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Über das Für und Wider deutschsprachiger LL.M.-Studiengänge kann man sich vortrefflich streiten. Das Hauptargument vieler Kritiker, dass solche Studiengänge keinerlei Fremdsprachenkompetenz oder Auslandserfahrung vermitteln würden, ist dabei grundsätzlich richtig. Dieses Argument ist aber auch zu eindimensional, weil deutschsprachige LL.M.-Studiengänge eine ganz eigene Stoßrichtung haben und nicht mit den Programmen ausländischer Universitäten konkurrieren können oder wollen. Auch im Bereich des Informationsrechts existieren in Deutschland verschiedene Studienangebote, zum Beispiel in Hannover, Düsseldorf oder Oldenburg.

An dieser Stelle möchte ich meine persönlichen Erfahrungen mit dem Oldenburger LL.M.-Studiengang Informationsrecht schildern.

Der Studienablauf

Der Studiengang ist berufsbegleitend konzipiert und in verschiedene Module aufgeteilt. Um den akademischen Grad und Abschluss eines LL.M. (Master of Laws) zu erlangen, müssen mindestens sechs von acht möglichen Studienmodulen, eine Masterarbeit und ein Online-Kolloquium erfolgreich absolviert werden. Die Studienmodule wiederum sind unterteilt in Pflichtmodule und Wahlpflichtmodule. Jedes Modul beginnt mit der Übersendung des Studienmaterials (je nach Modul zwischen 100 und 200 Seiten Skript), das zunächst in einer etwa 6-wöchigen „Lernphase“ eigenständig zu erarbeiten ist.

Innerhalb der „Lernphase“ findet ein Austausch mit anderen Teilnehmern über eine virtuelle Lernplattform statt. Die Dozenten des Moduls stellen innerhalb der Plattform kleinere Fälle und Fragen, die von den Teilnehmern zu lösen sind und als Vorbereitung fungieren für die erste, zweitägige Präsenzveranstaltung in Oldenburg. Wer hofft, sich hier nicht einbringen und mitmachen zu müssen, der irrt. Mitunter wird man gezielt von den Dozenten auf der Lernplattform angesprochen und um Beantwortung von Fragen und Losungsansätze für Fälle gebeten.

Die sechswöchige Lernphase mündet schließlich in die erste von zwei Präsenzveranstaltungen in Oldenburg. Am ersten Tag der Präsenzphase wird der erlernte Stoff noch einmal wiederholt und vertieft, am zweiten Tag dann in einer Klausur (90 Minuten) abgefragt. Im Anschluss an die Klausur werden gemeinsam Themen diskutiert und vorgeschlagen, die innerhalb der zweiten Präsenzphase, die etwa 6 Wochen später in Oldenburg stattfindet, als 20-minütige Referate den anderen Teilnehmern vorzustellen sind. Ein „Wegducken“ oder „auf-Lücke-setzen“ ist damit weder in der Klausur noch in der Präsentation des Themas möglich. Als Teilnehmer ist es notwendig, sich intensiv mit den Modulinhalten auseinanderzusetzen. Aufgrund der freien Zeiteinteilung ist dies aber auch problemlos möglich.

Nach Beendigung der zweiten Präsenzphase haben die Teilnehmer dann innerhalb von etwa 5-6 Wochen eine schriftliche Ausarbeitung zu ihrem Präsentationsthema anzufertigen (15-20 Seiten) und per Post nach Oldenburg zu schicken.

Für jedes belegte Modul erhält der Teilnehmer 3 Noten (Klausur, Präsentation und Ausarbeitung), die sich zu einer Gesamtnote zusammen setzen. Die Noten erhält man vorab als E-Mail verkündet und schließlich in schriftlicher Form nach Abschluss des Moduls. Die Benotung empfand ich bisher als fair uns stets leistungsgerecht.

Die Dozenten

Ein Hochschullehrer, dessen Interessens- und Tätigkeitsschwerpunkt im Modulthema liegt, und ein erfahrener Praktiker, meist ein Rechtsanwalt einer national wie international bekannten Kanzlei, leiten die Module und sind während der Präzenzphasen anwesend. Bei Rückfragen stehen sie während des gesamten Moduls per E-Mail oder auch telefonisch zur Verfügung. Persönlich nett – fachlich kompetent. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

Die Teilnehmer

Rechtsanwälte, Verbands- und Unternehmensjuristen, Referenten aus der Bundespolitik, Notare, Referendare – Spektrum und Hintergrund der Teilnehmer sind ziemlich weitläufig und setzen sich aus dem ganzen Bundesgebiet und teilweise auch darüber hinaus zusammen. Für das eigene „Netzwerk“ ergeben sich viele interessante Kontakte und mitunter auch Freundschaften, die den Zeitraum des Kurses überdauern. Alle Teilnehmer verbindet ein spezifisches Interesse am Informationsrecht, das je nach eigenem Schwerpunkt und Tätigkeit anders gelagert ist. Ich freue mich, regelmäßig zu Beginn jeden neuen Moduls bekannte Gesichter wieder zu sehen und neue kennen zu lernen.

