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Juristische Suchmaschinen: Neues von kjur.de

Als „early mover“ wurde die juristische Suchmaschine kjur im April schon einmal bei uns erwähnt – damals in Zusammenhang mit dem juristischen Social Network Jusmeum. Am Dienstag ging nun eine völlig überarbeitete Version von kjur online. Wir geben einen kurzen Einblick.
kjur: Wer ist das und was machen die?

Hinter kjur stecken Andreas Bock und Felix Zimmermann. Die beiden haben sich 1999 in einem Uni-Seminar „Online Informationen für rechtssuchende Bürger“ kennengelernt. Seither beschäftigt sie die Frage, wie man Nutzerbedürfnisse im Internet am besten befriedigen kann. Ihr Grundgedanke dabei: Für den Nutzer steht meist im Vordergrund, dass Webinhalte einfach genutzt werden können.

Hier möchte kjur.de ansetzen. Im Prinzip macht die Webseite Texte durchsuchbar und soll eine bessere Recherche ermöglichen. Texte werden qualifiziert und über unstrukturierte Daten soll eine Struktur hergestellt werden („Data Mining“). Besonders im Bereich Recht bietet sich das an: Hier gibt es eine Menge feststehender, (mehr oder weniger) leicht adressierbarer Parameter, wie Aktenzeichen, Normen oder Schlagwörter. Hauptanliegen von kjur ist, Quellen zu verknüpfen um Informationen besser zugänglich zu machen.

Technischer Hintergrund

Der Suchraum von kjur.de umfasst laut eigener Aussage „vorrangig amtliche Seiten sowie Webseiten, die sich mit rechtlichen Themen auf einem hohen fachlichen Niveau auseinandersetzen“.

Schwierig gestaltet sich dabei, dass die Daten, die hierbei beim „crawling“ erfasst werden, nicht immer direkt die Suchergebnisse widerspiegeln. kjur.de nutzt daher einen sog. „Boilerpipe”-Algorithmus, der den eigentlichen Seiteninhalt von der Navigation trennt und bei der Recherche höher gewichtet. Ferner bedient man sich der Auswertung von Metadaten. Hierbei soll auch die jurmeta-Initiative helfen: Ein von kjur-Erfinder Felix Zimmermann 2009 vorgeschlagenes „Tagset” soll juristische Online-Inhalte besser strukturieren. openJur und Telemedicus setzen den neuen Standard bereits ein.

Idee mit Zukunft?

Auch die Macher sind sich bewusst: kjur.de steht noch ganz am Anfang. Derzeit werden ca. 60 Blogs gecrawlt, dazu kommen Datenbanken wie beispielsweise die Gesetzessammlung des BMJ, EUR-Lex, openJur oder Kuselit.

Dennoch haben ihrer Meinung nach juristische Blogs das Potential, die Kommentare der Zukunft zu sein. Je ausgereifter die Technik sei, desto eher könnten Verknüpfungen zwischen Suchergebnissen hergestellt werden: von Normen über Urteile hin zu den relevanten Textstellen in Blogbeiträgen.

Insgesamt macht das die Sache für einen breiten Anwenderkreis interessant. Egal ob ein recherchierender Jurist oder ein abgemahnter Laie Nachforschungen anstellen: immer exaktere Suchergebnisse mit weiten Verknüpfungsmöglichkeiten führen automatisch zu ausgereifterer Informationswiedergabe. Damit könnte es kjur.de gelingen, das semantische Web ein gutes Stück weiter zu spannen.

Ein gutes Indiz dafür ist auch, dass das Unternehmen gerade durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr und das Ministerium für Wissenschaft und Kultur in Niedersachsen mit dem GründerCampus-Preis prämiert wurde.

Ausblick

kjur.de steckt noch in den Kinderschuhen. Das zeigt beispielsweise eine aktenzeichenspezifische Suche. Ist eine Quelle noch nicht erfasst, wird es schwierig, richtige Ergebnisse auf Anhieb zu finden. Gerade aus diesem Grund sei auch aktive Mitarbeit von außen gefragt. Bock und Zimmermann haben dafür einen Feedback-Button in die Seite integriert.

Auch die Konkurrenz schläft nicht: jusmeum bietet eine eigene Suchfunktion und auf der Höhe der Zeit auch Apps an. Auch Google und Dejure.org bieten eine gute Suchbasis.

Ob sich die Informationsbeschaffung tatsächlich entgegen althergebrachter, teilweise unflexibler Methoden umkehren wird und sich das Konzept letztlich durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Wie die Qualitätssicherung bei wachsender Datenbank gewährleistet werden soll, scheint vorerst auch offen. Gerade im Hinblick auf die Entwicklungsmöglichkeiten des semantischen Web und dem Bedarf an simpler Informationsbeschaffung über das Internet erscheint eine stetige Fortentwicklung dennoch wünschenswert. Der Grundstein wurde durch die Neubearbeitung gelegt.

Zur überarbeiteten Version von kjur.de.

  • Fritz Pieper ist Rechtsanwalt bei Taylor Wessing.

, Telemedicus v. 03.12.2010, https://tlmd.in/a/1908

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