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Juristische Weblogs sind im wissenschaftlichen Bereich in Deutschland weiterhin selten. Die meisten Jurablogs hierzulande konzentrieren sich auf Nachrichten-Themen oder Rechtsberatung. Das System „Weblog“ auch zum wissenschaftlichen Austausch zu nutzen, das versucht bisher (fast) nur der Beck-Verlag. Anders ist das in den USA.

In den Vereinigten Staaten existiert bereits seit mehreren Jahren eine lebendige wissenschaftliche Blog-Community aus Studenten, Praktikern und Professoren. Doch auch dort fragt man sich, welchen tatsächlichen Zusatznutzen Jurablogs für die Wissenschaft darstellen. Nach einer Erhebung über die Popularität juristischer Weblogs läuft nun eine Debatte darüber, wofür Jurablogs gut sein können. Was kann ein Blog besser, als es eine wissenschaftliche Zeitschrift oder ein Buch könnte?

Prof. Jack Balkin
, Autor eines der wichtigsten US-Jurablogs, sieht die Funktion wissenschaftlicher Jurablogs vor allem darin, einen nicht-wissenschaftlichen Leserkreis zu erreichen, der über andere Medien nicht zugänglich ist:

These sites are engaged in something very important: the diffusion of professional expertise. It is a diffusion that would not have been possible on this scale before the age of the Internet and remember, we are still in the earliest stages of this development. These legal blogs simultaneously (1) allow academic communities of interest to form; (2) forge connections with lawyers and judges in practice who pay hardly any attention to law review scholarship anymore; (3) put informed legal analysis into the hands of journalists and political writers who can now find it more easily than they ever could before; and (4) offer lay persons a window in to what legal experts think.

Here is the point: Even the least trafficked of these expert blogs probably gain more readers in six months than most law professors could hope for in a career.

Bei „Concurring Opinions“ stimmt ihm Prof. Daniel J. Solove im Wesentlichen zu. Jurablogs seien ein Medium, in dem eben nicht nur ein eine, sondern in zwei Richtungen kommuniziert werde.
The great value I see in the blogosphere is to communicate with professors and others in a way that I cannot as readily do in law review articles or books. If I want to engage in a lengthy and detailed analysis, I'll do it in a law review or book. But if I want to analyze a case, react to a news story, write a short book review, or respond to a critique of an article or a book I wrote, the blogosphere is the perfect medium for that. I view the blogosphere as an idea-spreading mechanism. I work hard on my ideas (I may not always get results, but I try) and I want to sprinkle them around with the hope that one or two might actually take root somewhere.

Eine Diskussion, die auch der deutschen Rechtswissenschaft als Ansporn dienen könnte.
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Kommentare

* Rumpelstilzchen 21.02.2008 16:29
Dann sollte man das Thema aber etwas weiter fassen und fragen, warum das Niveau der juristischen Weblogs in Deutschland überhaupt so trostlos ist, verglichen mit den USA.

Ein paar juristische Zeitungs- und Agenturmeldungen per copy&paste, ein paar Schwänke aus dem Anwaltsalltag, zumeist auch die aber nur als Aufhänger zur Verbreitung von Ressentiments gegen Justiz, Kollegen und Mandanten, unter den Kommentatoren eine Handvoll Mitblogger und im übrigen eine Melange aus Querulanten, Verschwörungstheoretikern und Stammtischbrüdern - solange die juristische Blogosphäre bei uns so beschaffen ist wie sie das nunmal im Moment noch ist, werden die meisten seriösen Juristen schlicht keine Lust haben, hier mitzumachen (schon mal einen angesehenen Anwalt getroffen, der bloggt?).
* Adrian 22.02.2008 08:29
> schon mal einen angesehenen Anwalt getroffen, der bloggt?
Oh ja. Und ich meine auch, dass diese nicht unter den Tisch fallen sollten. Sie mögen recht haben, dass einige deutsche Jurablogs diesen Namen eigentlich nicht verdient haben und es mag auch stimmen, dass das in den USA etwas anders ist (genau kann ich das nicht beurteilen). Trotzdem haben wir m.E. einige sehr gute Jurablogs in Deutschland. Nicht jeder beschäftigt sich mit Verschwörungstheorien oder arbeitet nur mit Copy&Paste.

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