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Auf Hartplatzhelden ist ein Kommentar von Jürgen Kalwa zur aktuellen Entscheidung des OLG Stuttgart erschienen. In dem (auch sonst sehr lesenswerten) Text kommt ein Aspekt zur Sprache, der in der bisherigen Diskussion noch nicht vorkam: Die Position der Videomacher. Haben diese Amateure nicht eigentlich das Recht, selbst zu entscheiden, wem sie die Videos zur Verfügung stellen?

Das Interessante an der Entscheidung des OLG ist tatsächlich, dass die Richter dieses Recht der Videobesitzer auf die Auswertung ihrer eigenen, ihnen gehörenden Aufnahmen offensichtlich einfach elegant ignoriert haben, in dem sie munter ihr Konstrukt erfanden, wonach Videoaufnahmen, die die Wirklichkeit abbilden, eine „Nachahmung“ seien. Das ist der eigentliche Skandal, der leider untergeht, wenn man den anhängigen Streit nur als Auseinandersetzung zwischen den Hartplatzhelden und dem WFV definiert. Es geht hier nämlich tatsächlich um etwas anderes und um viel mehr: um das Recht eines ganz normalen Bürgers mit einer ganz normalen Videokamera auf einem ganz normalen Fußballplatz ganz normale Bilder zu drehen.


Zum Kommentar bei Hartplatzhelden.
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Kommentare

* ElGraf 02.04.2009 19:40
Dieses Recht (aus § 96 UrhG) spielte in dem Rechtsstreit zu Recht keine Rolle. Und nein, es gehit nicht um
QUOTE:
das Recht eines ganz normalen Bürgers mit einer ganz normalen Videokamera auf einem ganz normalen Fußballplatz ganz normale Bilder zu drehen.

sondern um die Veröffentlichungsrechte.
* Simon 02.04.2009 22:14
Das Recht des Bürgers, die Videos zu drehen steht in der Tat nicht im Streit, das stimmt. Das Recht des Bürgers, diese Videos frei zu lizenzieren, wird hier allerdings eingeschränkt.

Oder, in Termini des Wettbewerbsrechts gesprochen: Wir reden hier ja von dem Tatbestand der Leistungsübernahme. Aber, von wem stammt denn die Leistung, die hier maßgeblich übernommen wird? Vom WTV, oder von dem Bürger mit der Videokamera? Das war der Punkt, den ich meinte.
* ElGraf 04.04.2009 21:45
Es gibt kein Recht der freien (iSv uneingeschränkten) Lizenzierung, soweit Rechte Dritter verletzt werden.

Ob auch der Amateurfilmer eine Leistung im Sinne des § 4 Nr. 9 UWG erbringt, ist nicht primär relevant, es geht im dem Rechtsstreit um die Leistung des WFV. In diesem konkreten Fall bin ich mir wirklich nicht sicher, ob ich dem WFV einen Anspruch zusprechen würde.

Die übergeordnete Frage ist aber doch, wie Du schon richtig sagst, dass hier (und auch anderswo, siehe Youtube, StudiVZ und im weitesten Sinn auch Google, bspw. bei der Bildersuche etc.) - untechnisch gesprochen - Leistungen übernommen werden, die dann irgendwie zu Geld gemacht werden. Die Opferrolle, die von den Leistungsübernehmern in zahlreichen Rechtsstreitigkeiten immer wieder angenommen werden, sind mir nicht immer plausibel. Es wäre in der Tat an der Zeit, die Nutzer und die Wertschöpfung, die sie erbringen, stärker in den Blickpunkt zu rücken. Und wenn ich dann auf der Hartplatzhelden.de-Seite die Aufforderung lese, "kostenlos deine Profilseite mit Videos, Fotos und Text" zu erstellen, wundert mich das dann doch. Schon extrem großzügig, dass die Content-Lieferanten nicht auch noch dafür bezahlen müssen, dass sie die wesentliche Wertschöpfung betreiben.

Mich würde im Übrigen mal interessieren, wie die finanzielle Situation der Hartplatzhelden GmbH tatsächlich aussieht, wenn man sich schon als "Privatleute", die "keine Einnahmen" haben, darstellt, die (im Gegensatz zum großen, bösen WFV) kein Geld für teure Rechtsstreitigkeiten über die Berufunsinstanz hinaus haben.

Zusammenfassend: Rechtlich sehe ich ebenfalls ein großes Fragezeichen, wenn es um einen Anspruch des WFV geht. Das Schmierentheater rings um selbst- oder fremdverschuldet erfolglose Web2.0-Unternehmer, die sich als arme Weltverbesserer, die nur das Beste für ihre Nutzer, den Sport un überhaupt wollen, inszenieren, ist mir eher unsympathisch.

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