OLG Hamburg: Schutzfähigkeit wissenschaftlicher Werke

Leitsätze der Redaktion

1. Wissenschaftlichen Theorien und abstrakte Gedankengänge sind nicht urheberrechtlich geschützt, sofern es lediglich um die Idee und nicht um die konkrete schöpferische Ausgestaltung geht.

2. Es besteht in diesem Fall auch keine Pflicht zur Quellenangabe i.S.v. § 63 UrhG. Die urheberrechtliche Notwendigkeit einer Quellenangabe ist nicht identisch mit den Zitatanforderungen aus der wissenschaftlichen Ethik. Nur weil eine Quellenangabe wissenschaftlich geboten ist, gilt dies nicht notwendigerweise auch für das Urheberrecht.

3. Einzelne Bestandteile eines Sprachwerkes sind nur dann urheberrechtlich geschützt, wenn sie ihrerseits die erforderliche Schöpfungshöhe i.S.v. § 2 Abs. 2 UrhG erreichen.

4. Eine Wortschöpfung durch bloßes Voranstellen der Vorsilbe „Re-“ (hier: „Re-Ökonomisierung“) ist urheberrechtlich nicht geschützt, denn es fehlt das erforderliche Maß an schöpferischer Kreativität.
OBERLANDESGERICHT HAMBURG

Im Namen des Volkes

Urteil

Aktenzeichen: 5 U 144/03

Verkündet am: 31.03.2004


Tenor:

Die Berufung des Klägers gegen das Urteil des Landgerichts Hamburg, Zivilkammer 8, vom 30.08.2002 wird zurückgewiesen.

Der Kläger trägt die Kosten des Berufungsverfahrens.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar.

Der Kläger kann die Vollstreckung durch Sicherheitsleistung in Höhe des auf Grund dieses Urteils vollstreckbaren Betrages abwenden, sofern nicht die Beklagten vor der Vollstreckung Sicherheit in Höhe des jeweils zu vollstreckenden Betrages leistet.

Die Revision wird nicht zugelassen.



Gründe:

I.

Der Kläger ist Betriebswirt und Doktor der Philosophie. Er beschäftigt sich seit Jahren in soziologischer, philosophischer und naturwissenschaftlicher Hinsicht mit dem Phänomen der „Marke“ bzw. der wissenschaftlichen Disziplin der „...“. Der Kläger betreibt unter der Bezeichnung „Dr. O. X Consulting“ ein Beratungsunternehmen, welches sich u.a. mit der Entwicklung ... Unternehmensstrategien befasst.

Der Beklagte zu 3. ist der ehemalige Doktorvater des Klägers, der dessen Promotion unter dem Titel „...“ (Anlage K15) aus dem Jahr 1991 betreute. Dieses Werk wurde später unter dem Titel „...“ in Buchform veröffentlicht (Anlage K1a).

Gemeinsam mit den Beklagten zu 3. und 4. gründete der Kläger im Jahr 1994 das „Institut für ... – X.“. Ein Jahr später gründeten diese Personen gemeinsam mit Herrn M in der Schweiz die Beklagte zu 1. Deren Geschäftsbetrieb ist auf die internationale Wirtschaftsberatung für strategische und operative Markenführung gerichtet. In der Folgezeit kam es zwischen dem Kläger und den Beklagten zu Unstimmigkeiten. Die Parteien trennten sich.

Im Dezember 1999 erschien das streitgegenständliche „Jahrbuch ... 2000/2001“ im Verlag der Beklagten zu 2 (Anlage K1b). Die Beklagten zu 3. und 4. sind Herausgeber dieses Jahrbuchs, die Beklagte zu 1. nutzt das Jahrbuch für sich wirtschaftlich und nimmt bei ihrer Tätigkeit hierauf Bezug.

Der Kläger macht geltend, die Beklagten hätten in diesem Jahrbuch in einer Vielzahl von Fällen seine wissenschaftlichen Forschungsergebnisse aus seiner Dissertation bzw. dem Buch „...“ übernommen, ohne ihn als Urheber kenntlich zu machen und die verwendeten Quellen ordnungsgemäß zu zitieren. Hierin sieht der Kläger einen Urheberrechtsverstoß, den er zur Grundlage eines umfassenden Unterlassungsantrags und hierauf rückbezogener Auskunfts-, Schadensersatzfeststellungs- und Vernichtungsanträge macht.

