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Die ICANN hat gestern die Einführung der Domainendung „.xxx“ endgültig abgelehnt. Die Top Level Domain (TLD) war für Internetseiten mit erotischen und pornographischen Inhalten vorgeschlagen worden. Diese sollten in einem eigenen „Rotlichtbezirk“ im Internet zusammengefasst werden. Die Idee stieß jedoch auf heftigen Widerstand, insbesondere bei der US-amerikanischen Regierung.

Heute hat die ICANN nun die Pläne zur XXX-Domain verworfen. Der Vorstand der ICANN begründete diese Entscheidung vor allem mit der Befürchtung, in Zukunft als „Aufpasser für Inhaltsfragen“ fungieren zu müssen. Denn mit der Einführung der XXX-Domains hätte auch eine Kontrolle der Inhalte von registrierten Domains stattfinden müssen. Nur so ließe sich eine strikte Abtrennung von erotischen Inhalten in den XXX-Bereich des Internets realisieren. Dieser Aufgabe wollte sich die ICANN jedoch nicht stellen.

Spiegel Online zum Scheitern der XXX-TLD.

Heise online zum Widerstand gegen die XXX-TLD.
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Kommentare

* Simon 31.03.2007 13:24
Ich halte das für ein fadenscheiniges Argument. Die ICANN hätte die XXX-Domain-Vergabe an Registrars abgeben können, und diese Registrars wieder nationalen und supranationalen Regulierern unterstellen. Das wäre kein Problem gewesen.
* Adrian 31.03.2007 14:29
Sicherlich hast du recht, wenn du sagst, dass die Kontrolle nicht der ICANN selbst, sondern den Registraren oder Providern obliegen würde.

Dennoch wäre es natürlich ein Novum, dass vor Registrierung einer Domain geprüft werden müsste, ob diese auch inhaltlich den Anforderungen der TLD entspricht. Und daraus resultieren natürlich eine Menge Probleme.

Was, wenn ein Antrag fälschlicherweise abgelehnt wird? Oder was, wenn die Seite offensichtlich irgendwelche Rechte verletzt? Denn bisher wurden bspw. der Denic keine Prüfungspflichten auferlegt. Wenn der Registrar aber sowieso die Seite auf ihre formalen Anforderungen prüfen muss, kann man ihm dann nicht auch anderweitige Prüfungspflichten auferlegen?

Ich sehe da schon einige Probleme...
* Simon 31.03.2007 19:36
Also, ich hätte ja folgende Lösung favorisiert: Die ICANN führt als gTLD .xxx ein, vergibt die Vergabe an einen supranationalen Registrar (ggf. neu zu gründen) und überlässt die restliche Regulierung den jeweiligen Nationalstaaten. Für Staaten, die eine "Rotlichtmeile" im Internet einrichten wollen, bietet sich dann z.B. - und nach ihrem Ermessen - an, eine Country-Code-Second-Level-Domain unter der xxx-Domain einzuführen, z.B. "www.pornoseite.de.xxx". Der Zugang zu solchen Seiten könnte mit einem Alters-Verifikationssystem verbunden werden. Wie das durchgeführt wird, wäre den jeweiligen Staaten überlassen.

(Mir fällt gerade auf, dass genau das selbe auch andersherum denkbar ist: Als nationale Rotlichtzone als Second-Level-Domain unter der ccTLD, z.B. "www.pornoseite.xxx.de". Hm...)
* Adrian 31.03.2007 19:58
Man hätte ja nichts gewonnen, wenn deutsche Pornoseiten ausschließlich unter .de.xxx erreichbar wären, in England aber bspw. alle Pornoseiten weiterhin unter .co.uk liefen.

Wenn sich die ICANN also dazu entschließt, eine TLD zu schaffen, die an Inhalte geknüpft ist, dann muss sie sich auch überlegen, wie sie sowas einheitlich umsetzt. Und zumindest bei der Frage der Kontrolle der Registrare, muss die ICANN durchaus auch selbst Seiten auf Inhalte prüfen.

Und selbst wenn man die Prüfung allein den Registraren überlässt, bleibt dennoch ein enormer Prüfungsaufwand. Ich sehe bei der Denic schon haufenweise 400 EUR-Jobber sitzen, die den ganzen Tag Pornoseiten auf Zulässigkeit für .de.xxx Domains prüfen.

Letztendlich bleibt also die Frage: will man überhaupt TLDs schaffen, die an Inhalte geknüpft sind? Und wenn ja: kann man sowas überhaupt umsetzen?

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