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„Kein Scherz, du bist der 1.000.000 Besucher heute! Damit bis du [...] der Exklusiv-Gewinner für insgesamt 10 möglichen [sic!] iPhones von Apple.“

Wer in den letzten Tagen im Studentenportal StudiVZ eine Nachricht verschickt hat, bekam diese Anzeige eingeblendet. Nicht nur dass die Werbung schlecht aufgemacht und formuliert ist - man kann auch mit guten Gründen behaupten, dass sie rechtswidrig ist.

Quelle: Screenshot StudiVZ

Zugunsten von StudiVZ und des Gewinnspielbetreibers sei zunächst davon ausgegangen, dass es sich nicht sogar schon um eine strafbare falsche Gewinnspielzusage handelt. Denn anscheinend gab es einen Fehler bei der Formulierung („für insgesamt 10 möglichen iPhones“). So ganz ohne Weiteres wird man also nicht annehmen können, mit der Werbung solle vorsätzlich ein sicherer Gewinn versprochen werden.

Ganz offensichtlich ist die Werbung aber irreführend. Jedenfalls erweckt die Anzeige den Eindruck, die Teilnahme an dem Gewinnspiel sei „exklusiv“ und „streng limitiert“. Auch die dynamisch generierte Uhrzeit soll anscheinend vorgaukeln, es handele sich hier um eine individuelle Gewinn-Nachricht. Aber spätestens nachdem die Nachricht das dritte Mal angezeigt wurde, dürfte sich die Überraschung über die spektakuläre Gewinn-Möglichkeit jedoch in Grenzen halten. Eine solche Irreführung ist nach § 5 Abs. 1 UWG wettbewerbswidrig.

Obendrein ist die Anzeige nicht als solche gekennzeichnet und könnte wenigstens auf den ersten Blick durchaus ein redaktioneller Hinweis sein. Zumal es sich nicht um ein übliches Werbemittel handelt, das abseits des redaktionellen Teils von StudiVZ angezeigt wird. Die Konsequenz: Die Anzeige könnte damit auch gegen das Schleichwerbeverbot aus § 4 Nr. 3 UWG bzw. das Trennungsgebot aus § 58 Abs. 1 RStV verstoßen.

Klickt man auf den angegebenen Link landet man auf einer Internetseite der „Admail Ltd.“ mit Sitz in London. Offenbar handelt es sich um eine Briefkasten-Adresse, diverse Limited Gesellschaften haben dort ihren Sitz. Durchaus auch solche mit zweifelhaftem Ruf.

Das Ziel des „Gewinnspiels“ gibt Admail ganz unverblümt in den ersten Sätzen der Teilnahmebedingungen preis:
„Ziel der Aktion ist es, Personen mit Preisen, Warenproben bzw. Gutscheinen zu überraschen bzw. über Neuheiten und Aktionen zu informieren. Admail Ltd. ist dazu berechtigt, die von Ihnen übermittelten Angaben dazu zu verwenden, Ihnen Angebote, Warenproben, Gutscheine und Informationen zu Produkten und Dienstleistungen zu übermitteln. [...] Admail Ltd., die angeschlossenen Firmen und Subunternehmer sind berechtigt, persönliche Angaben der Teilnehmer zu oben genannten Zwecken zu verwenden.“

Und von wegen „Diese Aktion ist streng limitiert“:
„Die Anzahl der Teilnehmer ist unbegrenzt.“

„Sponsoren“ des Gewinnspiels sind unter anderem Quelle, Tchibo, Neckermann und andere namenhafte Unternehmen. Auch die CAP Customer Advantage Program GmbH ist als Sponsor aufgeführt, ein Joint-Venture der Deutschen Telekom und der Arcandor AG (früher KarstadtQuelle AG). Das Unternehmen betreibt vor allem das HappyDigits-Programm.

Insgesamt sind fast 50 Firmen als „Sponsoren“ aufgeführt, darunter auch durchaus fragwürdige Unternehmen aus dem Bereich Meinungsforschung und diverse „Schnäppchenportale“. Bei der Google-Suche nach einigen Firmennamen tun sich Abgründe auf.

