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Die Auseinandersetzung um das vom ZDF geplante Online-Format „Wort zum Freitag“ wird in der zweiten Woche mit zunehmender Schärfe fortgeführt.

CSU-Generalsekretär Markus Söder, stets ein Freund markiger Worte, in der Bild am Sonntag (25.02.2007):
Deutschland braucht keinen Moschee-Sender!
Dafür seien Gebührengelder nun wirklich nicht da. Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth warf Söder daraufhin „üble Hetze“ vor. Das ZDF zeige vielmehr, dass es seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag ernst nehme.

Zentralrat der Juden attackiert „Wort zum Sonntag“

Auch der Zentralrat der Juden, der sich durch diesen Plan gegenüber den anderen Religionsgemeinschaften benachteiligt sieht, geht in die Offensive. Im Focus (17.02.2007) sprach sich der Vizepräsident des Zentralrats der Juden Salomon Korn für ein „Wort zum Wochenende“ für alle Religionsgemeinschaften aus. In einem Spiegel-Interview (26.02.2007) geht er noch weiter und stellt das „Wort zum Sonntag“ der christlichen Religionsgemeinschaften in Frage. Zeitgemäßes öffentlich-rechtliches Fernsehen müsse alle Religionen und Weltanschauungen kritisch begleiten. Mehr noch:
Das Wort zum Sonntag ist ein Anachronismus.

ARD-Programmdirektor Günther Struve, widerspricht dem in der SZ (26.02.2007) vehement:
Ich halte das Wort zum Sonntag für eine so stabile Institution, dass sie überhaupt nicht zur Diskussion steht.
Undurchdachter Vorschlag des ZDF löste den Streit aus

Man muss sich fragen, was die Verantwortlichen des ZDF eigentlich dazu getrieben hat, mit einem derart undurchdachten Vorschlag an die Öffentlichkeit zu gehen: Ein Vorschlag der schließlich dazu führte, dass jetzt sowohl das ZDF als auch die ARD ihre Programmhoheit gegen allerhand Begehrlichkeiten religiöser Gruppierungen verteidigen müssen.

Zudem hat man in der teilweise aufgeregten Debatte den Eindruck, dass nicht jeder der Diskutanten weiß, worüber er sich eigentlich aufregt: Aufgabe des Rundfunks und insbesondere der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ist es die Vielfalt der bestehenden Meinungen darzustellen. Wie sie dieses Ziel erreichen, bleibt ihnen aufgrund ihrer Programmautonomie selbst überlassen.

Jedoch gibt es ein Recht auf (angemessene) Sendezeiten für bestimmte Religionsgemeinschaften, dass durch Rundfunkgesetze und Staatsverträge geregelt wird. Einen gesetzlich festgeschriebenen Anspruch auf Verkündigungssendezeit für Muslime gibt es aber bisher nicht. So gilt für den Fall des ZDF § 11 Abs. 3 ZDF-StV:
Den evangelischen Kirchen, der katholischen Kirche und den jüdischen Gemeinden sind auf Wunsch angemessene Sendezeiten zur Übertragung religiöser Sendungen einzuräumen. Andere über das gesamte Bundesgebiet verbreitete Religionsgemeinschaften des öffentlichen Rechts können angemessen berücksichtigt werden.
Diesen Status zu erlangen bemühen sich die islamischen Verbände, die momentan noch sehr zersplittert organisiert sind. Angesichts einer steigenden Zahl von Muslime in Deutschland kann es sich hierbei aber eigentlich nur noch um eine Frage der Zeit handeln, auch wenn auf dem Weg dorthin noch mit harten Auseinandersetzungen zu rechnen ist.

Aus „Wort zum Freitag“ wird „Forum zum Freitag“

Mittlerweile hat sich das ZDF aus seiner unkomfortablen Situation vorerst einigermaßen herauslaviert und aus dem ursprünglich geplanten „Wort zum Freitag“ ist ein „Forum zum Freitag“ geworden.

Es sei nicht an eine Verkündigungssendung gedacht, auch wenn religiöse Inhalte eine Rolle spielen sollen, sagte der Vorsitzende des ZDF-Fernsehrates, Ruprecht Polenz (CDU), bei der Präsentation, so "Spiegel-Online". Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland Aiman Mayzek hatte zuvor noch in der FAZ gefordert, dass die inhaltliche Zuständigkeit „selbstverständlich“ bei den islamischen Verbänden liege müsse. ZDF-Intendant Markus Schächter betonte jedoch, inhaltlich behalte das ZDF das letzte Wort.

Ob in diesem Streit jetzt auch das letzte Wort gesprochen wurde bleibt abzuwarten. In jedem Fall ist die Debatte unterhaltsamer als so mancher Programmbeitrag der Öffentlich-Rechtlichen.
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