Der Urheber dieser Kampagne und besagte Blogger ist Jens Best. Der Fotograf und IT-Berater hat nicht nur bezüglich Google Street View ambitionierte Ansichten. Anlässlich der heutigen Verhandlung des „Lex Street View” im Bundesrat hat Telemedicus ihm einige Fragen gestellt.
Herr Best, wie finden Sie Google „Street View“?
Ich halte es für einen weiteren Schritt zu mehr öffentlich verfügbarem Raum im Digitalen. Das Internet ist ja schon immer die digitale Ebene der einen Realität gewesen. Mit den Fotowelten, zum Beispiel in „Street View“, versteht das jetzt auch der Letzte. Ich hoffe keiner von denen, die aktuell von Street View irritiert sind, schlägt das Wort „augmented reality“ nach.
Was halten Sie von dem Gesetzesentwurf, den Hamburg und Saarland in den Bundesrat eingebracht haben und über dessen weiteres Schicksal dort heute abgestimmt wird?
Der Hamburger Entwurf zeigt wenig Respekt vor dem Öffentlichen Raum. Der öffentliche Raum ist im Sinne des Hamburger Gesetzesentwurfs nur dann gut, wenn „jedermann“ im digitalen Zeitalter nichts Großartiges damit anfangen kann.
Es wird suggeriert, es gäbe wegen der Allverfügbarkeit den Bedarf weiterer Datenschutzmaßnahmen. Dies geschieht nicht in einem Abwägungsprozess, sondern gesteuert durch Geisteshaltung, die immer das schlimmste befürchtet. Dem hat selbst Thomas de Maizère widersprochen, als er in seiner „Internet-Rede“ anführte, übertriebener Schutz bedeute Bevormundung. Es würden der digitalen Ebene des öffentlichen Lebens Daten entzogen, die im analogen Bereich essentieller Bestandteil der einsehbaren Realität sind.
Der Hamburger Gesetzentwurf wurde mit der „Tinte der Angst“ geschrieben. Demokratie muss Öffentlichkeit wagen, freies verantwortliches Handeln fördern. Eine der größten Chancen des digitalen Wandels, nämlich die Weiterentwicklung unseres Demokratiewesens und Bürgerverständnisses, wird durch misstrauische Geister verhindert.
Können Sie die Bedenken verstehen, die einige Menschen im Bezug auf ihre Privatsphäre haben, wenn ihre Häuser, Wohnungen oder sie selbst von Google „Street View“ erfasst werden und im Internet veröffentlicht werden?
Ich habe Respekt vor der Privatsphäre. Das Individuum braucht Rückzugsräume. Die Frage, wie Sie sie mir gestellt haben, würfelt aber einige elementar unterschiedliche Ebenen des sozialen Raums zusammen. Sie betrifft so nicht die digital-fotografische Umsetzung des öffentlichen Raums durch „Street View“. Das Recht am eigenen Bild, die Sicherheit der eigenen Wohnung sind nicht davon betroffen.
Wenn ich es richtig recherchiert habe, hat Google, bevor weltweit irgendein Datenschützer es gefordert hat, die Verpixelung von Gesichtern beim „Street View“ - Projekt eingeplant. Dass nun der Hamburger Gesetzesentwurf hier eine Strafbewehrung ergänzen will, ist doch eher der Versuch, sich als „Datensheriff“ aufzuspielen als eine wirklich notwendige Ergänzung bestehender erfolgreicher Rechtsprechung. Wenn öffentlich einsehbare Häuserfronten, Vorgärten inklusive, plötzlich als Privatsphäre deklariert werden, läuft es mir als passioniertem Fotografen, aber auch als Demokrat eiskalt den Rücken runter.
Die Reaktion der Betroffenen hält sich in Bezug auf den Service „Street View“ bei einem privaten Unternehmen wie Google jetzt noch in Grenzen. Würde aber der Staat mit kamerabestückten Autos durch deutsche Straßen fahren, wäre das für viele Menschen eine Art Horrorszenario. Glauben Sie, dass der Staat die „Street View“ – Daten in irgendeiner Form nutzen wird?
