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Jetzt wird es ernst: Das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein fordert Betreiber von Webseiten auf, Facebooks Like-Buttons zu entfernen. Wer dem bis Ende September nicht nachkommt, soll mit Konsequenzen zu rechnen haben. Das ULD stützt sich dabei auf ein ausführliches Arbeitspapier, das ebenfalls im Internet veröffentlicht wurde. Wir haben uns dieses Papier genauer angeschaut.

Der Facebook Like-Button

Zunächst zum Hintergrund: Fast jeder dürfte im Netz schon einmal über die „Like-Buttons” von Facebook gestolpert sein. Mit einem einfachen Klick auf einer Webseite kann man sich so auf Facebook als „Fan” dieser Seite outen, bzw. den Link empfehlen. Facebook bietet diesen Service kostenlos an. Und dennoch hat die Einbindung des Buttons einen Preis: Facebook kann so Daten über die Nutzer der Webseite sammeln.

Welche Daten erhebt Facebook

Welche Daten Facebook genau erhebt, hat das ULD in seinem Arbeitspapier untersucht. Eine sehr mühsame Arbeit, denn der Code der Javascript-Dateien, die Facebook ausliefert ist äußerst komplex.


Javascript-Code von Facebook, Quelle: Arbeitspapier des ULD.


Die Untersuchung ist durchaus interessant, fördert aber keine Sensationen zu Tage. Klar ist, dass Facebook diverse Aktionen von Nutzern – sowohl solchen, die bei Facebook registriert und angemeldet sind, als auch von „anonymen” – aufzeichnet. Klar ist auch, dass Facebook diverse Cookies setzt, um die Nutzer später erneut identifizieren zu können. Neu ist das alles jedoch nicht. Schließlich bietet Facebook den Nutzern der Like-Buttons diverse Analyse-Möglichkeiten an. Dass Facebook dazu auch Daten aufzeichnet, ist selbstverständlich. Dennoch lohnt es sich, auf die genauen Vorgänge einen Blick zu werfen.

Datenschutzrechtliche Einordnung

So kommt das ULD in seinem Arbeitspapier auch relativ schnell zur datenschutzrechtlichen Einordnung. Dass jegliche Daten, die Facebook von registrierten Nutzern aufzeichnet einen Personenbezug aufweisen, ist offensichtlich – schließlich kann Facebook die Daten einem konkreten Account zuordnen, bei dem häufig sogar der volle Name des Nutzers hinterlegt ist. Bei nicht-registrierten Nutzern sieht das ULD in der Erhebung der IP-Adresse und den diversen Cookies einen Personenbezug. Das entspricht der herrschenden Meinung, ist aber nicht gänzlich unumstritten.

Verantwortlichkeit

Interessant sind jedoch die Fragen der Verantwortlichkeit der einzelnen Beteiligten. Schließlich werden die Daten zunächst nur durch Facebook erhoben. Die Webseitenbetreiber binden lediglich einen Code ein, der dann vom Browser der Nutzer aufgerufen wird. Das ULD begründet die Verantwortlichkeit der Betreiber von Webseiten wie folgt:
„Diensteanbieter begründen eine eigene Verantwortlichkeit, soweit und solange sie nach Würdigung aller Gesamtumstände aufgrund des tatsächlichen Einflusses den Prozess der Datenverarbeitung steuern. Diese Verantwortung begründet sich auch bei der Einbindung „fremder“ Verarbeitungsprozesse in das eigene Angebot des Diensteanbieters. Wird durch die Konfiguration z. B. einer Webseite ein Verarbeitungsprozess bei einem weiteren Dienstleister ausgelöst, trägt der Diensteanbieter die datenschutzrechtliche Verantwortung für die dadurch ausgelöste Verarbeitung. Dies gilt umso mehr, wenn der Diensteanbieter mit seinem Angebot Dienste Dritter zu eigenen Zwecken nutzt. Dazu gehören insbesondere Dienste der Reichweitenanalyse oder der verhaltensbasierten Online-Werbung.”

Hier liegt das eigentliche Problem des „Like-Buttons” und es offenbart sich ein generelles Problem beim Datenschutz im Internet. Auf der einen Seite ist es natürlich richtig, dass sich der Betreiber einer Webseite nicht dadurch aus der Verantwortung stehlen kann, dass er datenschutzkritische Dienste einfach auslagert. Vor allem angesichts des sehr unterschiedlichen Datenschutzniveaus in Europa und den USA.