Das Anforderungsprofil

Mit einer seriösen Vorbereitung und Bearbeitung des übersendeten Studienmaterials und des eigenen ausgewählten Themas sind die Module des Studiengangs relativ problemlos zu bewältigen. Bei insgesamt sechs zu belegenden Modulen gibt es natürlich Rechtsbereiche, die man eher als andere präferiert und in die man eine gewisse Erwartungshaltung oder gar Vorfreude setzt. Ich habe mich besonders auf das Modul Internetrecht gefreut, das meinen Erwartungen dann auch voll und ganz entsprechen konnte. Umso intensiver war es dann allerdings, mich in einen Rechtsbereich einarbeiten zu müssen, in dem ich bisher wenig theoretische oder praktische Kenntnisse hatte und den ich ex ante eher als „exotisch“ betrachtet habe. Mittlerweile bin ich aber ziemlich froh, auch an einem Modul wie IT-Vertragsrecht teilgenommen und dessen erweiterte Grundstrukturen verinnerlicht zu haben. Nachfragen bei meinen Kommilitonen konnten diese Erfahrung bestätigen, jeder hat eben so seine Favoriten.

Die Kosten

Je Modulteilnahme ist ein Betrag in Höhe von 1500 Euro (Gasthörer 1600 Euro) zu entrichten. Das ist nun nicht wirklich billig, aber mit Sicherheit seinen Preis wert, denn der mittelbare Mehrwert und Nutzen der Teilnahme an einem Modul überwiegt dessen Preis doch erheblich. Hinzu kommen dann natürlich noch Kosten wie Studiengebühren, Anreise und Übernachtung. Angenehm ist, dass die Kosten nicht vorab en bloc erhoben werden, sondern erst anfallen, wenn das Modul startet und das Studienmaterial übersendet worden ist. Eine Struktur, die sicherlich auch Referendaren und Berufsanfängern erheblich entgegen kommt und die Teilnahme am Studiengang ermöglicht.

Die Stadt

Oldenburg ist die Stadt der Wissenschaft 2009 und war Austragungsort der diesjährigen Herbstakademie 2009 der DSRI. Zwar hat Oldenburg nicht die Dichte an juristischen Lehrstühlen renommierter Universitäten wie zum Beispiel Münster, Heidelberg, Göttingen oder Freiburg, man kann Oldenburg aber guten Gewissens und ohne Übertreibung als Kleinod und nördlichste Bastion für Informationsrecht in Deutschland bezeichnen. Ich habe die Stadt und die Universität bisher als angenehm privat erlebt. Das äußert sich auch in Kleinigkeiten: Wer im Rahmen der Modulteilnahme eine Hotelübernachtung anstrebt und bei Anfrage im Hotel auf die Teilnahme am Studiengang verweist, erhält mitunter nennenswerte Ermäßigungen. Oldenburg ist im übrigen vom Flughafen Bremen aus in 45 Minuten mit dem Auto zu erreichen.

Das Fazit

Insgesamt kann man den Studiengang jedem geneigten Informationsrechtler empfehlen und nahe legen. Das eigene fachliche Spektrum wird dabei genauso ausgebaut wie das persönliche Netzwerk des Teilnehmers. Darüber hinaus ist das K.O.-Kriterium anderer LL.M.-Studiengänge, nämlich fortdauernde Anwesenheitspflicht, die gerade Berufstätigen im Wege steht, durch das eigenständige und onlinebasierte Lernsystem auf ein vernünftiges Maß reduziert.

Gerade auch Studienabsolventen, Referendaren oder auch jungen Berufsanfängern kann ich den Tipp geben, am LL.M.-Studiengang in Oldenburg teilzunehmen und sich nicht von der Fülle an Praktikern und „alten Hasen” abschrecken zu lassen. Zum einen kann die aus der Teilnahme resultierende Spezialisierung bereits im Referendariat sehr hilfreich sein, zum Beispiel wenn es darum geht, eine spannende Station in der Verwaltung oder in einer hoch spezialisierten Rechtsanwaltskanzlei zu absolvieren. Darüber hinaus kann man sich von den Praktikern auch schon mal den einen oder anderen „Kniff” abgucken, der spätestens zum Berufsstart hin nützlich sein wird.

Als kleine Optimierung möchte ich anregen, dass die schriftlichen Ausarbeitungen der Referate in Abstimmung mit den Autoren vollumfänglich auch den übrigen Modulteilnehmern zugänglich sein sollten. Bisher geschieht das nur sporadisch auf Laune der Autoren hin. Schon manchmal habe ich an ein spannendes Referat zurück gedacht und hätte in diesem Zuge gerne einmal in der entsprechenden Ausarbeitung gelesen.

Wir laden Absolventen und Teilnehmer anderer LL.M.-Studiengänge im Bereich des Medien- und Informationsrechts herzlich ein, ihre Erfahrungen in einem Erlebnisbericht zu schildern und hier zu veröffentlichen. Für Infos und Rückfragen reicht eine kurze Mail an redaktion@telemedicus.info.
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Kommentare

* Martin 17.12.2009 23:30
Vielen Dank für diesen aufschlussreichen Bericht – Sie haben mein Interesse geweckt! :)

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