Auch Regierungsstellen können im Rahmen der Ihnen zugewiesen Veröffentlichungskompetenzen eigene Daten mit offenen Geodaten-Systemen verbinden. Leider sehe ich mehr Verhinderungs- als Umsetzungskompetenz bei den staatlichen Stellen. Die Forderungen aus der deutschen Open Government/ Open Data - Bewegung sind mehr als deutlich: Die umfassende Bereitstellung der Daten ist durch das Informationsfreiheitsgesetz verpflichtend, und lange wird nicht mehr darauf gewartet werden. Nicht der Staat hat zu entscheiden, welche Präsentationsform die Bürger für die Daten wählen. Er hat lediglich die Inhalte mit einer anständigen API zur Verfügung zu stellen und Förderprogramme auszuschreiben, um die bestmögliche Umsetzung im Wettbewerb zu finden.
Eine unfreie Gesellschaft, die wenig gelernt hat mit frei verfügbarem Material umzugehen; eine Gesellschaft, die es im Gegenteil gewohnt ist, die gesellschaftliche Realität in abendlichen 15minütigen homöopathischen Dosen verabreicht zu bekommen, hat sicherlich die ein oder andere Zuckung, wenn jeder plötzlich bequem Eins und Eins zusammenzählen kann. Dies gilt für die großen Datenbestände des zwischenmenschlichen Miteinanders genauso wie für die des Staates. Datensammeln verliert nicht per se das Stigma des Bösen. Die Verantwortung des bestmöglichen Umgangs mit Daten liegt in unser aller Hände.
„Street View“–Verfechter berufen sich immer wieder auf die Panoramafreiheit und das „Recht auf Fotografie“. Kann das wirklich richtig sein, wenn nicht einzelne Menschen eigenhändig einzelne Fotos schießen, sondern etliche Autos systematisch ganz Deutschland „abgrasen“? Wird die Panoramafreiheit damit nicht ad absurdum geführt?
Die digitalen Hilfsmittel der Informationsgestaltung erlauben es sowohl natürlichen wie auch juristischen Personen, Inhalte in größerer Menge effizient zu verarbeiten. Auch schon der Wechsel vom Pinsel zur Spiegelreflex hat einen quantitativen Sprung mit sich gebracht. Deswegen ändert sich nicht das Grundverständnis von der Abbildbarkeit des Öffentlichen Raums.
Google hat schon vor dem Hamburger Gesetzesentwurf eingeräumt, dass Bürger auf Wunsch Bilder von ihren Häusern oder sich selbst löschen können. Herr Best, Sie wollen nun trotzdem jedes Haus fotografieren, das nach dem Deutschlandstart von Google „Street View“ im Straßenbild des Dienstes fehlt und im Internet veröffentlichen. Ist das nicht unfair - immerhin haben diese Menschen extra darum gebeten, die Bilder zu entfernen?
Normalerweise gilt für mich im alltäglichen Leben Respekt vor dem Recht. Dennoch gibt es Momente, in denen auch ein höflicher Mensch auf der Umsetzung der historisch gewachsenen und teilweise hart erkämpften Rechtsauslegung bestehen sollte. Zum Beispiel dann, wenn reaktionäre Kräfte anfangen, den im deutschen Wesen schlummernden Michel aus seiner Schläfrigkeit zu rütteln, um ihn dann in üblicher geistiger Berserkerhaltung durch die Straßen zu schicken. Die Kampagne von Frau Aigner hat die Profilierungssucht einiger (Lokal-) Politiker so unerträglich mit dem Schrei des Deutschen Michels verknüpft, dass es nur eine Antwort auf dies heisere Krakeln geben kann: „Klick!“
Gab es eigentlich schon eine Reaktion von Google auf die Ankündigung Ihres ungewöhnlichen „Hilfsangebots“?
Ich hatte freundliche Gespräche mit Vertretern aus dem Hamburger Büro. Spontan haben sie keine Unterstützergruppe für mich eingerichtet, aber ich denke man teilt bei Google grundlegende Haltungen der Bedeutung freier Informationen für die Gesellschaft. Als er noch „Head of Global Public Policy and Government Affairs“ war, hatte ich ein spannendes Gespräch mit Andrew McLaughlin. Das Spannungsfeld zwischen den Aufgaben der Gewinnerwirtschaftung und der Mission „to organize the world's information and make it universally accessible and useful“ ist sicher nicht immer einfach.
Was hält der „Normalbürger“ von Ihren Plänen?
