Telemedicus Logo
Weiterempfehlen Drucken

Der Anwalt vertritt die Interessen seines Mandanten gerichtlich und außergerichtlich. Dazu gehört im Medienzeitalter häufig auch die Vertretung des Mandanten in der Öffentlichkeit und der Presse. Gute „Public Relations“ können der Schlüsselfaktor der Prozessführung sein - gerade auch, wenn es darum geht, Öffentlichkeit zu verhindern.

Gerade in der jüngeren Vergangenheit gibt es einige Beispiele dafür, wie Öffentlichkeitsarbeit im Prozess nicht nur Neben- sondern Hauptaufgabe des Anwalts werden kann. Da wäre zum Beispiel der Holzklotz-Fall, bei dem die Strafverteidiger die eigene Position in einem Blog darstellen, um eine mediale Vorverurteilung des Mandanten zu vermeiden (bisher erfolgreich). Da wäre der Skiunfall des thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus, in dem nicht nur dessen strafrechtliche Unversehrtheit auf dem Spiel steht, sondern auch seine politische Zukunft.

Und da wäre der Fall des Berliner Kneipenwirts Aytac B., dem die Teilnahme an einem „Wettsaufen“ mit tödlichem Ende vorgeworfen wird. Einer der beiden Anwälte im Verteidigerteam ist der Medienrechtsanwalt Johnny Eisenberg. Gisela Friedrichsen, altgediente Prozessberichterstatterin des Spiegel, beschreibt Eisensbergs Vorgehen so:

Dieser kämpft nicht nur für seinen Mandanten, sondern besonders auch gegen die Presse. Weder G. noch gar er selbst dürften fotografiert werden, ansonsten werde er zu "Notwehr" greifen, kündigte er nachdrücklich und lautstark an. Und wer ausschließlich berichte, was die Staatsanwaltschaft angeklagt habe - etwa, dass G. auch unrichtige Eidesstattliche Versicherungen abgegeben und zu Unrecht Schmerzensgeld von einem Berliner Zeitungsverlag gefordert habe - , der berichte nicht wahrheitsgemäß. Man müsse hören, "was ich sage", so Eisenberg, etwa dass der Verlag "gelogen" habe.


PR in der Prozessführung ist also ein spannendes Feld. Dazu ist nun ein Blog gestartet: Litigation-PR.
Anzeige:

Kommentare

* J.Nordlohne 12.02.2009 10:21
zunächst herzlichen Dank zur Verlinkung auf unseren neuen Litigation-PR-Blog. Ich gebe Ihnen Recht, dass die Öffentlichkeitsarbeit prosessbegleitend immer wichtiger wird. Allerdings bin ich der Meinung, dass es nich zur Hauptaufgabe eines Anwalts werden sollte, Öffentlichkeitsarbeit zu übernehmen. Ein Anwalt würde die Prozessführung auch sicher nicht einem PR-Berater überlassen. Umgekehrt sehen wir aber immer wieder Beispiele, in denen Anwälte meinen, dass der Umgang mit den Medien ohne besondere Expertise zu bewältigen ist. Und Sie erwähnen selbst eiinen Fall, bei dem diese Überzeugung wohl eher zu einem kontraproduktiven Ergebnis führt. Erst die Bündelung des Knowhows aus beiden Seiten macht strategische, prozessbegleitende Kommunikation erfolgversprechend.
* Simon 12.02.2009 11:45
In vielen Fällen ist es sicher angebracht, Kommunikationsprofis mit ins Boot zu holen. Im Fall des Ministerpräsidenten Althaus ist das vermutlich bereits erfolgt. Das Auftreten von Johnny Eisenberg würde ich nicht unbedingt als "kontraproduktiv" bezeichnen - natürlich hat Frau Friedrichsen hier mit publizistischen Mitteln zurückgeschossen. Aber sie hat - wie auch die anderen mir bekannten Medienberichte zum Thema - betont, dass eine Verurteilung des Angeklagten noch nicht erfolgt ist, das Unklarheiten bestehen, etc. Sicherlich aber eine sehr ungewöhnliche Art der Pressearbeit.

Davon abgesehen muss ich sagen, hat Herr Eisenberg schon Cojones, wenn er den anwesenden Journalisten "Notwehr" androht. ;-)

Kommentar schreiben

Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
BBCode-Formatierung erlaubt
Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.