Der Kläger hat beantragt,

1. die Beklagten gesamtverbindlich zu verurteilen, es bei Vermeidung eines für jeden Fall der Zuwiderhandlung fälligen Ordnungsgeldes bis zu DM 500.000.-, ersatzweise Ordnungshaft, oder der Ordnungshaft bis zu 6 Monaten, es zu unterlassen,

das „Jahrbuch ... 2000/2001“, ... herzustellen und/oder herstellen zu lassen und/oder zu verbreiten und/oder verbreiten zu lassen und wie nachstehend ... ohne Quellenangabe ... wiederzugeben;

...

2. die im Besitz der Beklagten befindlichen Exemplare des „Jahrbuch ... 2000/2001“ an den Stellen, wie sie im Klagantrag zu Ziffern a), b), c) linksseitig mit den im Klagantrag zu Ziffern a), b), c) rechtsseitig aufgeführten Zitaten durch ein Beilagendruckwerk zu versehen; in einer Sonderpublikation die Zitatnachtragungen im Beilagendruck entsprechend der Druckauflage in den Verkehr zu bringen;

3. festzustellen, dass die Beklagten gesamtverbindlich verpflichtet sind, dem Kläger den Schaden zu ersetzen, der aus der im Klagenantrag zu Ziffer 1. bezeichneten Handlung entstanden ist und/oder noch entstehen wird;

4. dem Kläger über den Umfang der im Klagantrag zu Ziffer 1. bezeichneten Handlungen Auskunft zu erteilen, und zwar unter Angabe der Auflagenhöhe, der bestellten und ausgelieferten Exemplare, der Verkaufsexemplare sowie des getätigten Umsatzes der Beklagten zu 1. bis 4. in den Jahren 1999 bis in die Gegenwart, und zwar aufgeschlüsselt nach DM-Werten und Kalendermonaten.


Die Beklagten zu 1. bis 4. haben beantragt,

die Klage abzuweisen.


Das Landgericht hat die Klage mit Urteil vom 30.08.2002 abgewiesen. Hiergegen richtet sich die form- und fristgerecht eingelegte Berufung des Klägers. Der Kläger verfolgt seine Klageanträge in zweiter Instanz unter Vertiefung seines erstinstanzlichen Sachvortrags weiter. Die Beklagten verteidigen auf der Grundlage der bereits erstinstanzlich gestellten Klagabweisungsanträge das landgerichtliche Urteil.

Wegen der tatsächlichen Feststellungen im Übrigen wird auf das erstinstanzliche Urteil sowie auf die von den Parteien zur Akte gereichten Schriftsätze nebst Anlagen Bezug genommen.


II.

Die zulässige Berufung ist unbegründet. Das Landgericht hat die Klage zu Recht abgewiesen. Der Senat nimmt zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen auf die zutreffende Begründung der angefochtenen Entscheidung Bezug und macht sich diese zu eigen, soweit sich aus den nachfolgenden Ausführungen nichts Abweichendes ergibt. Das Berufungsvorbringen des Klägers rechtfertigt keine abweichende Entscheidung. Es gibt dem Senat Anlass zu folgenden ergänzenden Anmerkungen:

1. Das Landgericht hat in seiner Entscheidung die Rechtsgrundsätze für die Beurteilung der urheberrechtlichen Schutzfähigkeit der von dem Kläger beanspruchten Textpassagen zutreffend angewendet und sich hierbei mit den rechtlich relevanten Ausführungen des Klägers auseinander gesetzt. Die Entscheidung steht in Übereinstimmung mit der Rechtsprechung des Hanseatischen Oberlandesgerichts (vgl. Urteil vom 22.05.03 (3 U 192/00) - Opus Dei). Da sich die Frage der erforderlichen Schöpfungshöhe der verarbeiteten Quellen letztlich für alle im Klageantrag auf der rechten Seite zitierten Textpassagen gleichermaßen beurteilt, konnte sich das Landgericht auch auf eine beispielhafte Erläuterung beschränken und davon absehen, jede einzelne Textstelle einer gesonderten Überprüfung zu unterziehen. Dies umso mehr, als der Kläger die Urheberrechtsschutzfähigkeit ebenfalls nicht für die Textstellen im Einzelnen dargelegt, sondern sich in seinem Schreiben vom 06.05.2001 (Anlage K18) im Wesentlichen auf einen gegenüberstellenden Vergleich mit den übernommenen Passagen beschränkt hatte.