Auf der anderen Seite entfernt sich diese Sichtweise sehr vom eigentlichen technischen Vorgang: Es ist gerade nicht der Betreiber der Webseite, der die Kontrolle darüber hat, welche Daten wann und in welchem Umfang von Facebook erhoben werden. Er bindet lediglich einen kleinen Code in seine Webseite ein, der dann vom Browser des Nutzers ausgeführt wird. Sofern dieser es denn erlaubt – schließlich ist es mit sehr einfachen Mitteln möglich, seinem Browser den Aufruf der Like-Buttons zu verbieten. Von einer „Steuerung des Prozesses der Datenverarbeitung” kann also kaum die Rede sein. Ignoriert man diesen technischen Vorgang, besteht die Gefahr willkürlicher Ergebnisse. Wo beginnt die Verantwortung für die Einbindung externer Dienste und wo endet sie?

Das Dilemma des Netzes

Hier zeigt sich das Dilemma des Datenschutzes im Internet. Die technischen Abläufe lassen sich mittlerweile nur noch mit gehöriger juristischer Akrobatik vom Gesetz erfassen. Gleichzeitig ist die Realität im Netz eine völlig andere, als das Idealbild des Datenschutzes: Fast jede Webseite bindet irgendwelche externen Daten ein. Seien es Javascript-Dateien, die über externe Dienste eingebunden werden, Google Webfonts oder spezielle Fotodienste – das Einbinden externer Dateien hat viele Vorteile. Es beschleunigt das Netz, nimmt den Betreibern Arbeit ab und spart Kosten. Das Nutzen all dieser Dienste wäre rechtswidrig, würde man die Ansicht des ULD konsequent anwenden – schließlich kann auch hier der Betreiber des CDN zumindest die IP-Adresse der Nutzer erheben.

Andererseits darf datenschutzkritischen Diensten wie Facebook oder Google-Analytics natürlich auch kein Freibrief erteilt werden. Eine schwierige Situation, die eigentlich nur der Gesetzgeber vernünftig auflösen könnte. Dennoch tut das ULD gut daran, nun eine stringente Linie anzukündigen. Schon seit Monaten dauern die Diskussionen um den Like-Button an, immer wieder haben sich auch die Datenschutzbehörden kritisch dazu geäußert. Passiert ist jedoch – wie so häufig im Datenschutzrecht – nichts. In kaum einem Gebiet des Medienrechts mangelt es derart an Rechtsprechung und gerichtlicher Klärung wie im Online-Datenschutzrecht. Schlägt das ULD nun einen konsequenten Weg ein, könnte sich das ändern. Und möglicherweise wird dann auch dem Gesetzgeber klar, dass es so mit dem deutschen Datenschutzrecht nicht weitergehen kann.

Zur Pressemeldung des ULD.

Das Arbeitspapier „Datenschutzrechtliche Bewertung der Reichweitenanalyse durch Facebook” als PDF.
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Kommentare

* Andreas Krisch 20.08.2011 11:00
"Es ist gerade nicht der Betreiber der Webseite, der die Kontrolle darüber hat, welche Daten wann und in welchem Umfang von Facebook erhoben werden. Er bindet lediglich einen kleinen Code in seine Webseite ein, der dann vom Browser des Nutzers ausgeführt wird"

Doch. Indem der Betreiber den "kleinen Code" einbindet sorgt er dafür, dass einerseits Daten des jeweiligen Besuchers der eigenen Seite an Facebook übermittelt werden und andererseits Informationen (der Like-Button) von Facebook geholt und in der eigenen Seite angezeigt werden. Der Benutzer hingegen ist in diese Datenübertragung nicht aktiv eingebunden und wird davon in der Regel mangels technischem Wissen auch keine Kenntnis haben. Die Datenverarbeitung erfolgt also ohne sein Wissen und Zutun.

Anders verhält es sich in den Fällen, in denen der Betreiber lediglich einen am eigenen Server vorgehaltenen Facebook-Button anzeigt mit dem er Benutzern ermöglicht Daten an Facebook zu senden. In diesen Fällen erfolgt die Datenübertragung nur auf ausdrücklichen Wunsch des Benutzers (Klick auf den Button) und der Betreiber hat tatsächlich nicht die Kontrolle darüber ob und wann Daten an Facebook übertragen werden.
QUOTE Original:
Fast jede Webseite bindet irgendwelche externen Daten ein.


