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Angesichts steigender Energiekosten und aktueller Umweltdiskussionen erscheint die Idee, mitrechnende Stromzähler einzuführen, alles andere als abwegig. Die Pläne der europäischen Kommission, eben solche intelligenten Messsysteme in die europäischen Haushalte zu bringen, stoßen jedoch auf Bedenken bei den Datenschützern.

Auf den ersten Blick scheint ein Einwand aus der datenschutzrechtlichen Ecke verwunderlich; schaut man allerdings genauer hin, ist er durchaus nachvollziehbar, wie der Stellungnahme des Europäischen Datenschutzbeauftragten (EDSB) zu entnehmen ist:
Die Einführung intelligenter Messsysteme in ganz Europa mag zwar signifikanten Nutzen bringen, wird aber auch die massive Sammlung personenbezogener Daten ermöglichen, mit denen verfolgt werden kann, was die Mitglieder eines Haushalts in ihren eigenen vier Wänden tun, ob sie im Urlaub oder auf der Arbeit sind, ob sie spezielle medizinische Geräte oder ein Babyphon benutzen, wie sie ihre Freizeit verbringen, und so weiter. Diese Muster können nützlich sein, um unseren Energieverbrauch für Energiesparzwecke zu analysieren. Zusammen mit Daten aus anderen Quellen ist das Potenzial für Data-Mining sehr bedeutsam. Muster und Profile können für viele Zwecke genutzt werden, Marketing, Werbung und Preisdiskriminierung durch Dritte eingeschlossen.

Zur Stellungnahme des Europäischen Datenschutzbeauftragten (EDSB)
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Kommentare

* Hans-Werner 12.06.2012 12:07
QUOTE:
Angesichts steigender Energiekosten und aktueller Umweltdiskussionen erscheint die Idee, mitrechnende Stromzähler einzuführen, alles andere als abwegig

Das verstehe ich beim besten Willen nicht. Der Reihe nach: Mitzählen tut mein Stromzähler bereits jetzt. Ich möchte sogar behaupten, dass ein Stromzähler, der nicht mitzählt, eher kein Stromzähler ist (oder zumindest ein defekter Stromzähler). Und dann, nachdem wir uns lieber auf "detailliert protokollieren" statt "mitzählen" geeinigt haben, würde mich interessieren, wie das denn logisch argumentiert Auswirkungen auf Umweltbilanz oder gar Energiekosten haben soll? Technisch gesehen lässt sich Verbrauch auch prima unterwegs messen. Es geht nur um die detaillierte Protokollierung auf Basis einzelner Haushalte.
* Denis Beab 12.06.2012 14:16
Es geht ja nicht um das reine "mitzählen"; dass dies einen herkömmlichen Stromzähler ausmacht ist unbestritten. Oben steht ja "mitrechnen" iSv "intelligentes Messsystem". Die Idee dahinter ist eben mehr als ein reines Mitzählgerät, sondern ein wirkliches Analysegerät. Es geht um Effizienzsteigerung in den einzelnen Haushalten (Einsparpotentiale...). Die Auswirkung auf die Umwelt bzw. die Kosten hat es insofern, als dass der Betroffene in Punkto Kosten natürlich nicht der Strompreis günstiger wird. Der einzelne Verbraucher kann vielmehr durch Einsparungen bzw. effizientere Nutzung / Abschaltung einzelner Steckdosen etc. für sich Einsparungen realisieren. Der Umwelt kommt dies schon direkt durch eine effektivere Nutzung der Ressourcen zu Gute.
* Alarmismus dient der Sache nicht 18.06.2012 09:05
Der vom Gesetzgeber gemäß § 21c EnWG vorgeschriebene Einbau "intelligenter" Zähler ist kein datenschutzrechtlicher Beinbruch - die Geräte sind erheblich teurer als die alten sog. Ferraris-Zähler, bei gleichzeitig reduzierter Lebenszeit. Die Netzbetreiber bauen daher vom Funktionsumfang auf das absolute Minimum reduzierte "halbintelligente" Zähler ein, die nicht mal kommunizieren können, was sie messen. Nur die Mehrzahler-Kunden, die sich bewußt für einen smart meter entscheiden, und überdies bewußt zusätzlich einzelne Steckdosen mit Zusatzgeräten versehen, können im Datenbrei "Gesamtverbrauch" den einzelnen Verbrauch von Geräten sichtbar machen (vorausgesetzt, an der Steckdose hängt keine Mehrfachsteckdosenleiste). Außerdem sind noch keine "Verbrauchsprofile" für die in die zehntausende gehenden Geräte bekannt, an denen selbst der (einzeln) gemessene und kommunizierte Verbrauch einzelner Geräte einem Gerätetyp zugeordnet werden könnte. Damit ist der Beispielsfall "Babyphon" reine Phantasie.

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