2. Soweit der Kläger in der Berufung erneut die urheberrechtliche Schutzfähigkeit wissenschaftlicher Aussagen problematisiert, übersieht er, dass das Landgericht eine solche zu seinen Gunsten für das Ausgangswerk insgesamt unterstellt hat (UA 36), für die Entscheidung des Rechtsstreits aber maßgeblich darauf abgestellt hat, ob auch die "übernommenen" Werkteile als solche einem derartigen Schutz zugänglich sind. Dies fordert die Literatur/Rechtsprechung – worauf noch einzugehen sein wird - zu Recht als wesentliche Schutzvoraussetzung. Selbst wenn die "Kernleistung" des Klägers – die Verknüpfung der bis dahin getrennten Bereiche "...", "..." und "..." – in ihrer von dem Kläger gegebenen Gedankenformung schutzfähig ist, gilt dies nicht gleichermaßen für jeden hieraus abgeleiteten Gedanken bzw. jede Schlussfolgerung.

3. Der Kläger kann auch nicht in seiner Auffassung beigepflichtet werden, das Landgericht habe "als neuen Subsumptionsbegrifflichkeit" die "geschützten Werkteile" eingeführt, die von Literatur und Rechtsprechung so nicht vorgegeben seien.

a. Das Gegenteil ist der Fall. Es ist in der höchstrichterlichen Rechtsprechung seit langem anerkannt, dass die Schutzfähigkeit eines Werkteils voraussetzt, dass sich dieser selbst als persönliche geistige Schöpfung darstellt (BGH GRUR 90, 218, 219 – Verschenktexte; BGH GRUR 89, 416 – Bauaußenkante; BGH GRUR 88, 533, 534 – Vorentwurf II). Dabei braucht sich die besondere Eigenart des Werkes als Ganzes in diesem Teil nicht zu offenbaren (BGH GRUR 61, 631, 633 – Fernsprechbuch). Diese zutreffende Rechtsprechung – von der abzuweichen der Senat aus den noch auszuführenden Gründen keine Veranlassung hat – wird auch von der Literatur geteilt. Schricker-Loewenheim, UrhG, 2. Aufl., § 2 Rdn. 66 führen hierzu etwa aus: "Voraussetzung für den Schutz ist, dass der entlehnte Teil auch für sich genommen den Schutzvoraussetzungen des § 2 genügt, also eine persönliche geistige Schöpfung darstellt." Weiter heißt es unter Rdn. 67: "Allerdings wird bei sehr kleinen Teilen wie einzelnen Wörtern, Sätzen oder Satzteilen Urheberrechtsschutz meist daran scheitern, dass sie nicht ausreichenden Raum für die Entwicklung von Individualität bieten". Dieses Problems ist sich offensichtlich auch der Kläger bewusst, der - allerdings vergeblich - versucht, im Rahmen der Schutzfähigkeit insoweit seine "Gedankenführung und Formung einer Verknüpfung und Systematisierung der drei Bereiche "...", "..." und "..." in den Vordergrund zu stellen. Nach seinem Verständnis finden diese in den Werkteilen im Klageantrag zu 1. auf der rechten Seite Ausdruck. Mit diesem unzutreffenden Ansatzpunkt hat sich bereits das Landgericht auseinander gesetzt und ihm zu Recht eine Absage erteilt. Denn eine solche Gedankenführung kann – wie die von einem Dichter ersonnene Fabel (vgl. Schricker-Loewenheim, UrhG, 2. Aufl., § 2 Rdn. 57) bzw. die Handlung eines Romans – wiederum allenfalls in ihrer erkennbaren Ausdrucksform einer zusammenhängenden Darstellung, nicht jedoch in allen ihren einzelnen Satzteilen Urheberrechtsschutz beanspruchen – es sei denn, diesen kommt ihrerseits Werkcharakter zu. Hier liegt aber gerade das Problem des zur Entscheidung stehenden Falles. Denn der Kläger beanstandet nicht, dass die Beklagten seine Markentheorie als solche im Rahmen einer zusammenhängenden Darstellung übernommen haben, sondern er wendet sich gegen die (vermeintlich) urheberrechtswidrige – weil unzitierte - Anlehnung an seine Gedankenführung durch zahlreiche Bezugnahmen an unterschiedlichen Stellen des Jahrbuchs.