Das ist der Kernpunkt für den normalen Seitenbetreiber. Ich hole z.B. JPEGs von Flickr (mittlerweile Yahoo! Tochter) oder RSS von Wetterdiensten. Was in den Daten drin steckt oder wie die Abrufe ausgewertet werden entzieht sich völlig meiner Kontrolle.
* Adrian 20.08.2011 11:25
@Andreas: Das sehe ich anders. Entscheidend ist der Einfluss auf die "Steuerung des Datenverarbeitungsprozesses". Mit der Einbindung hat der Betreiber einer Webseite aber lediglich die Kontrolle darüber, ob er einen Service nutzt oder nicht. Ob und welche Daten dieser Service erhebt, liegt außerhalb des Einflussbereiches des Betreibers. Von "Steuerung" kann da keine Rede sein.

Die Situation ist ja folgende: Niemand wirft den Betreibern von Webseiten mit Like-Button ernsthaft einen Datenschutzverstoß vor, der eigentliche Schweinehund ist Facebook. Dummerweise kommen deutsche Behörden an Facebook nicht dran. Das Vorgehen gegen die Webseitenbetreiber ist eigentlich nur eine Notlösung, weil die deutschen Behörden sonst zum Nichtstun verdonnert werden.

Wie gesagt: Im Ansatz finde ich das gar nicht schlecht, dass die Behörden mal wenigstens irgendetwas machen, um die Lage zu klären. Es kann aber nicht sein, dass am Ende die Webseitenbetreiber für Datenschutzverstöße von Facebook den Kopf hinhalten müssen.
* Andreas Krisch 20.08.2011 11:43
@Adrian: Auch wenn der Betreiber der Webseite keinen Einfluss darauf hat, welche Daten Facebook konkret verarbeitet, so trägt er doch die Verantwortung dafür, dass überhaupt Daten an Facebook übermittelt werden.

In der Argumentation des ULD führt Facebook in diesen Fällen eine Auftragsdatenverarbeitung für den Betreiber durch (der Betreiber handelt ja auch aktiv um diese Leistung in seine Seite einzubinden), daher ist der Betreiber rechtlich für die stattfindende Datenverarbeitung verantwortlich. Wenn er nicht dafür sorgen kann, dass sie datenschutzkonform stattfindet, muss er auf sie verzichten.

Mir ist schon klar, dass Facebook das eigentliche Ziel ist, aber die Verantwortung der Betreiber existiert real. Und sie sind für die Aufsichtsbehörden greifbar.

Das grundlegende Problem hat meiner Ansicht nach kontrapunkt bei netzpolitik schön zusammengefasst.
* Adrian 20.08.2011 11:59
Wie gesagt: Ich sehe ein, dass das ein pragmatischer Weg für das ULD ist, sich in der Sache mal einzuschalten.

Aber es ist doch nicht so, dass Facebook in meinem Auftrag Daten erhebt, wenn ich den Like-Button einsetze. Als Webseitenbetreiber will ich diesen dämlichen Button. Wenn ich überhaupt weiß, dass Facebook Daten erhebt, dann passiert das nicht in meinem Auftrag, sondern ich nehme es - wenn überhaupt - als notwendiges Übel hin. Da kann man doch schon begrifflich nicht von "Auftragsdatenverarbeitung" sprechen. Das Problem ist, dass weder BDSG noch TMG eine solche Konstellation überhaupt vorsehen.

Und wie gesagt: Die Konsequenz wäre, dass ich mit jedem Anbieter, von dem ich Daten einbinde - sei es jQuery, Google Webfonts, Flickr oder Creative Commons - eine Auftragsdatenverarbeitungsvereinbarung (allein dieses Wort!) abschließen müsste. Schriftlich. Und wenn die Server in den USA stehen auch noch mit Safe Harbour Abkommen.

Das hat übrigens auch das ULD erkannt und sicherheitshalber den Zusatz untergebracht: "Dazu gehören insbesondere Dienste der Reichweitenanalyse oder der verhaltensbasierten Online-Werbung", der allerdings keinerlei Auswirkungen hat. Wendet man die Rechtsansicht des ULD konsequent an, geht es gerade nicht nur um solche Dienste, sondern um ALLE externen Dienste.
* Andreas Krisch 20.08.2011 12:47
Das ist ja aber genau der Punkt. Es geht darum was in den Fällen, wo externe Dienste eingebunden werden, mit den Daten der Benutzer passiert.

