalisten gerettet werden – die nun die Arbeit der „dpa“ ersetzen sollen.

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung äußert sich WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz nun zu den rechtlichen und moralischen Vorwürfen, die ihm von Seiten der „dpa“ und aus der Medienszene entgegen gebracht werden:

SZ: Aber wenn Sie dpa-Inhalte entdecken, machen Sie sich diese doch zunutze, am Urheberrecht vorbei.

Reitz: Die Behauptung ist einfach falsch. Wir begreifen das Internet auch nicht als urheberrechtsfreien Raum, sondern machen unsere Quellen kenntlich. So, wie wir die Süddeutsche Zeitung zitieren können, ohne diese zu abonnieren, so können wir dpa – wenn es öffentlich zugängliches Material etwa aus dem Internet ist – zitieren, ohne den Dienst zu abonnieren. Das ist ein vollkommen banaler Vorgang, den wir übrigens juristisch haben prüfen lassen. Das Ergebnis ist: Wenn wir etwa mit dem Verweis „laut Welt online mit Berufung auf dpa“ arbeiten, ist das nicht nur sauber, sondern mehr als fair. Es handelt sich um einen Fall, der im Jahr überhaupt nur wenige Mal vorkommen wird.

SZ: Aber ist es nicht neben der juristischen Bewertung auch eine Frage der Solidarität mit einem Gemeinschaftsunternehmen, das die Verlage nach dem Krieg begründet haben?

Reitz: Wir fühlen uns nicht in der Pflicht, solidarisch gegenüber dpa zu sein, wenn wir mit der Solidarität gegenüber unseren Blättern genug zu tun haben. Wenn, wie bei der WAZ, der Agenturanteil auf unter zehn Prozent gesunken ist, kann ich nicht einsehen, wieso ich für die Fiktion einer 100-Prozent-Belieferung mehr als drei Millionen Euro zahlen soll. Dieses Agentur-Geschäftsmodell hat sich, zumindest für die WAZ-Gruppe, überlebt.

Zu dem gesamten Interview in der Süddeutschen Zeitung.

, Telemedicus v. 25.02.2009, https://tlmd.in/a/1180

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