Die meisten „Otto-Normal-User“, mit denen ich mich unterhalte, kennen den klaren Unterschied zwischen privaten und öffentlichen Bereichen des menschlichen Miteinanders. Die Angst, die Menschen vor dem Missbrauch von Daten haben, fällt unterschiedlich aus. Bis jetzt hat aber niemand dem Jägerzaun ein eigenes Persönlichkeitsrecht zugesprochen. Der soziale Wandel, der durch neue Kommunikationsarten und Partizipationschancen möglich wird, fällt nicht immer auf vorbereiteten Boden. Der „Digital Divide im Geiste“ geht quer durch alle Kreise der Bevölkerung.
Meine angekündigte kollaborative Foto-Aktion „Verschollene Häuser“ ist sicherlich provokativ. Aber wie hoffentlich deutlich wird, geht es mir darum, die Chancen der Datennutzung im digitalen öffentlichen Raum zu beschützen - gegen die, die absichtlich oder unwissend unter der gefälschten Flagge des Datenschutzes gegen eine offene Gesellschaft angehen.
Um den gesellschaftlichen Fortschritt durch das Werkzeug Internet zu fördern, braucht es gute Beispiele, viel Vermittlungsgeduld und eine wirkliche Befähigung zur kreativen Mediennutzung. Ein inhaltsloses Bekenntnis zu mehr Medienkompetenz reicht nicht aus.
Was ist für Sie informationelle Selbstbestimmung im Web 2.0?
Die Definition des Begriffs „personenbezogene Daten” ist etwas willkürlich. Nicht die Tatsache, dass eine Information einen gewissen personenbezogenen Wert hat, bringt das Übel in die Welt. Sondern erst die Reaktion darauf kann Ungerechtigkeit nach sich ziehen. Das „Üble“ an personenbezogenen Daten ist also nicht die Tatsache ihrer Öffentlichkeit, sondern nachfolgende Diskriminierung beziehungsweise Missbrauch. In einer transparenteren Gesellschaft werden wir nicht nur mit dem Wahren, Schönen, Guten konfrontiert, sondern auch mit Vorurteilen, Launen und Menschlichem, Allzumenschlichem.
Paulo Coelho twitterte vor kurzem "Every saint has a past, every sinner has a future". Vielleicht braucht es auch nur eine größere Portion verantwortungsvoller Entspanntheit und gelebter Empathie sowie ein wenig mehr Mut zum Besseren. Vertrauen ist eines der größten Abenteuer, auf die wir uns einlassen können, aber die Ergebnisse lohnen das Risiko. Vielleicht sollte man gerade auch in diesem Sinne sagen „Freiheit statt Angst“.
Herr Best, vielen Dank für das Interview.
Zur Tagesordnung der 873. Sitzung des Deutschen Bundesrates vom 9. Juli 2010.
Zur Besprechung des Hamburger Entwurfs bei Telemedicus. 
Jens Best
(Alle Rechte vorbehalten.)
(Alle Rechte vorbehalten.)

Generell sehe ich in Deutschland das Problem, dass man sich in eine gewisse Paranoia hineinsteigert. Es wird Datenschutz des Datenschutz willens betrieben und man sieht anscheinen täglich neue Bereich, wo jene ominöse informationelle Selbstbestimmung beeinträchtigt wird.
Spielt man dies zu Ende, müsste aber jegliche Kommunikation verboten werden, denn schon wenn man eine E-Mail an jemanden schreibt, geht ja diese E-Mail-Adresse (und der Inhalt) über x Server und verletzt dann die informationelle Selbstbestimmung. Dies kann wohl nicht das Ziel sein.
Es wird auch keine bessere Gesellschaft daraus erwachsen, wenn wir uns gegenseitig ängstlich beäugen.
Ich würde mir daher wünschen, dass man statt der Ideologie Datenschutz mehr überlegt, was die wirklichen Probleme sind, die aus bestimmten Datensammlungen entstehen können und diese dann löst. Beim Foto einer Häuserfront fallen mir spontan keine ein.
Ich glaube, wenn wir diese kollektive Angst überwinden, kann viel Gutes entstehen. Aber so werden wir wohl nur bei jeder neuen Erfindung (Gesichtserkennung anyone?) in Panik verfallen.
Über das "Schicksal des Hamburger Entwurfs" ist nun entschieden worden: Er wird tatsächlich in den Deutschen Bundestag eingebracht werden.
Allerdings finde ich die Aktion „Verschollene Häuser“ weniger provokant, als eher daneben!