Würde Facebook die Daten einfach verwerfen anstatt sie zu speichern und auszuwerten sähe die Sache schon völlig anders aus.

Hinzu kommt, dass der Datenschutzmangel bei Facebook ja keine Überraschung ist. Was das ULD nun mit einer Analyse belegt hat war ja ohnehin seit langem klar und wurde halt nach dem Leitsatz "Wo kein Kläger da kein Richter" in Kauf genommen.

Jetzt hat sich ein Kläger gefunden. Interessant sind die Reaktionen darauf. Anstatt den Schwung, den das ULD in die Sache gebracht hat, zu nutzen und an Facebook heranzutreten und eine Abstellung des Missstandes zu fordern, richtet sich die Kritik gegen das ULD.

Das Problem ist aber Facebook. Die Like-Button-Einbinder und Fanpage-Betreiber Schleswig-Holsteins bzw. Deutschlands und der EU haben nun einen triftigen Grund von Facebook eine Änderung der Praktiken zu fordern. Und sie haben jetzt auch ein überzeugendes Argument: Ihre gemeinsame Marktmacht.

Wird Facebook auf den deutschen bzw. europäischen Markt verzichten wollen? Ich glaube nicht.

Oft wird zurecht kritisiert, dass Datenschutzrecht nicht ausreichend durchgesetzt wird. Jetzt wird das einmal getan. Das ist gut so und wir haben alle die Möglichkeit mitzumachen. Das Ziel ist datenschutzfreundliche Technik. Packen wir's an!
* Adrian 20.08.2011 13:16
Also meine Kritik richtet sich nicht gegen das ULD. Die haben in ihrer Position genau das richtige gemacht. Meine Kritik richtet sich an den Gesetzgeber, der die unklare, bzw. nicht praxistaugliche Gesetzeslage seit Jahren sehenden Auges ignoriert.

Das Argument, dass Datenschutzprobleme bei Facebook nicht überraschend sind, finde ich im Prinzip richtig. Das rechtfertigt das Vorgehen des ULD. Aber es ändert nichts daran, dass die rechtliche Grundlage dafür alles andere als eindeutig ist und - wie ich ja auch schreibe - zu mächtig juristischer Akrobatik zwingt. Aus "Steuerung des Prozesses" wird das bloße Veranlassen eines unbekannten Prozesses, aus dem Inkaufnehmen von Datenerhebung durch Facebook wird "Auftragsdatenverarbeitung".

In der Sache ist es okay, dass das ULD es im Fall Facebook so sieht - es bleibt ihm schließlich nichts anderes übrig als Datenschutzbehörde. Diese Ansicht kann aber auch zu unabsehbaren, willkürlichen Ergebnissen führen, wenn man sie weiterdenkt. Letztlich ist man deshalb der Willkür des ULD ausgesetzt, ob es auch in anderen Fällen externer Dienste eine vergleichbare Situation sieht oder nicht. Sowas kann gut gehen, muss es aber nicht.
* Victoria 20.08.2011 13:25
Als ich die Überschrift gelesen habe, dachte ich erst, dass sei ein Scherz. Ich glaube nicht, dass diese Buttons jemals aus dem Netzt genommen werden. Mal schauen, was die Zukunft zeigt.
* Adrian 20.08.2011 13:34
Ich glaube schon, dass das ULD ernst machen wird in Schleswig-Holstein. Zumindest einige Untersagungsverfügungen mit entsprechenden Auseinandersetzungen wird es sicher geben. Mit etwas Glück kommt es auch zu dem ein oder anderen Gerichtsverfahren.

Dass es zu Bußgeldern kommt, glaube ich aber auch nicht. Siehe auch: http://socialmediarecht.wordpress.com/2011/08/20/entwarnung-hinsichtlich-uld-und-facebook-interview-mit-dr-krag-im-jurafunk/
* Andreas Krisch 20.08.2011 13:55
Sind nicht eher die Diensteanbieter zu kritisieren, deren Dienste nicht datenschutzkonform sind und die ihre Kunden (die Webseiten-Betreiber) nicht ausreichend darüber informieren, welche Daten sie zu welchem Zweck verarbeiten? Diese erzeugen ja erst die unklare Situation auf die Aufsichtsbehörden dann reagieren müssen.