Wer tatsächlich an dem Gewinnspiel teilnimmt, soll sämtlichen Sponsoren, der „Admail Ltd.“, sowie einigen weiteren Unternehmen seine Einwilligung für die Nutzung sämtlicher Daten zu Werbezwecken erteilen. Außerdem sollen die Daten auch an „externe Datenverarbeiter wie zB Datenerfasser, Internetdienst-Anbieter, Lotteriegesellschafte“ weitergegeben werden dürfen. Freundlicherweise wird das aber beschränkt auf „Organisationen und Unternehmen aus den verschiedensten Branchen [...], die meinen erkennbaren Interessen und Wünschen entgegenkommen“. Dafür landen die Daten aber nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich, der Schweiz, Spanien, Kroatien, Großbritannien und den Niederlanden.

Und nun kommt StudiVZ ins Spiel: Das Studentenportal begibt sich mit dieser Anzeige auf sehr dünnes Eis. Die Werbung selbst ist ganz offensichtlich wettbewerbswidrig und kann abgemahnt werden. Möglicherweise kann eine solche Werbeanzeige auch strafbar sein, wenn man davon ausgeht, dass hier irreführend mit einer Gewinnzusage geworben wird, die eindeutig nicht der Wahrheit entspricht. Erst Ende Mai hat der BGH in einem ähnlichen (wenn auch nicht identischen) Fall die Strafbarkeit der Werbemaßnahme bestätigt.

Eine Stellungnahme von StudiVZ steht noch aus. Mittlerweile hat man die Anzeige jedoch entfernt, offenbar zeitnah nach unserer Anfrage.

Nichtsdestotrotz müssen sich die Betreiber fragen lassen, ob es sinnvoll ist, solch dubiosen Anbietern eine Werbeplattform zu bieten. Jedenfalls scheint eine etwas sorgsamere Prüfung der Werbemittel und -kunden angebracht. Insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass StudiVZ selbst in der Vergangenheit mehrfach mit dem Datenschutz zu kämpfen hatte.

Und auch namenhafte Unternehmen wie Lufthansa, Henkel oder Bertelsmann sollten sich darüber Gedanken machen, auf welchem Wege sie ihre Marktforschung betreiben und mit welchen Firmen sie in einem Zug genannt werden wollen. Zumal sie durchaus auch selbst für die rechtswidrige Werbung ihrer Partnerunternehmen in Anspruch genommen werden können.

Die Haftungsfragen bei Werbeanzeigen im Detail bei Telemedicus.
Anzeige:

Kommentare

* Thomas 05.06.2008 12:49
Die Anzeige ist nach wie vor aktiv. Habe sie gerade noch gesehen.
* Adrian 05.06.2008 12:55
Tatsache! Nach dem dritten Versuch habe ich die Anzeige auch wieder bekommen. Gestern und vorgestern wurde die Werbung noch ausnahmslos bei jeder Nachricht angezeigt. Deshalb ging ich davon aus, dass sie entfernt wurde, als ich sie nicht sofort wieder gesehen habe.

Danke für den Hinweis!
* Simon 05.06.2008 17:31
Die sind schon hardcore bei StudiVZ. Normalerweise liest Henning Krieg hier mit, der ist bei Bird&Bird, und die vertreten StudiVZ, so weit ich weiß. Mal sehen, ob wir noch mal was hören in der Causa "Kein Scherz"...

Man könnte ja auch auf eins der Iphones klagen:

http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__661a.html />
8-)
* Adrian 05.06.2008 18:11
> Man könnte ja auch auf eins der Iphones klagen:
Vorausgesetzt man versteht die Anzeige als tatsächliche Gewinnzusage. Wie gesagt: Ganz so eindeutig ist das aber wohl nicht. Andererseits: Einen Versuch könnte es wert sein ;)
* Simon 05.06.2008 18:24
Ich persönlich würde jetzt sagen: Denkt man sich den Rechtschreibfehler weg ("Damit bist du der Exklusiv-Gewinner für insgesamt 10 mögliche iPhones") bleibt immer noch eine Gewinnzusage übrig.