Das grenzt für mich schon fast an Fanatismus: Kollateralschäden in Kauf zu nehmen, nur um dem "Gegner" eins reinzudrücken.
Komplett kontraproduktiv. Wir müssen nunmal auch das Recht haben, gegen Abbildungen unserer Eigentümer vorzugehen. Sei es on- oder offline. Einen überwiegenden Gemeinschaftsnutzen kann ich hier beim besten Willen nicht erkennen!
Es mag kleingeistig, hinterwäldlerisch und geschürt sein, diese Angst, aber die Leute werden dieselbe nicht dadurch los, dass wir sie vor den Kopf stoßen.
Im schlimmsten Fall verhärten sich die Fronten und dann stehen wir wieder ganz am Anfang.
Mit- und nicht gegeneinander ist hier das Zauberwort. Aufklärung, nicht Abgeklärtheit. Evolution, nicht Revolution...
Und was die Eigentümer betrifft, so weiss ich nicht, ob ich da zustimmen will. Muss man dann bei jedem Bild, was man schiesst bei allen Hauseigentümern um Erlaubnis fragen? Und warum würde man nicht wollen, dass sein Haus zu sehen ist?
Frage: woher leiten sie die Grundlage für ein Recht ab, das Fotografieren öffentlich ansehbarer Elemente von Hausbesitz zu untersagen?
Eine verständliche Erklärung würde mich wirklich mal interessieren.
Völlig abstrus wird es, wenn Magistrate von Kleinstädten beschliessen, Feuerwehrhäuser, Schulen und Rathäuser bei Streetview zu streichen. Öffentliche Gebäude!!! Da wird klar, dass manch Lokalpolitiker sich als Fürst fühlt und jetzt dem bösen Google mal zeigen will, wo bei ihm im Kaff der Hammer hängt.
Ich bin kein Rechtsexperte, daher weiß ich nicht, ob und in wie weit meine Ansichten vom Gesetz gedeckt sind, aber für mich gebietet es der gesunde Menschenverstand:
Was ist denn der Nutzen der Gemeinschaft an den Fassaden der Häuser? Wenn sich jemand nicht wohl fühlt und in seinem Leben davon eingeschränkt fühlt, dass man sein Haus (mitsamt Adresse, das ist nämlich der Punkt, in dem sich der Fall Streetview von einem Urlaubsfoto - selbst wenn es im Internet veröffentlicht wird - unterscheidet) abbildet, dann mag das für einige von uns unverständlich sein, aber für mich ist der Kompromiss, doch dann halt eben auf dieses eine Foto oder den Ausschnitt zu verzichten.
In meinen Augen tut der Besitzer damit keinem weh. Und solange er keinem weh tut, soll er doch machen, was er will. Sich mit aller Wucht dagegen zu stemmen hat für mich was von Kindergarten... Urlaubsfotos oder Ähnliches haben einen zusätzlichen emotionalen Wert, weshalb hier ein Einschreiten der Besitzer in meinen Augen unverhältnismäßig ist. Das kann ich bei Streetview-Fotos nicht feststellen.
Was ich hier ausdrücklich nicht meine sind die Fanatiker auf der anderen Seite, die sich - wie Sie es ausdrücken - als "Fürsten" aufführen! Das ist eine andere Geschichte. Und bei öffentlichen Gebäuden sehe ich auch konkret die Interesse der Gemeinschaft. (Wie sieht das aus, nach was für einem Haus muss ich Ausschau halten, wenn ich da hin will, gibt es Parkplätze,...)
@Christian Scholz
Ich bin leider nicht ganz genau über die Aktionen von Google informiert, aber soweit ich weiß gab es nie einen ernstzunehmenden Offensiv-Versuch, sich mit den Anwohnern direkt über Veranstaltungen oder Infomaterial auseinanderzusetzen.
Ich finde, diese ganze Zwangsmitmachwelle, die sich verschlimmert hat seit sich diese Fratzenbuch-Mentalität immer mehr durchsetzt, mindestens genauso daneben wie die Totalverweigerung der Internetausdrucker. Es wäre angebracht, einen Kompromiß zu finden und meiner Ansicht nach ist das eben dann der Fall, wenn Hauseigentümer vor dem Abfotografieren gefragt werden müssen. Bei öffentlichen Gebäuden ist es was anderes, da müßte für jeden Bürger eine generelle Erlaubnis zum Fotografieren gegeben sein.