Meine These ist, dass man so etwas wie den Like-Button auch datenschutzkonform programmieren kann. Dafür muss man kein Gesetz ändern sondern nur bestehende einhalten.

Nur blöd, dass man dann nicht ungefragt an die schönen Profildaten kommt, von deren Vermarktung man (also in dem Fall Facebook) ja eigentlich lebt.

Auf längere Perspektive ist daher die Frage zu klären, wie sich Dienste wie Facebook finanzieren können, ohne über Gebühr Nutzerprofile anzulegen. Bei der Beantwortung dieser Frage wird eine Änderung des Datenschutzrechts aber auch nicht helfen, da sind eher Micropayment-Ansätze oder ähnliches zielführend.

Dass die Situation für die Webseitenbetreiber unlustig ist, sehe ich auch so. Aber da muss sich eben am Markt etwas ändern. Im Zweifel wird man den Betreibern von diversen Zusatzdiensten eben mitteilen müssen, dass man auf ihre Dienste verzichtet, weil die Datenschutzsituation unklar ist. Damit erzeugt man Nachfrage, die später mal zu passenden Angeboten führen kann.

Mühsam ist das ganze allemal, keine Frage.
* Simon Möller 20.08.2011 14:05
QUOTE Adrian:
Niemand wirft den Betreibern von Webseiten mit Like-Button ernsthaft einen Datenschutzverstoß vor, der eigentliche Schweinehund ist Facebook.


Ich sehe das anders. Wer Code in seine Webseite einbaut, der es Dritten erlaubt, weitgehend unkontrolliert Skripte nachzuladen und Daten zu erheben, der hat auch einen verantwortlichen Beitrag dafür geleistet, dass es so passiert. Mit deiner Argumentation könnte man ja auch den Hausmeister freisprechen, der den Einbrechern die Tür geöffnet hat.

Dass der Webseitenbetreiber eigentlich seinen Besuchern gar nichts böses will, sondern etwas ganz anderes - nämlich seine Webseite auf Facebook zu promoten - macht die Sache für mich nicht besser, sondern noch schlimmer. Der Webseitenbetreiber gibt dann nämlich als Gegenzug für die Leistung von Facebook die Daten seiner Besucher an Dritte weiter.

Ein Aspekt, der freilich nicht vergessen werden sollte: Was die Social Plugins von Facebook tun, das ist im Internet schon beinahe Standard. Auch Google oder die IVW könnten das (was sie aber bestreiten).
* Detlev Sieber 20.08.2011 15:36
Das ULD hat meiner Meinung nach genau richtig gehandelt, und sollte diese Sache intensiv weiter verfolgen:

Wer externen Code auf seiner Homepage einbindet, ist dafür auch verantwortlich. Das gilt genau so wie bei der Verantwortung für externe Links: Das darf man natürlich tun, wenn man davon ausgehen kann, dass die Externen nichts "Böses" machen. Sobald ich aber WEISS, dass mein Link auf eine rechtlich problematische Seite führt, MUSS ich den Link LÖSCHEN!

Das gilt genauso für Links auf z.B. Wetterdienste, Bilderdienste usw. Auch das ist erlaubt, so lange ich weiß, dass dort nichts ungesetzliches passiert.

Wenn ich aber jetzt zum Beispiel irgend einen obskuren Dienst einbinde, der den Besucher meiner Webseite ausspioniert, oder der dort einen Trojaner oder Virus installiert (sogenannte drive-by-infection), dann bin ich doch wohl verpflichtet, diesen Link unverzüglich zu entfernen, wenn ich erfahren, was dort "böses" passiert!

Wo bitte schön soll denn da ein Unterschied zum Facebook-Link sein?

Auch hier haben die Webseitenbetreiber, die den Facebook-Link verwenden, zunächst wohl meist nicht gewusst, dass sich dahinter Verstöße gegen deutsches Recht verbergen. Jetzt wissen sie's aber, und MÜSSEN den Link entfernen!

Und dass die Webseitenbetreiber jetzt jammern und sich beschweren, dass sie damit die "Werbewirkung" des Links nicht mehr nutzen können, macht die Sache tatsächlich nur noch schlimmer: Man stelle sich vor, ich würde auf meiner Homepage ganz bewusst einen Link anbringen, der auf dem Besucher meiner Seite einen Virus installiert ...

