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Kann man juristische Weblogs in wissenschaftlichen Arbeiten zitieren? Eine „herrschende Meinung” dazu gibt es nicht. Wir meinen: Es kommt darauf an. Jedenfalls für Telemedicus ist es aber unser Anspruch.

Über die Zitierfähigkeit von Internet-Quellen wird in der wissenschaftlichen Community viel diskutiert. Diese Diskussion hat sicher ihre Berechtigung: Bei Quellen im Internet gibt es wenig Garantien dafür, dass die Inhalte einen genügenden Qualitätsstandard haben. Wer stellt sicher, dass die Ideen auf einer Webseite nicht an den Haaren herbeigezogen, unvollständig oder plagiiert sind? Woraus ergibt sich die Qualifikation des Autors, und welche Quellen hat der Autor verwendet? Häufig ist nicht einmal klar, wer der Autor überhaupt ist.

Ein weiteres Problem ist die fehlende Substanz von Internet-Quellen. Während von herkömmlichen Publikationen meist physische Kopien an Orten vorliegen, wo sie nicht so einfach "gelöscht" werden können, kann der Autor einer Internet-Publikation im Internet diese meist relativ einfach editieren. Das kann die Fehlerfreiheit und Aktualität der Dokumente verbessern, vermindert aber die Verlässlichkeit: Wer ein Dokument im Internet als Beleg oder Fundstelle angibt, der kann nicht sicher sein, dass sein Hinweis auch später noch akkurat ist.

Ein letztes Problem beim Zitieren von Internet-Quellen ist ein einfaches, technisches: Wer als Fundstelle eine URL angeben muss, zerschießt sich schnell das Layout. Internet-Adressen, die mit „http://” beginnen, sind für eine Verwendung in Internet-Medien gedacht, nicht um auf Papier gedruckt zu werden.

Internet-Quellen wollen zitiert werden

Die Frage ist doch jetzt aber: Rechtfertigen diese Bedenken es, eine Internet-Quelle nicht zu zitieren? Wohl eher nicht. Denn, dass die jeweiligen Quellen anzugeben sind, gehört zum absolut verbürgten Grundbestand wissenschaftlicher Ethik. Kein Text über gute wissenschaftliche Praxis kommt ohne einen Hinweis darauf aus, dass fremde von eigenen Ideen zu unterscheiden sind. Dabei geht es zum einen um die Wahrhaftigkeit des Autors: Der soll sich nicht mit fremden Lorbeeren schmücken. Zum anderen ist es aber auch das Recht desjenigen, der die Idee hatte, auch als Ideengeber Anerkennung zu finden. Diese Regeln gelten universell. Ob eine Idee zuerst im Internet, in einer Zeitschrift oder einem Buch stand, spielt dafür keine Rolle.

Telemedicus zitieren: So geht´s

Die Probleme um das Zitieren von Internetquellen existieren freilich trotzdem. Wir bei Telemedicus haben uns damit auseinandergesetzt. Nicht alle Probleme konnten wir lösen, aber manche.

Telemedicus ist keine Fachzeitschrift, kein Lehrbuch und keine Monographie. Aber Telemedicus ist ein Internet-Portal, auf dem fast 2000 fachbezogene Artikel erschienen sind. Alle davon haben ein internes Prüfverfahren durchlaufen und viele davon haben wissenschaftlichen Anspruch. Auf Telemedicus publizieren Wissenschaftler: Fast alle unserer Autoren haben eine akademische Ausbildung abgeschlossen, einige sind promoviert oder habilitiert. Unser Anspruch ist der einer akademischen, wissenschaftlichen Publikation - und so wollen wir auch zitiert werden.

Bei Telemedicus ist jeder Artikel vierfach gekennzeichnet: Durch Titel, Autor, Datum und eine URL (das ist die „Internet-Adresse”, die oben im Browserfenster auftaucht). Mit diesen bibliografischen Angaben kann der Text zweifelsfrei identifiziert werden. Die wissenschaftliche Qualität der Artikel ist nicht immer garantiert - aber wir garantieren, dass jeder Artikel bei uns von mindestens einem erfahrenen Redaktionsmitglied überprüft wird, bevor er online geht. Nur in Ausnahmefällen findet ein solcher Überprüfungsprozess erst hinterher statt, z.B. wenn ein Artikel sehr aktuell ist und schnell veröffentlicht werden soll. Unser wissenschaftlicher Beirat ist an der Überprüfung nicht beteiligt. Aber die Mitglieder des Beirats würden uns sicherlich nicht unterstützen, wenn sie von unserer inhaltlichen Qualität nicht überzeugt wären. Und, seien wir ehrlich: Mehr leisten auch die anerkannten Fachzeitschriften nicht.

Veränderungen an den Artikeln nach Veröffentlichung kommen bei uns vor - aber sie sind selten. Fast immer betrifft das Flüchtigkeitsfehler wie Rechtschreibfehler, falsch gesetzte Links oder Textformatierungen. Wenn wir inhaltliche Fehler korrigieren, versuchen wir das immer transparent zu tun, z.B. durch einen Hinweis in den Kommentaren.

