Telemedicus

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Nur religionsfeindlich, nicht antisemitisch

Kinderbuch bleibt erlaubt

Das Kinderbuch „Wo bitte geht’s zu Gott?, fragte das kleine Ferkel“ wird nicht in die Liste der jugendgefährdenden Medien aufgenommen. Einen entsprechenden Antrag hatte das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bei der Bundesprüfstelle für gefährdende Medien (BPjM) gestellt. Die Geschichte, in der ein Ferkel und ein Igel Gott suchen, hatte wegen Karikaturen eines Rabbis, Bischofs und Imams für Streit gesorgt. Kritisiert wurden vor allem die einschüchternden Bilder und teilweise überzeichneten bzw. falschen Darstellungen der drei Weltreligionen.
Das Gremium der BPjM, das mit der Indizierung betraut war, entschied: Eine Aufnahme in den Index der jugendgefährdenden Medien sei nicht erforderlich. Das Buch sei nicht antisemitisch, da es alle drei Religionen gleichermaßen angreife. Mögliche Religionsverletzungen seien für die Beurteilung der Jugendschützer nicht maßgeblich gewesen:

Es gibt im Jugendschutzgesetz bestimmte Tatbestände der Jugendgefährdung. Dazu zählt zum Beispiel das Anreizen zum Rassenhass, worunter auch der Anreiz zu Judenhass gefasst wird. Es gibt darüber hinaus noch weitere Tatbestandsmerkmale, zum Beispiel die Verherrlichung des Nationalsozialismus, Verherrlichung von Drogenkonsum, oder auch die Diskriminierung von Menschen. Allgemeine Kritik an Religion selbst ist kein Tatbestand der Jugendgefährdung,

wie Petra Meier, stellvertretende Leiterin der Bonner Behörde, gegenüber dem dradio erklärt.

Die Entscheidung der Bundesprüfstelle wurde überwiegend begrüßt. Während Autor und Verlag sich über den „Sieg der Meinungsfreiheit“ und die Erlaubnis des Buches freuten, wähnen andere zwar weiterhin die Jugend in Gefahr. Aber auch einige Gegner des Buchs sehen eine gesellschaftliche Debatte zu dem Thema sinnvoller als ein Verbot.

Streit um religionsfeindliches Kinderbuch (Telemedicus).

„Kleines Ferkel sorgt für großen Ärger“ (dradio).

, Telemedicus v. 07.03.2008, https://tlmd.in/a/687

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