Und im übrigen werden ja auch Urlaubsfotos und ähnliches von den Nutzern geogetaggt. Da wäre die Frage, wo denn da die Grenze ist.
Naja, mit emotionalem Wert meinte ich eigentlich, dass man sich an die schöne Zeit erinnert, die mit dem Bild in Verbindung steht. Der ist imho viel größer, wenn ich das Bild selbst gemacht habe (vielleicht mit Freunden oder Familie drauf, vielleicht ohne, so mag ichs am liebsten). Aber ich schau mir eigentlich viel lieber meine Bilder von der Bretagne an, als die, die irgendein Auto mit nem Weihnachtsbaumständer aufm Dach davon gemacht hat. ;-)
@Christian Scholz
Jo, schon ne Grauzone das Ganze, aber die Tatsache, dass ich in Maps einfach ne komplette Adresse eines meiner Mitmenschen eingeben kann und dann einfach auf StreetView schalten und mir deren Haus und Vorgarten reinziehen kann, das hat doch schon noch ne andere Qualität, als wenn jemand ein Bild geotaggt, dass da zufällig grad gemacht wurde.
Außerdem macht Google das aus dem finanziellen Grund, Werbeeinnahmen zu generieren, der Urlauber wohl in den seltensten Fällen, was die Sachelage nochmal ändert.
Ich persönlich finde es halt etwas schwer nachzuvollziehen, was für ein Problem man mit dem Foto seines Hauses bei GSV haben könnte. Und warum es anscheinend hauptsächlich die Deutschen haben.
Und inwieweit ändert das die Sachlage ändert, wenn Google damit durch Werbung Geld verdient? Die bieten einen Dienst an, sollen sie also Geld dafür bekommen (ansonsten packe ich all meine Bilder meist auf flickr und die zeigen auch Werbung an).
Aber wie schon gesagt, vermute ich da eher eine etwas abstrakte Angst anstatt konkreter Probleme, ohne die lebt es sich allerdings leichter (und freier ;-) ).
Jop, kann man sich streiten.
Wie gesagt, wenn ich ein Haus hätte, wärs mir schnulle, ob Google davon ein Foto macht. Sollnse halt (von mir aus auch von dem Mietshaus, in dem ich wohne...), find ich ein tolles Feature und wenn sie den Dienst auch noch kostenlos anbieten und ihre Einnahmen dafür mit Werbung generieren, noch besser.
Was für ein konkretes Problem die Leute damit haben ist in meinen Augen unerheblich.
Ich vertrete lediglich die Meinung, dass man akzeptieren muss, dass sie eins haben, so lange sie dadurch niemand anderen verletzen, o.ä.
Zum Thema Geld: Es setzt Prioritäten. Und die liegen in meinen Augen in dem Fall eher bei der natürlichen Person als bei der juristischen Person. Es ist gut und recht, dass Google damit Geld (indirekt) verdient, aber ein Firma sollte in ihrem Bestreben Geld zu verdienen nicht über die persönlichen Gefühle einer anderen Person gehen. Zumind. nicht, wenn es sich so leicht vermeiden lässt. Für alles andere gibt es Rechtsanwälte ;-)
Im letzten Punkt stimme ich Ihnen absolut zu, wobei ich eine gewisse Portion natürliches Misstrauen immer für angebracht. Das Netz ist nunmal weder durch und durch böse, noch der große Allheilsbringer. Wie andere Dinge im Leben ebend auch
Schon sehr enttäuschend, wenn selbst bei einem juristisch geprägten Blog wie Telemedicus mit dem Wischiwaschi-Begriff "gesunder Menschenverstand" argumentiert wird.
Noch bescheidener ist es, wenn die Umsetzung der Panoramafreiheit, also auch das Recht auf Fotografisches Festhalten des Öffentlichen Raums, als "Kindergarten" oder gar "Fanatismus" bezeichnet wird.
Dies zeigt die Willkür, die ich in meinem Interview ansprach. Digital darf nur das öffentlich sein, was dem Deutschen Michel in den Kram passt. Ich würde dann bitten, dass alle, die "ihr" Haus nicht abgebildet bekommen möchten, im nächsten Baumarkt Abdeckmaterial kaufen, damit man das Haus auch nicht mehr sieht, wenn man durch die Strasse geht.