b. Selbst wenn man – anders als es der Senat für zutreffend hält - diesem Ausgangspunkt folgen wollte, fehlte es deshalb in jedem Fall an einer (nahezu) identischen Übernahme gerade dieser konkreten "Gedankenführung", wie sie in den Textpassagen als – unterstellten - Werkteilen sprachlich-schöpferische Gestalt gefunden hat. Denn durch die Veränderung, die die dem Werk des Klägers entlehnten Passagen in der Formulierung der Beklagten erfahren haben, stellen sich diese lediglich als freie Benutzung des Werks i.S.v. § 24 UrhG dar, weil das Werk selbst (und nicht nur die abstrakte Begrifflichkeit!) demgegenüber „verblasst“ und nicht mehr im Sinne der hierzu ergangenen Rechtsprechung (vgl. etwa BGH GRUR Int. 99, 884, 885 – Lara’s Tochter) in ihnen durchscheint.

aa. Dafür wäre erforderlich, dass die konkrete eigenschöpferische Gestaltung nicht des Werks als Ganzes, sondern des übernommenen Werkteils in seiner urheberrechtlich geschützten Eigenheit nach wie vor zu erkennen ist. Davon kann bei keiner der geltend gemachten Textpassagen die Rede sein. Erkennbar ist zwar die von dem Kläger entwickelte wissenschaftliche Theorie, möglicherweise auch deren abstrakte Gedankenführung. Dies reicht hingegen für die Annahme einer zitierpflichtigen Übernahme i.S.v. § 63 UrhG nicht aus. Denn das Urheberrecht gewährt grundsätzlich keinen Ideenschutz, sondern privilegiert nur deren konkrete eigenschöpferische Ausformung. Fehlt einem Werkteil bereits die eigenpersönliche Prägung, so ist seine Entlehnung nach urheberrechtlichen Grundsätzen zulässig (BGH GRUR 61, 631, 633 – Fernsprechbuch). Die von dem Kläger als Schutzobjekt beanspruchte "inhaltliche Gedankenführung" kann nur in dem Umfang Schutz beanspruchen, den sie mittels Sprache in der zum Vergleich stehenden Einzelformulierung gefunden hat. Insoweit halten die Beklagten in den angegriffenen Passagen selbst dann den für eine freie Werkbenutzung erforderlichen Abstand ein, wenn denn die verarbeiteten Werkteile als solche – was hingegen nicht der Fall ist – isoliert schutzfähig sein sollten. Denn aufgrund der Kürze sowie des fehlenden Sinnzusammenhangs der Originalstellen könnte die Gestaltungshöhe in ihrer Vereinzelung – unbeschadet der Gestaltungshöhe des Gesamtwerks – nicht sehr wesentlich sein. Dieser Umstand wirkt sich auch bei der Beurteilung einer freien Benutzung gem. § 24 UrhG aus. Besitzt der als Vorlage benutzte Werkteil selbst nur einen geringen schöpferischen Gehalt, können auch keine großen Anforderungen an den „Abstand“ gestellt werden, den die (freie) Benutzung durch Dritte einzuhalten hat. Denn ein Werk(teil) geringerer Eigenart geht eher in dem nachgeschaffenen Werk auf als ein Werk besonderer Eigenprägung (BGH GRUR 81, 267, 269 – Dirlada). Deshalb erweisen sich die Angriffe des Klägers gegen das landgerichtliche Urteil im Ergebnis als unbegründet.

bb. Das von den Beklagten-Vertretern in ihrem Schriftsatz vom 24.04.01 hierzu gebildete Beispiel verdeutlicht dies recht anschaulich. Obwohl Rudolf von Ihering die Lehre von der "culpa in contrahendo" – und damit unzweifelhaft die diesem Rechtsinstitut zugrunde liegende "Gedankenführung" – entwickelt hat und spätere Autoren (Ballerstedt, Medicus, Canaris, Stoll usw.) dieses Rechtsinstitut weiter ausgeformt haben, bedarf die Beschreibung der Voraussetzungen dieses Rechtsinstituts - in den eigenen Worten des Autors – jedenfalls aus Sicht des Urheberrechts nicht des Zitats der "Erfinder". Denn übernommen wird eben nur deren wissenschaftliche Gedankenführung, aber kein als solches schutzfähiges "Werk" i.S.v. § 2 UrhG. Etwas anderes gilt allenfalls (aber nicht notwendigerweise) dann, wenn aus der Abhandlung von Ihering unmittelbar „abgeschrieben" und deshalb mit seinen – fremden - Worten ausgeführt wird. Deshalb kommt bei wissenschaftlichen Werken eine urheberrechtliche Schutzfähigkeit nur für die Art der Darstellung in Betracht, nur insoweit kann die schöpferische Eigenheit die Individualität des Werks prägen (Fromm-Nordemann-Vinck, UrhR, § 2 Rdn. 20), das wissenschaftliche Forschungsergebnis ist als solches urheberrechtlich nicht schutzfähig (BGH GRUR 91, 130 – Themenkatalog; Fromm-Nordemann-Vinck, a.a.O., Rdn. 22).

