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Call-in-Shows: Eigentor Gewinnspielsatzung?

Bei ProSieben/Sat.1 steht ein Revival der Call-in-Shows bevor. Wie DWDL berichtet, zeigen ProSieben und Kabel eins seit Kurzem unter dem Namen „Quiz Break” von 9Live produzierte Quiz-Shows in den Werbepausen. Grund soll der schwächelnde Werbemarkt sein, wodurch die Sender ihre Werbeplätze nicht mehr voll kriegen. Peinlich für die Regulierungsbehörden: Dank der neuen Gewinnspielsatzung können sich diese Quiz-Sendungen nun auch an gezielt an Minderjährige richten.
Denn in § 3 Abs. 1 der Gewinnspielsatzung heißt es:

„Minderjährigen darf die Teilnahme an Gewinnspielsendungen nicht gestattet werden.
Minderjährigen unter 14 Jahren darf die Teilnahme an Gewinnspielen nicht gestattet werden.”
(Hervorhebung nicht im Original)

Während also bei ganzen Call-in-Sendungen nur Volljährige teilnehmen dürfen, ist bei einzelnen Gewinnspielen auch die Teilnahme durch Minderjährige ab 14 Jahren erlaubt. Und da nur ein einziges Gewinnspiel pro Werbeunterbrechung gezeigt wird, sehen sich ProSieben und Kabel eins damit auf der sicheren Seite.

Eigentor der Regulierung?

„Wir müssen schauen, ob wir nicht zu viel regulieren” hatte Prof. Dr. Norbert Schneider, Direktor der Landesmedienanstalt NRW, noch vor wenigen Monaten bei einem Workshop seiner Behörde zu Call-in-Sendungen verlautbaren lassen. In der Tat scheint hier die Regulierung in Form der Gewinnspielsatzung nach hinten losgegangen zu sein. Denn die Idee, auch Minderjährige bei Gewinnspielen zuzulassen, scheint keineswegs von den Produzenten der Call-in-Shows zu kommen, sondern aus der Gewinnspielsatzung. Zumindest war es vor der Satzung üblich, bei klassischen Call-in-Shows nur volljährige Teilnehmer zuzulassen.

Der zuständigen Medienanstalt Berlin/Brandenburg (MABB) war der Sachverhalt bislang nicht bekannt. Auf Anfrage bestätigte man uns jedoch, dass man handwerkliche Mängel bei der Gewinnspielsatzung vermute: Das Mindestalter von 14 Jahren sei vor allem für sendungsbegleitende Veranstaltungen, also etwa Gewinnspiele bei Jugendsendungen, gedacht. Dies scheine sich jedoch nicht im Wortlaut der Satzung niedergeschlagen zu haben. Die Sache wird nun bei der MABB geprüft.

Kein Ende der Call-in-Shows

Wer glaubte, das Phänomen der Call-in-Shows werde sich mit der Gewinnspielsatzung von selbst erledigen, irrt. Dabei liegt nach wie vor das Problem bei der Regulierung: Vorhandene Möglichkeiten wurden nicht genutzt und die hochgepriesene Gewinnspielsatzung ist so mangelhaft, dass sie offenbar Call-in-Shows teilweise eher begünstigt, anstatt sie zu regulieren. Es bleibt abzuwarten, was die Prüfung der zuständigen Landesmedienanstalt in diesem Fall ergibt. Wahrscheinlich wird sich jedoch – wieder einmal – herausstellen, dass den Aufsichtsbehörden die Hände gebunden sind.

„ProSiebenSat.1 setzt bei Call-In jetzt auf Minderjährige” bei DWDL.

  • Adrian Schneider ist Mitbegründer, Vorstand und Hausnerd von Telemedicus sowie Rechtsanwalt bei Osborne Clarke in Köln.

, Telemedicus v. 10.06.2009, https://tlmd.in/a/1353

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