Der Fanatismus beginnt in der Seele des Deutschen Michels, wenn er dafür sorgt, dass das, was Öffentlich ist, in seine (eingebildete) Privatsphäre zieht.
Also, nochmal ein Versuch:
Hat jemand außer irgendwelchen reaktionären Gefühlsduseleien irgendeine ernsthafte Begründung, warum ein Hausbesitzer sein Haus (in dem er ggf. noch nicht mal wohnt) zum Bereich seiner informationellen Selbstbestimmung erklären kann?
Leider, lieber Jens, haben wir alle zuviel Zeit, uns Regeln auszudenken, die niemand braucht. Heute ist es ein Sport geworden, reale und theoretische Sachverhalte zu reglementieren. Was ist neben der Frei-Zwit der Grund? Der Lobbyismus: schließlich leben hundertausende Menschen ausschließlich von der angenommenen bzw. suggerierten Notwendigkeit, Regeln aufzustellen. Die Berufsbilder Juristen, Politiker et al. haben in der Anzahl ihrer sie ausübenden Subjekte überproportional zugenommen und tun dies immer noch. Wir warten auf den Tag, an dem es zwar die Regel zu einem Sachverhalt gibt, aber den Sachverhalt nicht.
Du fragst hier in den Kommentaren wiederholt nach Begründungen für bestimmte Regeln. Niemand antwortet darauf. Warum? Es gibt sie nicht. Sie müssen erst erfunden werden. So lasse den Lobbyisten ausreichend Zeit, dies zu tun. Schon in wenigen Wochen oder Monaten werden wir alle "wissen" warum wir vor den Fotografen und anderen Privatsphäredieben geschützt werden müssen.
Im letzten Abschnitt postulierst Du: "Freiheit statt Angst." die Botschaft hör ich wohl - allein mir fehlt der Glaube: viele - vielleicht sogar die meisten - Menschen in Deutschland haben Angst vor (ihrer) Freiheit. Sie wünschen sich eine Obrigkeit, die sie vor sich selbst schützt. Sie wollen es nicht anders.
Muss das so bleiben? Nicht unbedingt: es ist eine Frage der Erziehung, der Ausbildung. Wenn Kindern nicht Angst vor, sondern Lust auf Freiheit beigebracht (und vorgelebt) wird, dann können auch wir uns selbst an den Haaren aus dem kleinmütigen Sauertöpfischen herausziehen.
Im Übrigen war heute folgende Einschätzung des Bundes Deutscher Kriminalbeamter zu lesen: Straftäter werden nach Ansicht des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) Nutzen aus dem Online-Kartendienst Google Street View ziehen. Mit Hilfe der Aufnahmen könnten etwa Einbrüche oder Raubüberfälle vorbereitet werden, sagte der BDK- Vizevorsitzende Bernd Carstensen am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.
Kriminelle seien dank Street View in der Lage, Gebäude und Grundstücke gefahrlos auszuspähen: „Sie müssen sich nicht in die Nähe eines Tatorts begeben. Das Entdeckungsrisiko minimiert sich“, erläuterte Carstensen. Die Bilder von Street View erleichterten die Planung eines Fluchtweges. Vorstellbar sei ebenso, dass Terroristen auf diese Weise Standorte für Sprengfallen am Straßenrand suchten.
Entschuldigung: Ich schenke der Gefahreneinschätzung von Kriminalbeamten mehr Vertrauen als der eines Internetfreaks.
http://hendrikwieduwilt.wordpress.com/2010/02/09/komplize-google/
Bei den Äußerungen des BDK muss man in letzter Zeit immer etwas argwöhnisch sein. Sehr seltsam war eine kürzliche Forderung von denen nach einem "Reset-Knopf fürs Internet", mit dem das Kanzleramt Deutschland zur Not vom Netz nehmen könne. Seitdem schrillen bei mir die Alarmglocken, wenn ich was vom BDK höre.
http://www.pc-professionell.de/news/2010/07/19/kriminalbeamte_fordern_internet_ausweis_und_reset_knopf_fuers_netz_im_kanzleramt
Das gilt aber IMHO umso mehr für die Chancen, die solche Dinge bieten. Und da es ja nichts ohne Nachteile gibt, muss man aber eh immer abwägen.
Wäre dies nicht so, hätten wir heute keine Autos (man bedenke, wie gefährlich Strassenverkehr in der Tat heute noch ist!) oder auch gar kein Internet.
