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Heino ruft zum GEZ-Boykott auf

Sommerloch: Die Erste

Quelle:
Heino, Bild: Wikimedia

Schlagerbarde Heino rief am vergangenen Montag in der BILD dazu auf, einen Euro der GEZ-Gebühr einzubehalten, um so gegen die programmatischen Entscheidungen des ZDF zu protestieren. Ursache für den Boykottaufruf ist die Sendung „Die lustigen Musikanten“, die das ZDF nach 36 Jahren vom Sender nehmen will. Wie Spiegel-Online berichtet hat der Sender die betagteste Zuschauerstruktur aller TV-Kanäle und möchte diesen Zustand ändern. Nach Ansicht des Schlagersängers fällt diese Entscheidung gegen den Willen der Gebührenzahler.

ARD betont Programmautonomie

ARD-Sprecher Christian Bauer zeigt sich Spiegel Online gegenüber unbeeindruckt: „Derjenige, der Rundfunkgeräte zum Empfang bereit hält und die fällige Rundfunkgebühr ganz oder teilweise nicht leistet, begeht eine Ordnungswidrigkeit.“ Mehr noch: Wer zu einer Ordnungswidrigkeit aufrufe, handele bereits ordnungswidrig. „Niemand hat einen Rechtsanspruch auf ein bestimmtes Format, die Programmautonomie liegt immer noch bei den Fernsehanstalten“, betont Sprecher Peter Bogenschütz gegenüber Welt-Online. Bezüglich einer angeblich angestrebten Verjüngung des Publikums äußert er sich wie folgt: „Es ist ganz einfach so, dass die Quoten der Musikanten-Sendung zunehmend in den Keller gehen.“ So sei die Zuschauerzahl bei den „Lustigen Musikanten“ in den letzten zehn Jahren von über fünf Millionen auf derzeit nur noch drei bis vier Millionen gesunken.
Dennoch hat die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schlager und Volksmusik angekündigt, wegen der geplanten Absetzung der „Lustigen Musikanten“ eine Klage gegen das ZDF zu prüfen. Ein Rechtsgutachten soll klären, ob die Anstalt gegen das Antidiskriminierungs-Gesetz verstoße. „Unsere Gesellschaft wird älter, nicht jünger, und trotzdem nimmt man die Belange der Älteren immer weniger wahr“, kritisiert der Vorsitzende Manfred Knöpke gegenüber Welt Online. Sogar im Petitionsausschuss des Bundestages soll das Thema nach dem Willen des Vereins diskutiert werden.

Angesichts dessen bringt es wohl DWDL.de am treffendsten auf den Punkt:

Rettet man deutsches Liedgut mit immer gleicher Schunkelmusik für Senioren? Glaubt jemand, dass diese Branche das deutsche Liedgut wirklich voran bringt? Oder sind nicht Bands wie „Sportfreunde Stiller“, „Revolverheld“, „Juli“ oder „Silbermond“ auch gute und vorallem neue deutsche Musik? Wem es ernsthaft um den Erhalt deutscher Musik geht, sollte hier mehr Unterstützung fordern. Niemand aber hat je gefordert, dass jüngere Zuschauer die GEZ-Gebühren boykottieren sollten, weil sie sich wenig repräsentiert fühlen.

, Telemedicus v. 01.08.2007, https://tlmd.in/a/338

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