Diejenigen, die jetzt jammern, handeln nicht fahrlössig, sondern vorsätzlich, und möchten sich gemeinsam mit Facebook bereichern - eine typische win-win-Situation zu Lasten eines Dritten, nämlich des unbeteiligten Websurfers (der ja noch nicht einmal Facebook-Mitglied sein muss, damit seine Daten von Facebook ausgewertet werden).
* Adrian 20.08.2011 16:11
Ich meine ja auch gar nicht, dass der Webseitenbetreiber völlig aus der Verantwortung ist. Deshalb sage ich ja auch, dass das Vorgehen der ULD im Ergebnis in Ordnung geht.

Das Problem ist für mich der Weg dahin: Eine solche Konstellation, dass jemand Daten nachlädt, die dann möglicherweise datenschutzkritische Prozesse durchführen, kennt weder das TMG noch das BDSG. Entweder der Webseitenbetreiber ist selbst verantwortliche Stelle ("Steuerung des Datenverarbeitungsprozesses") oder wir sind in der Auftragsdatenverarbeitung. Keines von beiden passt hier so wirklich und beides geht in anderen, vergleichbaren Konstellationen zu weit. Es ist nicht der Webseitenbetreiber, der eine Datenschutzverletzung begeht, er wirkt nur daran mit.

Der Fall ist eher eine Parallele zur Störerhaftung oder zum Zweckveranlasser: Der Betreiber der Webseite führt adäquat-kausal eine vorhersehbare Datenschutzverletzung her, ohne selbst Stelle oder Auftraggeber zu sein.
* Simon Möller 20.08.2011 17:53
Ich bin d'accord, mit dem Unterschied, dass ich den Grad der Mitverantwortung eher im Bereich Beihilfe oder Mittäterschaft einordnen würde.

Wobei, noch einmal: Nach dem Maßstab, den das BDSG und das TMG hier (zurecht) aufstellen, sind wahrscheinlich mehr als 90 % aller deutschen Webseiten illegal. Das geht bis hin zu den Webseiten der Datenschutzbeauftragten selbst, vgl.

http://www.internet-law.de/2011/02/aberwitziger-datenschutz-made-in-germany.html
* Oliver Bruenner 22.08.2011 09:04
Das ULD hat offenbar nichts zu tun!!! So viel dummes Zeug, kann eben nur von eine Behörde kommen, die ihren eigentlichen Auftrag nicht verstanden hat. Dabei gäbe es unendlich viele wichtigere Aufgaben. Z.B. Das wir gar keine geheimen Wahlen haben. Wer nämlich teilnimmt. oder nicht teilnimmt, das wir aufgezeichnet. Die Schufa und all ihre Wasserträger, die häufig falsche Daten aufzeichnen und weitergeben, oft hat der Betroffene nicht einmal Internet. Die Krankenkassen, die heute offenbar täglich ihre
Namen ändern, und irgendwelche dubiosen Rechtsnachfolgern unsere intimsten Daten ohne uns überhaupt zu fragen, weitergeben. Man oh man. Ich verliere an Deutschland täglich mehr die Lust!! Und dass meine IP-Adresse hier gespeichert wird ist mir klar, doch wer speichert sie noch?
* Seb 29.08.2011 13:29
Schließe mich Andreas in dieser Diskussion in allen Punkten an. Facebook ist als ausländischer Dienstleister nun mal nicht deutschem Recht unterworfen. Bei Verstößen muss also der deutsche Webseitenbetreiber haften, der die Datenweitergabe veranlasst hat.

@Bruenner
Ihree unbelegten Kritik am, und sinnlose Beleidigungen des ULD ist keine gute Werbung für ihre (amateurhafte) Webseite und Ihr Angebot.
* :) 31.08.2011 12:06
Mich hat die Webseite aber - ehrlich gesagt - ähnlich amüsiert wie sonst nur die Webseite der Titanic; wenn sich so tatsächlich Kohle machen lässt, habe ich im Leben aber einiges falsch gemacht!
* Geistig Verwirrter 07.09.2011 17:34
Tja, wenn an den Facebook-Ausführungen was dran ist, war alles Kopfzerbrechen zunächst überflüssig

http://www.sueddeutsche.de/digital/diskussion-um-gefaellt-mir-knopf-facebook-bemaengelt-datenschuetzer-gutachten-1.1140272

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