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Netzneutralität, Jugendschutz im Netz, Presse-Leistungsschutzrecht: Umstrittene Themen bietet das Internet zuhauf. Ein möglicherweise weiterer Zankapfel ist das so genannte „Vectoring”. Doch was ist das überhaupt? Und wie genau kann es Internet-Nutzer beeinflussen?

Was ist Vectoring überhaupt?


Vectoring ist eine bestimmte Art, Daten zu übertragen. Ganz egal welcher Art: Daten werden im Internet in kleinen „Paketen” verschickt. Das geschieht über ein komplexes Netz von einzelnen Wegpunkten. Ein wichtiger Wegpunkt ist die Teilnehmeranschlussleitung (TAL), oft „letzte Meile” genannt. Über diese letzte Meile verlaufen Leitungen vom Kabelverzweiger bis zum Hausanschluss eines Kunden.

Das funktioniert zwar auch jetzt schon meist sehr ordentlich – es geht aber noch besser. Wenn in einem Leitungsbündel aus Kupfer mehrere Signale nebenher laufen, können Störungen auftreten („Nebensprechen” oder auch „Übersprechen” genannt). Das kann die Bandbreite erheblich beeinflussen. Vectoring ist eine softwarebasierte Technologie, die diese Störungen nun komplett auslöscht. Damit sind Geschwindigkeiten von 100 MBit/s beim Download und 40 MBit/s beim Upload möglich. Außerdem: Selbst wenn die Nutzung steigt und sich die Auslastung erhöht, bleibt die Leistung konstant.

Ein Strich durch die Rechnung - die Technik sei Dank?


Für Telekommunikationsanbieter bietet die Technik damit eine echte Alternative zu den Kabelnetzbetreibern – diese können jetzt schon Anschlüsse mit bis zu 100 MBit an den Kunden bringen. Ausserdem ist die Technik viel billiger, als weiträumig Glasfaserkabel bis zum Kunden zu verlegen. Der wirtschaftliche Anreiz ist deshalb riesig. Ein Problem: Die Technik ist bislang noch nur an wenigen Punkten vorhanden. Der Ausbau des Vectorings ist damit eine erste Hürde, die man stemmen muss.

Das klingt zumindest machbar. Doch wie wird diese neue Technik eingesetzt? An diesem Punkt scheiden sich die Geister. Zwar ist die reine Technik unumstritten. Doch die Art und Weise, wie sie eingesetzt wird, gerät mehr und mehr zum Zankapfel.

Größter Streitpunkt: Es könne nur ein einziger Netzbetreiber an einem Kabelverzweiger das Vectoring kontrollieren. Sämtliche Adern der Leitung müssten zentral mit der neuen Technik eingerichtet werden. Außerdem müsse man sie dann unter einem Dach messen und steuern. Selbst wenn Experten sich darüber größtenteils einig sind, bleibt die Frage: Welcher Anbieter soll das machen?

Mittendrin: Die Telekom


Die Telekom hat bereits angekündigt, mehrere Milliarden Euro bis 2020 in den Ausbau der Technik investieren zu wollen. Skeptiker sprechen aber von einer "Re-Monopolisierung" der Telekommunikationsnetze. Die Telekom hingegen winkt ab. Man sei bereit, auch Konkurrenten Zugriff zur neuen Technologie zu verschaffen. Es bestehen aber Befürchtungen, man müsse der Telekom hohe Preise für die Mitnutzung des Vectoring bezahlen – was letztlich den Kunden treffen würde. Doch wem soll man nun glauben?

Fakt ist, dass die Telekom Mitte Dezember einen Antrag bei der Bundesnetzagentur eingereicht hat. Die Forderung: Zugangsmöglichkeiten für Wettbewerber zur TAL an den Kabelverzweigern einzuschränken. Der Antrag stünde denn auch "im erheblichen Widersprich zu den öffentlichen Kooperationsankündigungen", so VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner. Und er geht sogar noch weiter: "Der Telekom-Antrag ist leider so aufgebaut, dass faktisch Unmögliches von der Wettbewerberseite gefordert wird, während die Telekom selbst keinerlei Ausbauverpflichtung eingeht und ihre Planung jederzeit strategisch ändern kann."

Kein Ende in Sicht


Ob das tatsächlich so ist, muss nun die Bundesnetzagentur entscheiden. Ende Januar fand dort eine öffentliche mündliche Verhandlung zum Verfahren statt. Ausgang unbekannt – Ende nicht absehbar.

Der Streit könnte aber sogar noch viel weitreichendere Konsequenzen haben: Die Anteil der Kabelverzweiger, an denen es zu Überschneidungen kommen könnte, ist prozentual gering. Viel Lärm um nichts also? Wohl kaum: Die nächste Stufe „Fibre to the Home” (FTTH) steht bereits in den Startlöchern. Die Übertragungsrate liegt hier bei 1 Gigabit und mehr im Downstream. Konzentriert sich die Telekom nun auf das Vectoring, zögere man damit den Ausbau der Glasfasernetzes heraus, so Kritiker.

Was hier wirtschaftliches Kalkül ist und was ernsthafte Netzausbaubestrebungen, das wird erst die Zukunft zeigen.

Erklärungen zum Vectoring im Deutschlandfunk.
Die Pressemitteilung zum Vectoring-Antrag der Telekom bei der BNetzA.
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