Das heisst aber ja auch nicht, dass man nicht nachher noch Anpassungen vornehmen kann. Auch kann man in diesem Fall ja ins Ausland schauen, wo Street View schon länger im Betrieb ist. Evtl. gibt es dort ja Erhebungen dazu, wieviel es für kriminelle Zwecke eingesetzt worden ist.
Meist ist es für Kriminelle aber sicher einfacher, sich anderer Mittel zu bedienen. Anstatt also auf Streetview nach Bobby-Cars Ausschau zu halten, kann man auch selbst durch die Strasse fahren, denn das bekommt man auch bei einer Durchfahrt mit. Und für Pädophile wären Kindergärten etc. doch sicher einfachere Möglichkeiten, mit Kindern in Kontakt zu kommen.
Zudem kommen doch solche Straftaten ja auch eher aus dem familiären Umfeld, wenn ich da richtig informiert bin.
Man bedenke zudem, dass die Bilder ja relativ alt sein können und damit auch eher von geringem Nutzen für die detaillierte Planung einer Straftat sind.
PS: Ich finde es im übrigen auch nicht toll, wenn ich von irgendwem angemacht werde, weil ich etwas auf der Strasse fotografiere, nur weil ich es schön/interessant finde.
Wie auch immer: Von mir aus soll Street View kommen, mit all seinen Chancen und Risiken. Dass aber jeder Skeptiker gleich als "fanatischer Deutscher Michel" abgetan wird, dessen Befürchtungen nichts weiter seien als "reaktionäre Gefühlsduseleien" (wörtlich zitiert, s.o.), halte ich für arrogant. Und Aufrufe, besorgte Bürger mit Gewalt zu einer Beteiligung zu zwingen, erinnern mich an ganz dunkle Zeiten unserer Geschichte.
Dann kommt ein Jens Best der als Rhetoriker noch eine große Karriere vor sich haben mag (obwohl die hier gebotenen Standardzüge mit illegitimen konnotativen Bezügen, Entfernen aus dem Kontext usw recht billig sind - für ein PR-Interview im Netz hat's gereicht, gell?) und salbabert von der "digitalen Ebene der einen Realität" ohen wahrscheinlich selbst zu wissen was das heissen soll, hört sich aber bestimmt toll aufgeschlossen an wenn man dann noch ein paar Buzzwords a la augmented reality dranwirft oder de Maiziere aus sonstwelchen Quellen zitiert.
Änder aber nichts daran, dass auch Herr Best nicht sieht oder sehen will dass GSV eine weitere Verengung der Maschen im Datennetz ist. GSV alleine macht es nicht aus, auch nicht Google Earth oder Bing Maps. In der Summe werden die Wege zwischen zwei Informationen kürzer, die Verfügbarkeit steigt in einem Maße an, dass das Resultat nicht absehbar ist. Deshalb wird auch so gerne nach konkreten Szenarien geblökt die die Paranoiker unterstützen - aus der Natur der Sache ergeben sich dynamische Szenarien, Zweckersinnung auf Anforderung wenn der Bedarf entsteht.
Google und Co werden nicht für Zweck X geschaffen, sie liefern Daten Y, den Zweck generiert jeder einzelne selbst.
Vorauszusagen ob dies eine gute und hilfreiche Idee ist ist daher genauso unmöglich wie die Schattenseiten exakt zu benennen.
(Ich weiss, Consultants glauben, sie können das.)
Schön jedenfalls, dass man vorher schon weiss, wer die geschlossene Vereinbarung zwischen Google und den Datenschützern als Ein-Mann-Selbstschutzgruppe des armen Internets unterhöhlen will. Krieg ich noch ne ladungsfähige Anschrift dazu oder muss ich die googlen?
@Blunt Sehr geehrter Blunt,
trotz ihres Tonfalls will ich versuchen, die inhaltlichen Fragen und persönlichen Anschuldigungen zu beantworten.
- ich bezeichne nicht jeden Skeptiker als "Deutschen Michel". Die Diskussion über den öffentlichen Raum im digitalen Zeitalter ist eine sehr junge und die Eckwerte sind alle in Bewegung.
Personen, die vorschnell beschliessen, ihre Vorurteile als Basis einer Sachentscheidung zu benutzen, sind mir allerdings suspekt.
