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JurMeta: Mehr Struktur für juristische Online-Inhalte

Letzte Woche haben wir die neu aufgemotzte Jura-Suchmaschine kjur.de vorgestellt. Dabei haben wir auch den Ansatz von JurMeta am Rande erwähnt: Spezielle Meta-Tags, die juristische Online-Inhalte besser strukturieren sollen. Warum das eine gute Idee ist und was genau dahinter steckt, wollen wir hier etwas genauer erklären.
Das unstrukturierte Internet

Um zu verstehen, was JurMeta erreichen will, muss man sich zunächst ein Problem des Internets vor Augen führen: Das Netz ist unstrukturiert. Webseiten werden in der Auszeichnungssprache HTML erstellt. Dort wird eine grundlegende Struktur einer Internetseite definiert, zum Beispiel Überschriften, Tabellen oder Bilder. HTML beschreibt also die Art der Darstellung, trifft aber keine Aussagen über den Inhalt. Gerade Suchmaschinen haben hier aber ein Problem: Ob es sich bei einer Webseite um einen Blog-Artikel, das Impressum oder eine Linkliste handelt, ist für den Crawler zunächst nicht zu erkennen. Nur mit aufwändigen Algorithmen können Inhalte einigermaßen klassifiziert werden.

Hier setzt JurMeta an: Mit Hilfe spezieller Meta-Tags können juristische Inhalte – derzeit in erster Linie Gerichtsurteile – gekennzeichnet werden, um von Suchmaschinen sinnvoll erfasst zu werden.

Juristische Meta-Daten

Die Umsetzung ist denkbar einfach. In den Meta-Tags können diverse juristische Meta-Informationen definiert werden. So können Suchmaschinen – so sie denn den JurMeta-Standard unterstützen – nicht nur das Dokument erfassen, sondern können es auch unter einen bestimmten Aktenzeichen ablegen, weitere Dokumente zum selben Aktenzeichen finden, und die Suche insgesamt besser auf die Bedürfnisse des Juristen anpassen.

Im HTML-Code sieht das dann ungefähr so aus:

<meta name="JM.JurMetaVersion" content="1.0" />
<meta name="JM.Gericht" content="LG Hamburg" />
<meta name="JM.Datum" content="2010-10-22" />
<meta name="JM.Aktenzeichen" content="308 O 78/10" />
<meta name="JM.Entscheidungstyp" content="Urteil" />
<meta name="JM.Rechtsgebiete" content="Urheberrecht" />

Derzeit ist der JurMeta-Standard nur auf Gerichtsentscheidungen ausgelegt. In Zukunft soll er aber auch auf juristische Artikel ausgeweitet werden. Ziel ist es, juristische Inhalte so effektiv wie möglich zu vernetzen. Bei Eingabe eines Aktenzeichens sollen zum Beispiel nicht nur Links zur entsprechenden Gerichtsentscheidung, sondern möglichst zu allen Inhalten angezeigt werden, die sich mit dem Thema beschäftigen.

Eine ähnliche Funktion bietet schon heute dejure.org. Dahinter steckt aber eine enorme technische Leistung, die wahrscheinlich auch nur durch gelegentliche manuelle Eingriffe funktioniert. Der JurMeta-Standard soll diese Vernetzung erheblich vereinfachen und damit auch beschleunigen.

Die Hintergründe

Initiator von JurMeta ist Felix Zimmermann, Mitbegründer von kjur.de. Allerdings betont Zimmermann, dass JurMeta nicht nur auf kjur beschränkt sein soll, sondern lädt andere Betreiber juristischer Suchmaschinen ein, sich der Initiative anzuschließen. Das ist auch nötig, wenn man aus dem ersten Vorschlag einen Defacto-Standard machen möchte. Denn die Auszeichnung juristischer Inhalte hat natürlich nur dann Sinn, wenn ihn möglichst viele Suchmaschinen auch unterstützen. Insofern ist JurMeta derzeit vor allem als Vorschlag zu verstehen, der künftig noch ausgebaut werden soll.

Perspektiven

Juristische Suchsysteme machen in den letzten Monaten und Jahren große Fortschritte. Mit Jusmeum und kjur sind gleich zwei Newcomer in letzter Zeit auf den Markt gekommen. Hinzu kommt der alte Platzhirsch dejure.org, der schon seit einigen Jahren an der Vernetzung juristischer Inhalte arbeitet. Gerade diese neue Konkurrenzsituation könnte zu vielen neuen Ideen führen.

Im Gegensatz zu proprietären Suchsystemen wie juris oder beck online können freie Suchmaschinen jedoch nicht auf einen standardisierten Datenbestand zurückgreifen. JurMeta könnte dieses Problem lösen. Bis dahin ist aber noch viel zu tun. JurMeta steht erst am Anfang, einige technische Fragen sind noch zu klären und vor allem die Akzeptanz ist noch ein großes Fragezeichen. Ein gemeinsamer Standard wäre aber auf jeden Fall ein großer Fortschritt, um juristische Online-Inhalte künftig besser zu vernetzen.

Ausführliche Infos und Anleitungen auf jurmeta.de.

  • Adrian Schneider ist Mitbegründer, Vorstand und Hausnerd von Telemedicus sowie Rechtsanwalt bei Osborne Clarke in Köln.

, Telemedicus v. 06.12.2010, https://tlmd.in/a/1910

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