Das schließe ich zum einen daraus, dass die Anzeige von einem "Gewinner" spricht: Gewinner ist aber nur, wer schon gewonnen hat - wer noch (vielleicht) gewinnen kann, der ist nicht "Gewinner".
Zum anderen ergibt sich das m.E. aus der Stellung des Wortes "möglichen" im Satz. Im aktuellen Satzbau besagt das Wort "möglichen", dass 10 Iphones möglich waren, also gewonnen werden konnten.
Hätte das Wort "möglichen" aussagen sollen, dass 10 Iphones möglicherweise gewonnen werden können, dann hätte das Wort weiter vorne stehen müssen. Der Satz hätte dann heißen müssen: "Sie sind der mögliche Gewinner von 10 Iphones".

Insofern ist die Aussage m.E. in jeder möglichen Interpretation eine echte Gewinnzusage. Im Strafrecht mag das aber mit Blick auf den in-dubio-pro-reo-Grundsatz anders zu bewerten sein. Adrian, wie wär´s? Verdienen wir uns ein Iphone? ;-)
* Adrian 05.06.2008 19:07
Wahrscheinlich gemeint ist:

"Damit bist du der Exklusiv-Gewinner für eins von 10 möglichen iPhones."

Aber du hast recht: einen entscheidenden Unterschied macht das wohl nicht. Zumindest aus zivilrechtlichen Gesichtspunkten.
* Christoph 06.06.2008 10:21
Das StudiVZ ist ganz schön tief gesunken. Was kommt wohl als nächstes? Pop-Ups für Sex-Homepages? Dialer? Wirklich traurig.
* oldboy 07.08.2008 12:58
Ein Freund hat jetzt wohl blöderweise aus diesem "angebot" resultierend, einen Anruf erhalten,. in dem ihm mitgeteilt wurde das er das iphone leider leider nicht gewonnen hat.
Jedoch habe er eine Reise gewonnen, er könnte sichs aussuchen welche, blabla bla, jedenfalls, erzählte mir das mein kollege so, und als ich näher nachfragte, sagte er mir aufeinmal er habe da Kontodaten weitergegeben, weil die Frau am Telefon wohl was davon erzählt hat das das notwendig sei, und einmalig, und man kann es von der Steuer absetzen, und hasse nich gesehen ...es handelt sich jedenfalls um einen Betrag von 30€ ...

Da ich meinem Kollegen jetzt ein bischen Panik gemacht habe, musste ich mich verpflichten ein bischen zu recherschieren, und seinen angaben nach, muss er bei so einer geschichte wie in diesem post beschrieben teilgenommen haben, bei studivz ...

"Wir" haben keinen Firmennamen etc., sollte mein Kollege das Geld einfach wieder bei der Bank einfordern fals es abgebucht wird, oder wie kann man jetzt vorgehen, ist einem dieses Fallmuster evtl. schon bekannt und weiß was zu tun ist ?

gruß.
matze
* Adrian 07.08.2008 13:41
Rechtsberatung im Einzelfall können und dürfen wir hier leider nicht leisten. Dafür ist ein Rechtsanwalt der bessere Ansprechpartner.
* Nicole 10.11.2010 11:18
Habe an diesem Gewinnspiel teilgenommen und habe leider die AGB nicht richtig gelesen.
Heute ruft mich eine Frau vom Lotto an und sagt mir, dass ich damit einen 3 Monatigen Vertrag abgeschlossen habe. Bin verpflichtet 41€ zu zahlen, die ich bei Nichtgewinn wieder bekommen wuede. Was soll ich jetzt tun? Sollte meine Kontodaten abgeben, was ich nicht gemacht habe. Darauf hin sagte sie dass ich eine Mahngebuer fuer "Buchung des Gewinnes" zahlen soll. Kann ich etwas dagegen machen???
* Adrian 10.11.2010 12:57
Siehe mein letzte Kommentar. Ein Besuch beim Anwalt wird sicher schnell für Klarheit sorgen.

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