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Die Kalender-App von Google kann man nicht illegal herunterladen. Der Grund ist einfach: Sie gibt es nur online – ausführbar nur direkt über den Browser. Die Software läuft auf Googles Servern. Stellt sich die Frage: Wann läuft auch umfangreiche Software wie Photoshop nur noch im Browser? Der Ruf nach schärferen Gesetzen wäre jedenfalls obsolet, wenn es soweit ist. So meint zumindest Stephan Schaberl vom Cyber Magazin:

Es ist – einfach gesagt – unmöglich, eine solche Software ohne zu bezahlen zu benutzen. Und da immer mehr Anbieter anfangen, ihre Services online anzubieten, wird Softwarebesitz, und damit das Raubkopieren, immer mehr zu einem Auslaufmodell.

Ist die ganze Aufregung um Filesharing hinfällig, weil neue Geschäftsmodelle es ohnehin aussterben lassen? Was taugt das „Modell Spotify” für Software?

Die Streaming-Idee: Nichts liegt auf dem eigenen Rechner


Warum für Software, Musik und Filme bezahlen, wenn es sie im Netz auch umsonst gibt? Legale Alternativen zum Filesharing gibt es schon einige – gerade im Musikbereich. Attraktiv sind sie obendrein, und bringen den Nutzern teils erheblichen Mehrwert. Denn das illegale Laden aus dem Netz ist zwar kostenlos, aber bisweilen auch für den Nutzer ziemlich lästig – allemal lästiger als ein gewaltiges Repertoire legal und günstig zu streamen.

Das gleiche Schicksal könnte auch den Softwaremarkt ereilen. Browserbasierte Software ist in den letzten Jahren immer stärker geworden: Gerade alltägliche Software wie Office- oder Termin-Anwendungen sind im Web gut vertreten. „Software as a Service” (SaaS) ist das Zauberwort: Ich kaufe nicht mehr die Software und damit eine unbegrenzte Nutzungslizenz, sondern „leihe” sie mir für einen bestimmten Zeitraum.

Was taugt SaaS?


Ist SaaS also das deutlich flexiblere Modell als Software, die auf der Infrastruktur des Nutzers läuft? Ja und nein: Einerseits sind die Bandbreiten unserer Netze noch nicht stark genug, um das Modell für alle Bereiche zu etablieren: Filmschnitt in der Cloud etwa klingt nach Zukunftsmusik. Zu groß sind die Datenmengen, die hin- und hergeschoben werden müssen.

Andererseits können zentrale Anbieter wohl meist eine höhere Rechenleistung stellen als der heimische Rechner. Außerdem winken hier deutlich flexiblere Bezahlmodelle: Statt einer Lizenz besteht hier die Möglichkeit, nutzungsbasiert abzurechnen – wie lange hat der Anwender die Software genutzt? Oder wie umfangreich war der Output? Bezahlt würde dann das, was tatsächlich genutzt wurde. Für ein bisschen Nutzung werden viele bereit sein, auch ein bisschen zu zahlen – statt vor der Entscheidung zu stehen, einmalig einen hohen Betrag für die Software hinzulegen. Und weil die auch nur noch beim Anwender selbst verfügbar ist, kann sie auch gar nicht mehr „raubkopiert” werden.

Der Preis des Modells


Doch Software as a Service hat auch Schattenseiten. Habe ich die Software auf meinem eigenen Rechner installiert, kann ich frei entscheiden, wann ich Updates durchführe und wo meine Daten liegen; die Verantwortung liegt beim Nutzer. Anders bei SaaS: Die Hoheit über die Software liegt beim Anbieter. Bevorzuge ich also die bestimmte Version einer Software, habe ich Pech, sobald sie nicht mehr verfügbar ist. Dazu kommt die Frage: Was passiert mit meinen Daten? Denn die liegen bei SaaS wohl meist auch in der Cloud, weil sie ja dort erstellt und bearbeitet werden. Damit ist klar: Mit SaaS mache ich mich abhängig und erhöhe mein Risiko; von datenschutzrechtlichen Fragen ganz zu schweigen.

Ob SaaS also eine gleichwertige Alternative zum klassischen Softwaremodell ist, wird sich zeigen. Jedenfalls ist es ein Modell, das man im Auge behalten sollte. Gut möglich, dass Filesharing – zumindest in einigen Bereichen – eines ganz natürlichen Todes stirbt und kaum jemand noch eine illegale Office-Kopie auf dem Rechner installiert hat.

Klar ist jedenfalls eines: Attraktive und innovative Produkte machen die Branche glaubwürdiger als der Ruf nach schärferer Rechtsdurchsetzung.

„Raubkopierte Software wird zum Auslaufmodell” auf cyber-magazin.de.
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