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Das deutsche Urheberrecht steht unter dem Verdacht, den Bezug zur Realität verloren zu haben. Diesem Verdacht möchten wir nachgehen und Menschen befragen, die beruflich mit urheberrechtlichen Fragen in Berührung kommen. Wo liegen die Probleme in der Praxis? Behindert das Urheberrecht die Kreativität und tägliche Arbeit? Unsere Fragen beantwortet diesmal die Schriftstellerin Sabrina Janesch.

1. Wo haben Sie in Ihrer täglichen Arbeit Kontakt mit dem Urheberrecht und welche Probleme stellen sich dabei?

Vor allem habe ich mit Urheberschaft zu tun. Als Schriftsteller setzt man sich dauernd mit den Texten anderer auseinander, das muss nicht zwangsläufig ein Blog sein, den man kopiert, das können ebenso gut andere Bücher, Romane sein, Geschichten, von denen man sich lediglich beeinflussen lässt. Und diese Lese-Erfahrungen münden zwangsläufig in den eigenen Schaffensprozess ein, dagegen lässt sich gar nichts machen – was eine gute Sache ist. Die fruchtbarsten Ideen entstehen oft durch die Auseinandersetzung mit anderen Konzepten und Strukturen.

2. Welche Probleme stellen sich dabei?

Jeder, der andere Texte in seine Arbeit einfließen lässt, steht vor diesem Problem: Lasse ich mich noch inspirieren, oder schreibe ich schon ab? Wo übertrete ich eine Grenze? Erst, wenn ich ganze Sätze, Abschnitte kopiere, ohne dies kenntlich zu machen, oder auch dann, wenn ich eine ähnliche Struktur oder gleiche Motive verwende? Oder denselben Ausgang wähle wie ein Autor vor mir? Überschneidungen lassen sich sicher nicht vermeiden, aber auch subtiler Raubbau ist möglich, da muss man ein gewisses Feingefühl entwickeln, um integer zu bleiben. Und unabhängig von Rechtsfragen gibt es keinen Konsens darüber, was literarisch noch zulässig ist und was nicht.

3. Wie könnten Lösungen für diese Probleme aussehen?

Schriftsteller, die aus anderen Quellen schöpfen, sollten zumindest verpflichtet sein zu erwähnen, aus welchem Fundus sie sich bedient haben. Zitate kenntlich zu machen, das setze ich mal als Normalität voraus – auch wenn neulich anderes gezeigt wurde. Aber seine Karten auf den Tisch legen, gerne auch im Text selber, ist eine gute Möglichkeit, auf andere Werke zu verweisen und sie zu würdigen.


Sabrina Janesch
Foto: alle Rechte vorbehalten
Sabrina Janesch (25) ist Schriftstellerin und freie Publizistin und lebt in Münster. Ihr Debütroman „Katzenberge” ist im Juli 2010 im Aufbau Verlag erschienen. Sie war Stadtschreiberin von Danzig sowie Stipendiatin des Schriftstellerhauses Stuttgart und am Literarischen Colloquium in Berlin. Reportagen von ihr sind u.a. in der WELT und in der NZZ erschienen.
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Kommentare

* Piratenpartei Mitglied 31.08.2010 19:32
Es ist völlig normal das der Mensch zu großen Teilen auf Wissen zurückgreift das schon vorher vorhanden ist um so neues Wissen zu schaffen.

Allzu streng sollte man das Urheberrecht nicht fassen sonst wird die Schaffung neuer Werke behindert. Als Blogger muss man ja mitlerweile schon ständig angst haben abgemahnt zu werden weil man ein Thema übernimmt oder irgendwo hinverlinkt.

Urheberrecht ist wichtig, aber irgendwo muss dann eben auch ein Gleichgewicht her. Zumindest für nicht kommerzielle Zwecke sollte man auch teile anderer Werke nutzen dürfen (sofern man dies kenntlich macht) Zum Bespiel im Bildungsbereich wäre dies wichtig z.B. um Unterrichtsmaterial selber zusammenstellen zu können ohne gleich horrende Lizenzgebühren an die Verlage blechen zu müssen.
* Christian 04.09.2010 13:27
Der Übergang zwischen Inspiration und gestigem Diebstahl sind fließend. Meiner Meinung nach ist es sehr schwer bis unmöglich, einheitliche Regelungen zu finden, die feste Grundsätze für das Verwenden von fremden Content zu regeln. Allerdings sollte das Abmahnwesen anders geregelt werden. Es entgegnet jeder Realität, dass ständig Blogger mit zweifelhaften Methoden abgemahnt werden.

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