"Böse Kids" im UrheberrechtDienstag, 1. April 2008, von Simon MöllerTrackbacks
Trackback für spezifische URI dieses Eintrags
Keine Trackbacks
Kommentare
Ansicht der Kommentare:
(Linear | Verschachtelt)
Eine gesellschaftliche Diskussion zu dem Thema ist längst überfällig. In Bezug auf die Annahme, dass eine grundsätzliche Mentalität besteht, für geistiges Eigentum kein Geld ausgeben zu wollen, stimme ich Herrn Hoeren jedoch nicht zu. Ich möchte das am Beipiel von Musik verdeutlichen. Von heute auf morgen ist eine unglaubliche Menge an Musik frei verfügbar geworden, darunter auch viel Durchschnitt. Diesen Durchschnitt hätte man sich auch zu CD-Zeiten nicht einzeln gekauft, sondern bloß quasi nebenbei, um die drei Lieder, die auf einer CD gut waren, zu bekommen. Für diese drei Lieder ist man auch heute noch bereit, Geld auszugeben. Außerdem sollte man bei der Preisgestaltung nciht vernachlässigen, dass nicht nur der Vertrieb für die Unternehmen deutlich billiger geworden ist, sondern auch, dass man nicht mehr den Effekt der verkörperten Musiksammlung im Schrank stehen hat. Das sind alles Faktoren, die preisdrückend wirken, ein ganzes Album im Netz herunterzuladen ist aber immer noch unverschämt teuer. Ein Euro pro Song bei einer Single ist auch schon reichlich verlangt, nähert sich aber dem, was ein Verbraucher zu zahlen bereit wäre. Da muss man einfach den Minderwert zur CD und die veränderten Gewohnheiten der Verbraucher berücksichtigen. Meiner Meinung nach ist das Problem vor allem eines der Preisgestaltung, der durchschnittlichen Qualität der Ware, des Kaufkomforts, der Nachfrage, der Gewohnheiten des Verbrauchers etc. Aber alles bloßen Marktfaktoren, die von den Unternehmen beeinflusst werden können, nicht jedoch eine grundsätzliche Mentalität der Negierung geistigen Eigentums
Wie oben schon angedeutet: Ich würde das zumindest in Frage stellen, wenn nicht sogar komplett ablehnen. Ist Geistiges Eigentum wirklich das "Öl des 21. Jahrhunderts", wie es gerne behauptet wird?
Ist es nicht vielmehr andersherum: Je breiter und größer der Zugang zu Wissen, desto erfolgreicher eine Industrienation? Ist geistiges Eigentum nun der Motor der modernen Zivilisation oder eher ein Bremsklotz? Es gibt zumindest gewichtige Stimmen, die eher für den Bremsklotz plädieren, allen voran Lawrence Lessig. Ich frage mich auch, ob wir es hier wirklich nur mit einer einfachen Erosion der sittlichen Einstellung gegenüber Geistigem Eigentum zu tun haben, so wie du das andeutest (und ich Prof. Hoeren verstehe). Ist es nicht andersherum? Ist die "Erosion" nicht einfach nur der Abgesang auf ein Konzept, dass sich in Zeiten der absoluten Publikationsfreiheit einfach überholt hat? Die Erfolgsgeschichte des Internet ist zugleich auch eine Erfolgsgeschichte des Open Access. Open Source besiegt Trusted Computing, offene Standards siegen über proprietäre Formate. Offene Lizenzmodelle setzen sich mehr und mehr gegenüber dem klassischen Urheberrecht durch. Ist Geistiges Eigentum wie wir es kennen das Modell für das 21. Jahrhundert? Darüber sollte man zumindest diskutieren. |
SucheDie RedaktionTelemedicusAktuelle Links
KategorienQuellen
|
Software von Serendipity, Bildquelle idR Pixelquelle.de, weitere Angaben im Impressum.