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Sinkendes Vertrauen in Journalisten

Eine der Fragen, die ich in meiner Disseration beantworten will, betrifft den Schutz-Anspruch der Massenmedien. Das BVerfG hat den Massenmedien-Freiheiten, d.h. insbesondere der Presse- und Rundfunkfreiheit, einen sehr hohen Stellenwert eingeräumt. Ich halte es aber für fraglich, ob die moderne Medienwelt der politischen Kommunikation wirklich in dem Maß zuträglich ist, wie es das BVerfG annimmt.

Eine neue Untersuchung scheint das nun zu bestätigen.
Untersucht wurde dabei nicht die Qualität der Medien selbst – sondern die Wahrnehmung derselben in der Öffentlichkeit. Das Ergebnis:

Für mehr als die Hälfte der Befragten sind Journalisten mächtiger als Politiker. Und fast alle finden das nicht gut. Die Untersuchungsteilnehmer üben scharfe Kritik an den handelnden Journalisten. Diese seien viel rücksichtloser, intoleranter gegenüber den Meinungen anderer und unsozialer, als man sie sich wünscht. Gleichzeitig setzten sie zu stark ihre eigenen Bedürfnisse durch, ihre Macht und ihr Einfluss in der Gesellschaft seien zu groß, so ein Ergebnis der Studie. Die Politik-Berichterstattung wird darüber hinaus von fast zwei Dritteln der Befragten als zu wenig objektiv kritisiert, obwohl gerade Objektivität von ebenfalls zwei Dritteln erwartet wird. Fast zwei Drittel glauben, Journalisten unterdrückten häufig Stellungnahmen von Experten, die anderer Meinung sind als sie selbst.

Und weiter:

Eine deutliche Mehrheit der Befragten beschreibt Journalisten als käuflich. Rund zwei Drittel glauben, dass bezahlte Recherchen häufig vorkommen oder dass die Interessen von Anzeigenkunden auch in der redaktionellen Berichterstattung berücksichtig werden. Bemerkenswert ist dabei, dass diese Praxis vielen als nicht verwerflich erscheint. Die Akzeptanz dieser ethisch zweifelhaften Praktiken ist dabei unter jungen Deutschen besonders groß. Schließlich fehlt es der Bevölkerung an einer klaren Vorstellung davon, was Journalismus ist und was nicht. Viele unterscheiden nicht mehr zwischen Journalismus und PR. Die Formate des Internet verstärken diesen Trend. Unter den 18- bis 24-Jährigen versteht jeder Zweite Blogging als Journalismus.

Die Studie wurde durchgeführt von Prof. Donsbach von der TU Dresden. Finanziert wurde sie von der Stiftung NRZ Presse-Haus, Essen, der Stiftung Wertevolle Zukunft, Hamburg, und dem Erzbistum München und Freising. Laut Eigenangabe basiert sie auf repräsentativen Umfragen.

Ich persönlich finde die Ergebnisse allerdings sehr überraschend. Dass Journalisten und Medien im allgemeinen keinen besonders guten Ruf haben, ist mir bewusst. Allerdings denke ich, sieht die überwiegende Mehrheit der Bürger die Lage differenzierter, als sie die oben zitierte Pressemitteilung darstellt: Die Fachjournalisten der FAZ z.B. dürften ein ganz anderes Vertrauen genießen als die Boulevardjournalisten der Bild-Zeitung. Ob sich diese Differenzierung in der eigentlichen Studie findet, konnte ich bisher nicht überprüfen.

Zur Homepage des Autors der Studie.

Nähere Infos zu Publikation (PDF).

  • Dr. Simon Assion ist Mitgründer von Telemedicus und Rechtsanwalt bei Bird&Bird.

, Telemedicus v. 27.07.2009, https://tlmd.in/a/1359

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