c. Der Senat kann sich deshalb – ebenso wie das Landgericht – darauf beschränken, die Frage der urheberrechtlichen Schutzfähigkeit von Werkteilen an zwei Beispielen aus dem Klageantrag zu 1. exemplarisch zu erörtern. Dabei wird die erforderliche vergleichende Beurteilung in aller Regel erst durch die Prüfung ermöglicht, durch welche objektiven Merkmale die eigenschöpferische Eigentümlichkeit des Werk(teils) bestimmt wird (BGH GRUR 81, 267, 269 - Dirlada).

aa. Mit der im Klageantrag zu 1. an erster Stelle angeführten Textpassage macht der Kläger an der Formulierung „bewirkt in jedem der o.g. Bereiche eine Re-Ökonomisierung der unternehmerischen Bemühungen“ Urheberrechtsschutz geltend. Hierfür bedürfte es zunächst der Feststellung, dass dieser Werkteil als solcher (unabhängig von dem Gesamtwerk) überhaupt die erforderliche Schöpfungshöhe für ein Sprachwerk i.S.v. § 2 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 2 UrhG erreicht und auf Grund welcher konkreten Elemente dies der Fall ist. Bereits hierzu fehlen jedwede Darlegungen des Klägers, obwohl er spätestens aufgrund der abweisenden Entscheidung des Landgerichts („… weil die einen Schutz allenfalls begründende Gedankenführung und Formung...nicht erkennbar wird...“, UA 54) auch ohne Hinweis des Senats keinen Zweifel (mehr) daran haben konnte, dass insoweit detaillierte Ausführungen von ihm verlangt waren. Diese hat der Kläger hingegen auch mit der Berufungsbegründung nicht nachgeholt. Dies überrascht allerdings nicht, denn auch für den Senat erscheint es als nicht darstellbar, worin die die Schutzfähigkeit bewirkende Schöpfungshöhe gerade dieses konkreten Textteils begründet liegen könnte. Hierfür käme allenfalls das Wort „Re-Ökonomisierung“ in Betracht, da die übrigen Textteile eher belanglos sind. Das Wort als solches erreicht – selbst wenn es durch die Voranstellung von „Re-" eine Neuschöpfung des Klägers wäre – jedenfalls nicht ein solches Maß an schöpferischer Kreativität, dass es in seiner Vereinzelung als „Sprachwerk“ Schutz beanspruchen könnte. In einem weiteren Schritt wäre sodann die angegriffene Textpassage „…der Wirtschaftskörper Marke muss einer Re-Ökonomisierung unterworfen werden.“ darauf zu untersuchen, ob sich diese als unmittelbare Übernahme bzw. als (unfreie) Bearbeitung i.S.v. § 23 UrhG darstellt. Hierfür reicht es nicht aus, dass sich dort ähnliche Gedanken wieder finden oder für sich genommen schutzunfähige Bestandteile – wie das Wort Re-Ökonomisierung – übernommen worden sind. Vielmehr „scheint“ das geschützte Werk in einer derartigen Situation nur dann durch, wenn gerade diejenigen Elemente übernommen worden sind, die der Vorlage ihre schöpferische Eigenheit verleihen. Auch hierzu fehlt es an jedwedem konkreten Vortrag des Klägers. Allein die Übernahme der abstrakten Führung eines einzelnen, aus dem Zusammenhang gelösten Gedankens reicht in derartigen Fällen nicht aus. Lediglich der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass das konkrete Bezugsobjekt in der Aussage der übernommenen Textstelle, der Wirtschaftskörper „Marke“, in der Vorlage noch nicht einmal ausdrücklich auftaucht, sondern offenbar in den dort genannten „o.g. Bereiche“ enthalten ist. Damit stellt sich noch nicht einmal die Zielrichtung beider Aussagen als kongruent dar.

