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Wo liegt die Zukunft des Datenschutzes? In einer Revolution der unterdrückten Internetuser gegen Datensammler - oder doch in einer Fortentwicklung des Rechts? Weniger bei Letzterem, würde der Blogger und Datenschutzexperte Cory Doctorow wohl sagen. Auf dem DatenDialog in Berlin äußerte er sich entsprechend:
"Kein Datenschutzgesetz kann die Selbstkontrolle der Nutzer über ihre Daten ersetzen."

Damit stellte er die Forderung nach Empowerment im Datenschutz.

Was ist Empowerment?

Empowerment soll nach Ansicht Doctorows die Autonomie und Selbstbestimmung über die eigenen Daten erhöhen. Es geht also um die Stärkung der User gegenüber „Datenkraken“, die ihnen oftmals strategisch überlegen sind und über bessere Informationen und mehr Ressourcen verfügen. Bedeutung gewinnt dies vor allem bei Programmen, die beim Seitenbesuch im Hintergrund unerkannt Informationen sammeln.

Empowerment im Browser?

Wie könnte Empowerment in der Praxis funktionieren? Doctorow meint, dass die Nutzer vor allem selbst die Standards setzen können müssten. Als eine Möglichkeit für eine Selbstkontrolle beschreibt er deshalb eine in Web-Browsern integrierte Option zum Blockieren von Daten. Er zieht hier den Vergleich zu Popup-Blockern:
"So eine einfache Möglichkeit müsste es auch gegen die Daten geben, die Webseiten-Betreiber über uns speichern."

Ob Doctorow wohl bekannt ist, dass ein solches Addon bereits existiert? Das Programm Ghostery erkennt bis zu 200 auf JavaScript-basierte Analyse-Tools beim Betreten einer Seite. Diese werden – wenn der User diese Funktion aktiviert – von Ghostery automatisch unterdrückt. Das funktioniert ähnlich wie bei einem Blocker von Werbe-Popups. Anschließend kann der User individuell nachsteuern.

Interessanter ist dabei aber noch, dass auch die Datensammelei im Netz transparenter wird. So lässt sich genau anzeigen, wer beim Internetbesuch mitliest - von Facebook über Google bis zur IVW. Die in dieser Hinsicht auffälligste Seite ist ausgerechnet boingboing.net, wo unter anderem auch Cory Doctorow bloggt. Dort erkennt Ghostery insgesamt 19 (!) Tracker, die den Besucher im Hintergrund ausspähen.



Es bleibt offen, ob Ghostery allein wirklich den Datenschutzes verbessern kann. Kann der Bürger auf diese Weise wirklich Datensammler zur Datensparsamkeit erziehen? Das Datensammeln geschieht schließlich im Hintergrund, anders als bei den lästigen Werbe-Popups. Voraussichtlich werden die wenigsten Datensammler auf das Datensammeln verzichten oder sonst eine engegenkommende Änderung ihrer Programme vornehmen.

Außerdem stellt sich die Frage, wie die Bürger allein die Verantwortung für ihre Daten tragen sollen, wenn eine ähnliche Funktion nicht gesetzlich implementiert ist. Das strukturelle Ungleichgewicht zwischen User und Datensammler wird also nicht aufgelöst. Empowerment als das bloße „Aufbäumen” der User allein reicht nicht aus.

Zum Bericht bei netzwelt.de.

Zum Bericht bei tagesschau.de.
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