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Im September letzten Jahres erschien auf Telemedicus ein Interview zum Thema „Content Fingerprinting“. Dabei ging es darum, eine Technologie vorzustellen, die in vielerlei Hinsicht relevant für die Entwicklung des Internetrechts ist. Seitdem gab es einige neue Entwicklungen.

Die Frage, welche Fingerprinting-Technologien ein One-Click-Filehoster anwenden muss, um nicht mehr haftbar zu sein, stand im Zentrum einer Entscheidung des LG Düsseldorf. Das Gericht entschied: Der Host-Provider Rapidshare, dessen Dienstleistung im hohen Maße für Copyright-Verletzungen geeignet ist, muss in sehr engen Bahnen prüfen.

Da die Störerhaftung nicht über Gebühr auf Dritte erstreckt werden darf, die nicht selbst die rechtswidrige Beeinträchtigung vorgenommen haben, setzt eine Verpflichtung unter anderem zur Unterlassung die Verletzung von Prüfungspflichten voraus. Deren Umfang bestimmt sich danach, ob und inwieweit dem in Anspruch Genommenen nach den Umständen eine Prüfung zuzumuten ist [...] Es ist danach zu fragen, inwieweit es dem als Störer in Anspruch Genommenen technisch und wirtschaftlich möglich und zumutbar ist, die Gefahren von Rechtsgutverletzungen zu vermeiden [...]. .


Dass ein Host-Provider nur im Rahmen des Möglichen haftet, ist noch keine Neuigkeit. Neu ist aber, dass das Gericht sehr enge Grenzen zog, was die Zumutbarkeit Prüfungspflichten angeht: Die bereits relativ komplexe Filtertechnik von Rapidshare reichte dem Gericht nicht aus. Es forderte deutlich verbesserte Abwehrmaßnahmen bis hin zu einer Registrierungspflicht oder notfalls der Abschaltung des Dienstes.

Zu dieser Entwicklung passt, dass sich die Fingerprinting-Technologie in der Zwischenzeit sprunghaft weiterentwickelt hat. Der deutsche Anbieter „iPharro“, eine Ausgründung des Fraunhofer Instituts, bewirbt seine Fingerprinting-Software wie folgt:

iPharro MediaSeeker€™s automatic content-based identification technology is highly accurate. While human observers may err due to fatigue, or miss small details in the footage that are difficult to identify, iPharro MediaSeeker detects content with a proven accuracy of over 99%. This does not require prior inspection or manipulation of the footage to be monitored. The system extracts the relevant information from the video stream data itself and can therefore efficiently monitor a nearly unlimited number of channels without manual interaction.
(Hervorhebungen nicht im Original)

Nimmt man diese beiden Entwicklungen zusammen - die engeren rechtlichen Anforderungen an die Prüfungspflichten von Host-Providern einerseits, die besseren technischen Möglichkeiten andererseits - dann folgt daraus: Wer der Störerhaftung entgehen will, der wird vermutlich bald auf eine Fingerprinting-Software zurückgreifen müssen. Das wäre dann das Ende sämtlicher Geschäftsmodelle, die auf der Verletzung von Urheberrechten beruhen. Und ein sehr weiter Schritt vorwärts für die Urheber und die zugehörige Verwertungsindustrie.

Telemedicus zur Entscheidung des LG Düsseldorf.

Zur Webseite von Ipharro.

Sehr interessantes White Paper zur Zukunft von Fingerprinting und Watermarking (PDF).
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Kommentare

* Adrian 16.05.2008 13:33
Ich meine, dass iPharro mit Radpidshare nicht wirklich was zu tun hat. Denn offenbar ist iPharro auf Video-Streams spezialisiert. Damit arbeitet Rapidshare aber gerade nicht.

Deshalb ist es bei Rapidshare auch möglich, die Dateien nicht im (für den Scanner) lesbaren Format, sondern verschlüsselt hochzuladen. Der Nutzer kann sie dann nach dem Download wieder entschlüsseln. iPharro könnte bei Rapidshare die Daten also u.U. erst gar nicht lesen.
* Simon 16.05.2008 13:58
Ipharro bietet derzeit hauptsächlich Software an, die auf die Überwachung von linearem Fernsehen angelegt ist, das ist richtig. Grundsätzlich kann die Fingerprinting-Technik aber auf sämtliche Video-Formate angewendet werden, und nach meinen Informationen vermarktet Ipharro seine Software auch für das Internet.

Die Frage, ob verschlüsselte RAR-Archive diese Art von Fingerprinting nicht wieder aushebeln könnten, ist m.E. noch eine andere. Hier ist es Rapidshare m.E. durchaus zumutbar, das Hochladen von verschlüsselten Dateien zu verbieten. So weit kann die Störerhaftung schon reichen, selbst wenn man die Grenzen nicht so eng zieht wie das LG Düsseldorf.
* Adrian 16.05.2008 15:29
Ob es ganz so einfach ist, verschlüsselte Inhalte einfach nicht zuzulassen, wage ich zu bezweifeln. Man kann Dateien ja wunderbar manipulieren und eine verschlüsselte RAR-Datei beispielsweise als PDF tarnen. Und selbst wenn jede Datei auf konsistenz geprüft würde, gibt es immer noch die Möglichkeit der Steganographie, die bei fast allen gängigen Dateiformaten funktioniert - im Gegensatz zu iPharro.

Was ich damit sagen will: iPharro mag ein großer Schritt sein und sicher wird Fingerprinting zukünftig weite Verbreitung finden, angesichts der Rechtsprechung zur Störerhaftung. Aber wir sollten uns hüten, darin die Lösung aller Probleme zu sehen und davon auszugehen, dass sich das Geschäftsmodell von Rapidshare & Co. damit einfach in Luft auflöst. Denn die Umgehungsmöglichkeiten sind zahlreich und Raubkopierer diesbezüglich ziemlich kreativ. Letztendlich ist es doch immer das selbe Wettrennen, das keiner so recht gewinnen kann. Sei es DRM, CD-Kopierschutz oder auch Fingerprinting.

Wenn, dann wird am Ende so oder so die Rechtsprechung stehen, die dem Ganzen - zumindest in Deutschland - einen Riegel vorschiebt.
* Simon 16.05.2008 15:55
Sicherlich kann Content Fingerprinting nicht alle Probleme lösen. Nur manche. ;-)

Zu dem "Rüstungswettlauf" von Raubkopierern und Software-Entwicklern hat Raphael Wimmer im ursprünglichen Interview schon richtigerweise gesagt:

"Darum geht es allgemein bei solchen Technologien, sowohl bei Content-Fingerprinting als auch bei Watermarking: Man versucht einfach nur, den Aufwand, solche Sperren zu überwinden, möglichst hoch zu treiben. Die perfekte Lösung gibt es nicht."

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