bb. Entsprechendes gilt für die zweite Textstelle im Klageantrag zu 1. Hier macht der Kläger u.a. für folgende Passagen Urheberrechtsschutz geltend: „Die Aufgabe eines Markentechnikers besteht darin, für seine Marke das jeweils richtige Maß an Erstmaligkeit und Bestätigung zu bestimmen und in der Markenarbeit umzusetzen“ und “Die Marke hat neben dem selbstreferentiellen Aspekt der allein auf sich selbst bezogenen Konsumentenvermehrung ... ein zweckorientiertes, d.h. fremdreferentielles Moment“ und „Selbstreferentialität“. Die erste Aussage versteht sich – jedenfalls bei unbefangener Betrachtung – in erster Linie als eher unspektakuläre Handlungsanweisung für einen Markentechniker. Worin bei diesem Satz die Schöpfungshöhe eines Sprachwerks verwirklicht sein soll, vermag der Senat nicht erkennen. Auch der Kläger führt hierzu nichts aus. Die zweite Aussage mag eine solche Schöpfungshöhe enthalten. Zumindest ist die Aussage für den in die Begrifflichkeit Markentechnik nicht eingeweihten Leser – zu dem auch die Senatsmitglieder gehören, die sich mit Markenrecht beschäftigen – aus sich heraus nicht ohne weiteres verständlich. Weder hierzu noch zu der Frage, worin bei der Wortschöpfung „Selbstreferentialität“ – ihre Erschaffung durch den Kläger unterstellt – das konkrete Schöpfungsergebnis in urheberrechtlicher Hinsicht liegen soll, macht der Kläger schriftsätzliche Ausführungen, obwohl diese zur Begründung seines Antrags unverzichtbar gewesen wären. Allerdings erscheint es dem Senat auch insoweit kaum aussichtsreich, den Schutz eines Werkteils erfolgreich darlegen zu können. Selbst wenn man für die weitere Betrachtung davon ausgehen wollte, dem Kläger wäre dies gelungen, so wäre nunmehr der geschützte Werkteil der übernommenen Textpassage „…beruhte auf einer vorteilhaften Mischung von optimaler Selbstreferenz/Binnendialektik und Fremdreferenz/Außendialektik“ gegenüber zu stellen und auf werkteilschöpfungsspezifische Übereinstimmungen zu untersuchen. Auch diese legt der Kläger nicht dar und vermag auch der Senat nicht zu erkennen. Sie ist jedenfalls nicht schon dadurch verwirklicht, dass mit „Selbstreferenz“ ein Wort auftaucht, das „Selbstreferentialität“ ähnlich ist. In ihrer inhaltlichen Zielrichtung unterscheiden sich beide Aussagen zudem darin maßgeblich, dass diejenige des Klägers rein quantitative Elemente umfasst („...neben...“), während die angegriffene Aussage darüber hinausgehend eine qualitative Feststellung trifft („...Mischung von optimaler…“).

cc. Entsprechend verhält es sich auch bei allen übrigen Textpassagen, wobei das Schwergewicht der relevanten Beurteilungskomponenten von Fall zu Fall unterschiedlich ausgeprägt ist. Teilweise ist bereits eine relevante Schöpfungshöhe der Quelle nicht erkennbar, teilweise ist der Abstand zwischen Quelle und Übernahme zu groß, teilweise bezieht sich die Übernahme nicht auf Elemente, die gerade den Schutz des Werkteils begründen usw... Der Senat hat keine Veranlassung, dem Ansinnen des Klägers nachzukommen, die insoweit wesentlichen Argumente zu allen 276 Textpassagen im Einzelnen darzulegen. Denn zunächst einmal wäre es Voraussetzung schlüssigen Klagvortrags des Klägers gewesen, die hierfür – rechtlich – maßgeblichen Aspekte herauszuarbeiten. Bereits hieran fehlt es, so dass die Klage schon deshalb nicht ausreichend substantiiert, im Übrigen aber auch sachlich unbegründet ist.