Um das zitieren zu erleichtern, gibt es bei Telemedicus eine kleine Hilfestellung namens „Zitierempfehlung”:



Klickt man auf diesen kleinen Link, erscheint ein Vorschlag dazu, wie man einen Eintrag unserer Ansicht nach am besten zitieren kann. Das wäre z.B.:

Janina Brandes/Adrian Schneider, Telemedicus v. 10.06.2011, http://telemedicus.info/a/2018.html

Über den Zitiervorschlag bekommt man insbesondere auch eine kurze URL angezeigt, die in Print-Publikationen viel leichter abgedruckt werden kann (und bei der die Chance viel größer ist, dass ein Leser sie in sein Browserfenster tippt).

Um das Problem der Flüchtigkeit endgültig zu lösen haben wir schon vor einiger Zeit bei der Deutschen Nationalbibliothek beantragt, dass diese uns in ihren Index aufnimmt - bisher ist das trotz der entgegenstehenden Rechtslage noch nicht erfolgt. Die Deutsche Nationalbibliothek gibt an, an einer Lösung zu arbeiten - das tut sie freilich schon seit mindestens einem Jahr.

Telemedicus zum Gesetz über die Deutsche Nationalbibliothek.

Telemedicus zu Plagiaten und Wissenschaftsplagiaten.

Telemedicus zum Plagiarismus bei Internetquellen und Guttenbergs Doktorarbeit.
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Kommentare

* Hannes Jähnert 05.08.2011 10:26
Hallo zusammen,

vielen Dank für diesen erhellenden Beitrag zur Zitation von Weblogs resp. Telemedicus. Im Rahmen meiner Masterarbeit sehe ich mich hier in einem kleinen Dilemma: Ich pflege selbst mehrere Weblogs und veröffentliche und diskutiere mehr oder weniger ausgegorene Ideen und Gedanken -- meist eigene. Diese würde ich natürlich gern in meiner Masterarbeit verwenden, werde aber schief angeschaut, wenn ich mich selbst bzw. meinen Weblog zitiere. Internet, das steht auch hier im Artikel geschrieben, wird aus unterschiedlichen Gründen nicht als wissenschaftliche Quelle angesehen.

In der eidesstattlichen Erklärung, die ich zu beinahe jeder Hausarbeit abgeben muss, versichere ich regelmäßig, dass ich die Hausarbeit nicht zuvor veröffentlicht habe (weder vollständig noch in Teilen). Wenn Internetquellen u.v.a. Weblogs aber nicht als Quellen zugelassen werden, weil sie keine Veröffentlichungen i.S. der Wissenschaft sind, müsste das für mich eigentlich auch nicht zutreffen.

Das Dilemma sieht also so aus, dass ich einerseits durchaus meine Gedanken und Ideen vor der abgabe meiner Masterarbeit in einem öffentlichen Raum diskutiert habe und dies eigentlich angeben müsste, es aber nicht darf, weil die Netzöffentlichkeit nicht als die Öffentlichkeit anerkannt wird, in der wissenschaftlich Publiziert wird.

Wenn ihr / wenn Sie mir hier einen Tipp geben könnten, wäre ich wirklich dankbar.

Viele Grüße
Hannes Jähnert
* RA Michael Seidlitz 05.08.2011 10:40
Wie zitiere ich ... Online-Quellen?
von Dr. Klaus Graf

http://archiv.twoday.net/stories/16539613/
* Simon Möller 05.08.2011 10:45
Ich denke, hier hat in den letzten Jahren auch ein Bewusstseinswandel eingesetzt. Es gibt ja mittlerweile einige Weblogs, die seriöses Material veröffentlichen. Und deren Autoren verdienen eben Anerkennung, unabhängig von dem Medium, auf dem sie publiziert haben.

Ich würde noch mal mit dem Prof, der die Arbeit abnimmt, Kontakt aufnehmen. Eventuell gibt es an deiner Fakultät auch eine Art "Code of Conduct" dazu, wie (und wie nicht) man zitieren darf. Ich denke, dein Prof wird vor dem selben Dilemma stehen wie du jetzt: Entweder man erlaubt das zitieren von Internet-Quellen, oder man zwingt die Autoren sehenden Auges zum plagiieren bzw. selbst-plagiieren. Ich denke, schon aus dem Grund wird er dir das Zitieren erlauben. Die meisten Professoren verlangen bei Internet-Quellen den Zusatz ("zuletzt abgerufen am ...") und belassen es dabei. Das halte ich auch für die richtige Lösung.
* Hannes Jähnert 05.08.2011 11:02
Vielen Dank für die rasche Antwort. Ich werde da noch mal nachfragen.
* formal gowns womanwithin 05.09.2013 00:32
One of the major items that should be thought about is the type of equipments the photographer is using as it’s supposed that the camera employed by the photographers indicates his professionalism. You should look at the services given by him, the type of camera he uses. He should be paid according to the facilities he’s offering. Services in the sense of the camera used you will find varieties of cameras and varieties of contacts used. The photographers should be paid based on the contact he is using, say if he’s employing a 7 megapixel camera, the he must be covered that only and not more. tiltonstudios

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