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„Claim your Content“ auf Youtube

Google hat ein Filtersystem zur automatischen Erkennung von urheberrechtlich geschützten Inhalten entwickelt. Das bestätigte das Unternehmen Anfang dieser Woche im Rahmen der Medienkonferenz NAB. Die Software mit dem Namen „Claim your content“ soll automatisch die Rechteinhaber geschützter Werke identifizieren und eine unautorisierte Veröffentlichung verhindern. Das System soll in erster Linie bei den Video-Portalen Youtube und Google Video zum Einsatz kommen.
Wie „Claim your content“ genau funktionieren soll ist noch unklar. Es ist jedoch fraglich, ob der automatische „Urheberrechtsfilter“ wirklich in dem angepriesenen Umfang funktionieren wird. Denn Verwertungs- und Nutzungsrechte können sehr vielfältig und nicht nur für Maschinen schwer nachvollziehbar sein. Allein die Frage, ob Inhalte überhaupt urheberrechtliche Werke darstellen dürfte wohl kaum automatisiert zu beurteilen sein. Vorstellbar wäre höchstens ein abstrakter Abgleich mit einer Datenbank, in der geschützte Werke und deren Rechteinhaber aufgeführt sind.

Trotzdem könnte die Software auch rechtlich für großen Wirbel sorgen. Denn die Frage, welchen Prüfungspflichten Betreiber von Online-Diensten nachkommen müssen, ist umstrittener denn je. Ein wichtiger Punkt bei dieser Diskussion ist die Frage, inwiefern eine automatische Überprüfung von Inhalten möglich ist und verlangt werden kann. Erst vor kurzem argumentierte der Download-Hoster Rapidshare, dass für Webhoster eine Haftung für rechtswidrige Inhalte Dritter nicht in Frage käme, weil eine automatische Überprüfung der Inhalte nicht möglich sei. Auch das LG München I ging davon aus, dass eine automatische Filterung nicht möglich sei.

Dennoch wird insbesondere bei dem Streit um die Verantwortlichkeit von Foren- und Suchmaschinenbetreibern nicht selten eine automatische Filterung von Inhalten gefordert. Bisher waren diese Forderungen allerdings utopisch. „Claim your content“ könnte das jedoch ändern. Doch auch wenn es nicht die erste innovative Lösung aus dem Hause Google wäre, ist ein solches System derzeit technisch kaum vorstellbar. Es bleibt also abzuwarten, ob Google die großen Versprechen halten kann.

Artikel bei Heise.

(via)

  • Adrian Schneider ist Mitbegründer, Vorstand und Hausnerd von Telemedicus sowie Rechtsanwalt bei Osborne Clarke in Köln.

, Telemedicus v. 21.04.2007, https://tlmd.in/a/179

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