4. Soweit der Kläger sich darauf beruft, die konkreten Bedürfnisse der wissenschaftlichen Kommunikation setze eine Transparenz aller wissenschaftlich veröffentlichten Arbeiten voraus, so ist dieser Standpunkt ebenso richtig wie für die Entscheidung des konkreten Rechtsstreits unerheblich. Denn dieses zutreffende Argument betrifft allein Fragen der wissenschaftlichen Ethik. Diese bewegt sich aber außerhalb des Schutzbereichs des Urheberrechts. Letztlich geht es dem Kläger darum, dass sich im Interesse der Lauterkeit der Wissenschaft kein Forscher unerkannt mit "fremden Federn" schmücken und diese als Ergebnis eigenen Schaffens ausgeben dürfen soll. Dem kann sicher ohne Vorbehalte zugestimmt werden. Dieses anerkennenswerte Ziel wird aber nicht durch das Urheberrecht geschützt, das in erster Linie vermögens- und persönlichkeitsrechtliche Interessen des einzelnen Urhebers im Blick hat. Das wissenschaftliche Zitiergebot ist mit der urheberrechtlichen Zitierpflicht nicht deckungsgleich. Beide gehen von unterschiedlichen Interessenlagen aus. Das von den Beklagten-Vertretern zutreffend so benannte wissenschaftliche „Erwähnungsbedürfnis“ ist im Regelfall auch viel zu konturenlos, um Grundlage eines konkreten Verbotsanspruchs zu werden. Denn (anders als im vorliegenden Fall) weiß der Zitierende häufig noch nicht einmal, auf welche konkrete Person bestimmte wissenschaftliche Formulierungen oder Gedanken zurückgehen, mit denen er sich in einen Text mit eigenen Worten beschäftigen möchte. Ihm hier umfangreiche und risikoträchtige Nachforschungen abzuverlangen, in wessen „Erwähnungsbedürfnis“ er mit seiner Publikation er möglicherweise eingreift, ist häufig selbst im Rahmen eines zweckorientierten wissenschaftlichen Diskurses unzumutbar. Es ist aber in jedem Fall weit außerhalb des urheberrechtlichen Schutzgedankens angesiedelt.

Selbst wenn die Annahme des Klägers zutrifft, die Beklagten hätten sich absichtlich an seine Gedanken angelehnt, führt dies in der rechtlichen Beurteilung zu keinem abweichenden Ergebnis.

5. Angesichts dieser Sachlage bedarf die von den Beklagten ausdrücklich gerügte Zulässigkeit des Klageantrags zu 1. keiner weiteren Erörterung. Insbesondere erfordert es die Unbegründetheit der Klage nicht, diesen Klageantrag noch inhaltlich anzupassen bzw. zu konkretisieren. Die Beklagten weisen allerdings im Ergebnis zu Recht darauf hin, dass der Kläger von ihnen allenfalls verlangen könnte, dass sie einer etwaigen Zitierpflicht Genüge tun. Er kann ihnen aber nicht vorgeben, wie dies konkret zu geschehen hat. Keinesfalls sind die Beklagten verpflichtet, über den Fundstellenachweis hinaus die von dem Kläger gewünschten Kommentare bzw. Erläuterungen abzudrucken. Da der Klageantrag zu 1. zu den konkreten Verletzungstatbeständen unbegründet ist, entfallen auch die auf ihn bezogenen Folgeanträge zu 2. bis 4. Der Senat hat deshalb keine Veranlassung, sich näher mit der Frage zu befassen, ob dem Kläger im Hinblick auf den Zeitablauf und das Erscheinen von Folgejahrgängen des „Handbuchs für Markentechnik“ noch ein Rechtsschutzbedürfnis insbesondere für den Klageantrag zu 2., gegebenenfalls aber auch für den konkreten Wortlaut des Einleitungssatzes des Klageantrags zu 1. zur Seite steht.

6. Die Kostenentscheidung beruht auf § 97 ZPO, die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit folgt aus §§ 708 Nr. 10, 711 ZPO.

Der Rechtsstreit bietet dem Senat keine Veranlassung, gem. § 543 Abs. 2 ZPO die Revision zuzulassen. Der Rechtsstreit hat keine grundsätzliche Bedeutung, sondern beschränkt sich auf die Anwendung feststehender Rechtsgrundsätze auf den konkreten Einzelfall. Einer Entscheidung des Revisionsgerichts bedarf es auch nicht zur Fortbildung des Rechts oder zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung.