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Was steht bei Google auf Rang eins, was auf Rang zehn – und warum? Diktiert mir meine Facebook-Timeline, was mich zu interessieren hat? Immer wieder werfen kleine Unregelmäßigkeiten in Such- und Relevanzalgorithmen die Frage auf: Muss ein Gesetz die großen Inhaltevermittler unserer Zeit zur Neutralität zwingen, oder zumindest zu einer Nichtdiskriminierung von Inhalten?

Exemplarisch hierfür steht ein aktueller Fall um Google Autocomplete.

Autocomplete ist in Deutschland vor allem im Zusammenhang mit der Durchsetzung von Persönlichkeitsrechten bekannt: Manch einzelne Person konnte schon vor Gericht erwirken, dass Google Blacklists für Autocomplete-Begriffe erstellt. Oft stecken dahinter legitime Anliegen des Persönlichkeitsschutzes – nicht jeder muss sich als bei einer Sucheingabe als Betrüger bezeichnen lassen, nur weil es die Suchmaschine will.

Bevorzugung für einzelne?


Doch Blacklists haben über die Interessen einzelner Personen hinaus auch eine andere, breitere Dimension – politisch wie gesellschaftlich. Das zeigt aktuell ein Fall, auf den der Guardian hinweist: Google (das britische wie derzeit das deutsche) blendet bei der Eingabe der Begriffe „conservatives are” die Autocomplete-Vorschläge aus – komplett. Anders, wenn man es mit der politischen Konkurrenz versucht: Bei „labour are” zeigt Autocomplete die einschlägigen Vorschläge an (... „finished”, „a joke”, „scum”). Ähnlich negativ sollen zuvor auch die Vorschläge bei den Konservativen ausgefallen sein.


Screenshots vom 9. Februar 2016

Zeigt sich Google da für einen Steuerdeal mit der konservativen Regierung erkenntlich?, fragt der Guardian. Google habe das zwar verneint. Dennoch sei Grund zur Sorge, wenn nicht absehbar ist, wie Google seine Macht einsetzt.

Wer den Algorithmus steuert, beeinflusst, was Menschen denken werden


Aufregung um eine Miniaffäre, die vielleicht nicht einmal eine ist? Nun, der Vorfall wirft die Frage auf: Sollte eine Plattform an die Leine, die der halben Menschheit täglich Zugang zu Informationen und Meinungen verschafft? Denn: Wer Googles Suchalgorithmus steuert – ob im Einzelfall Mensch oder Maschine –, entscheidet, was gefunden wird. In Rede stehen Relevanz und Gunst, Aufstieg und Fall von Parteien, Personen, Unternehmen, Meinungen, Ideen. Die Macht, die darin steckt – man kann sie gar nicht überschätzen.

Unsere Informationsfreiheitsgesetze erlauben es Bürgern, ihren Behörden in die Karten zu schauen; staatliche Stellen müssen weltanschaulich und politisch neutral auftreten. Brüche im Vergleich eingepreist: Müsste dieser Maßstab nicht auch für Google, dem Informationsvermittler schlechthin, gelten? In diesem Fall: Sollte Google offenlegen müssen, was warum auf irgendwelchen Blacklists steht?

Doch solange Google keine Transparenz schuldig ist und den Schein einer zumindest ungefähren Gleichbehandlung wahrt (und wahren darf), sind aufmerksame Beobachter die einzige Kontrollinstanz. Das macht eine Blacklist freilich nicht justiziabel.
Hierzu auch die #soko16 von Telemedicus: Die Macht der Plattformen.
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