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Der Zusatz „VZ“ in Domains kann eine Verwechslungsgefahr mit „studiVZ“, „schuelerVZ“ und „meinVZ“ begründen. Das hat das LG Hamburg Anfang Oktober entschieden. Dem Studenten-Netzwerk StudiVZ ist damit ein weiterer Sieg im Kampf um die Vorherrschaft unter den VZ-Domains gelungen. Von „PokerVZ“ bis „RotlichtVZ“: Schon viele Internet-Portale haben in den vergangenen Monaten einstweilige Verfügungen für ihr „VZ“ im Namen kassiert - diesmal hat es das Portal „boerseVZ“ getroffen.

Die Betreiber hatten gegen die Verfügung Widerspruch eingelegt, über den das LG Hamburg nun zu entscheiden hatte. Doch das Gericht gab StudiVZ recht. Auch wenn die Zielgruppe nicht ganz identisch sei, gebe es zumindest Überschneidungen. Insgesamt sei der Zusatz „VZ“ aber vor allem für die Social-Networks der Holtzbrinck-Gruppe bekannt. Das Gericht unterstellt, dass es BoerseVZ sogar gerade auf diesen Ruf angekommen sei:

„Dass es der Antragsgegnerin bei der Benennung ihrer Internetplattform um eine Anlehnung an die Dienstleistungsangebote der Antragstellerin geht, ist im Grunde offensichtlich und von der Antragsgegnerin auch nicht substantiiert in Frage gestellt worden. Ihr Interesse an der Nutzung des zwar durchschnittlichen kennzeichenkräftigen, letztlich aber wenig originellen Zeichenbestandteils VZ für die Bezeichnung ihres Internetnetzwerkes für Börsen-Interessierte ist letztlich nur vor dem Hintergrund des großen wirtschaftlichen Erfolgs des Geschäftskonzepts der Antragstellerin erklärlich.“

Die Buchstabenkombination „VZ“ könne darüber hinaus auch nicht einfach als Abkürzung für „Verzeichnis“ interpretiert werden. Schon die Tatsache, dass es sich bei den Internetseiten der „VZ“-Serie nicht um Verzeichnisse im eigentlichen Sinne handelt, spräche dagegen, die Buchstaben als reine Abkürzung zu verstehen.

Das LG Hamburg liegt mit der Entscheidung auf einer Linie mit dem LG Köln, das Anfang Mai in einem ähnlichen Fall zugunsten von StudiVZ entschieden hatte. Für Startups gilt also Vorsicht bei der Namenswahl.

Das Urteil des LG Hamburg im Volltext.
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Kommentare

* Blogfürst 02.12.2008 19:58
Ist das sicher, dass das Urteil nicht vielleicht von der 24. Zivilkammer stammt? Die LG' Hamburg, Berlin und Köln sind ja mittlerweile republikweit bekannt, für ihre realitätsfernen Urteile. Bleibt nur die Hoffnung, dass der fliegende Gerichtsstand bald abgeschafft wird. Dann werden diese Gerichte auch nix mehr zu tun haben....
* ElGraf 03.12.2008 00:29
Wow! Das klingt alles vernünftig!

(Fast) Alle Großstadtgerichte haben den Realitätsbezug verloren, markenrechtliche Verfahren werden jetzt von der Pressekammer entschieden und die Abschaffung des fliegenden Gerichtsstandes entzieht Gerichte in Großstädten, in denen unzählige relevante Unternehmen ihren Sitz haben und auch eine beträchtliche Menge Menschen wohnt, ihre Zuständigkeit. Natürlich ist da überall ein wahrer Kern. Was die Polemik an diesem Ort hier soll, ist mir dennoch unklar.
* Christian 03.12.2008 17:29
Ich sehe diese Entscheidung als durchaus problematisch an. Ich habe gehofft das sich BoerseVZ durchsetzt. Ich habe genauso das Gefühl dass durch diese Entscheidung eine Rechtsunsicherheit bei der Namensfindung entseht die keiner vorhersehen vermag. Nja ich bin mal gespannt wie sich das weiterentwickelt...
* Miriam 21.02.2010 21:42
Ich wäre für Boerse ;)
* Malte 29.03.2011 10:28
Anderseits ist VZ nun wirklich fast überdeutlich durch schuelerVZ und Co belegt... Also ist der Name schon ein ziemlicher Vorteil, insofern schützenswert.
* Mark 24.10.2011 17:59
Naja, finde dies mehr als übertrieben, da es sich rein um die Internetpräsenz handelt. Was anderes ist bei der Bestimmung des Firmennamens!
Ich denke es ist nicht zuviel verlangt für einen jeden Verbraucher zuerst in das Impressum eines Webauftrittes zu blicken bevor man irgendwelche rechtsverbindlichen Geschäfte eingeht!!!
Ist ja ein ähnliches mit der Nennung von "Scout" in dem Domainnamen...
* Dennis 30.10.2011 07:27
Also ich finde, dass die Juristen in einer eigenen Welt leben. Das kann doch der Normalbürger alles gar nicht mehr nachvollziehen. Aber auch von Seiten der Plattformbetreiber finde ich das Verhalten seltsam, wegen sowas vor Gericht zu ziehen.
* Jessika 16.04.2012 11:00
Die Entscheidung ist wirklich sehr problematisch. VZ wurde schon immer als Abkürzung für Verzeichnis genutzt. Außerdem könnten die Leute dieser Scout 24 Gruppe auf das Urteil zurückgreifen und hunderte Seiten mit der Endung 24 aus dem Netz nehmen

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