- mir ist das doppelte historische Leid in Deutschland, das mit fehlender persönlicher Hoheit über das Private und schlimmen Folgen daraus, einher ging, sehr wohl bewusst.
Weder erlaube ich mir die aktuellen Entwicklungen einer allen Personen diskriminierungsfrei zugänglichen transparenten Öffentlichkeit mit diesen klandestinen Informationsbasierten Greueltaten zu vergleichen, noch plädiere ich für eine Auflösung der gesamten Privatsphäre.
zu den Pädophilen und anderen Schreckgespenstern in den Köpfen der Ängstlichen: Ja, das Böse im Menschen ist immer dabei, egal was wir machen werden, am besten wir machen garnichts mehr.
Sollte ich mich als Baumarkt-Verkäufer auch schämen, wenn ich höre, das jemand mit einem Hammer, den er bei mir gekauft hat, gemordet hat? Sollten wir deswegen Psychologische Test verlangen für diejenigen, die im Baumarkt einkaufen gehen?
Lieber Blunt sie argumentieren nicht, sie vorverurteilen, weil sie Angst vor dem Neuen haben. Auf dieser Basis muss ich ihre Texte leider unter der Kategorie "Deutscher Michel" einordnen. Bitte verschwenden sie keine weitere Zeit mit mir "diskutieren" zu wollen. Ich verbitte mir in Zukunft solchen Schwachsinn, mein Tag hat auch nur 24h und ich höre schon genug anonym auftretenden Personen wie ihnen zu, weil ich zu höflich bin.
Oh, sie führen auch noch den Bund Deutscher Kriminialbeamter ein. Korrigieren sie mich, wenn ich da falsch liege, sind das nicht die, die sowohl einen "Resetknopf für das internet" wollen und noch vor zwei Wochen gefordert haben "Alle Sexualstraftäter sollten mit Adresse im Internet veröffentlicht werden" - Der Name einer Organisation spricht noch nicht für die Qualität der veröffentlichen Meinung. Reputation entsteht nicht durch eine Polizeimarke, sondern durch kritische Teilnahme am Diskurs.
@Jack G. Rache
Noch ein selbstgerechter, der meint mich durch fehlende Argumente, "Sprachkritik" und angedrohten Anzeigen einschüchtern zu können.
Ich nehme mal das Wort "Datennetz" auf. Ja, ich denke, dass wir im Informationszeitalter auch lernen werden, dass das Verknüpfen öffentlich zugänglicher Daten weiter voranschreitet. Was dadurch passiert: Der Bürger kann sich mit weniger Aufwand ein Bild über die Realität machen.
Früher müsste er dafür bezahlen oder in die letzte Ecke des Landratsamt gehen, bald kann er sich bequemer ein Bild von seiner Umgebung machen. Das wird zu soziokulturellen Veränderungen führen und nicht alle werden allen sofort gefallen.
Ich denke auch, dass die äußeren Schalen des Privaten, die ja oft unmittelbar an (Teil)Öffentlichkeiten angrenzen, mit einbezogen werden in den neuen digitalen öffentlichen Gesamtraum. Das ist eine Veränderung der Privatsphäre, aber keine Auflösung. Das Fotografieren von Häusern im öffentlichen Raum ist aber kein Eingriff in die Privatsphäre. Wenn sie das so sehen, hängen sie halt eine Burka um ihr Haus.
Die Ein-Mann-Schutzgruppe des Internets ist größer als sie denken. Aktuell haben einige hundert ihr interesse bekundet, mitzufotografieren. Ich denke es werden noch ein paar mehr. Trotzdem können sie natürlich gerne zusätzlich zu dem jeweiligen Fotografen, den sie vor ihrem Haus sehen auch mir eine Anzeige schicken. Die Redaktion des Telemedicus kann diesbezügliche polizeiliche Anfragen gerne an mich weiterleiten.
Noch ein Problem? Oder woilten sie nur rumtrollen?
@telemedicus-Redaktion
Bitte akzeptieren sie, dass ich in Zukunft nur Kommentarfragen beantworten werde, denen ich eine gewisse inhaltliche Relevanz abgewinnen kann.
Ich möchte bei "Street View" weder mitmachen noch mitgemacht werden. Wiso ist diese Haltung so schwer zu akzeptieren?
Also belästigen Sie den vielbeschäftigten Experten bitte nicht weiter mit "Schwachsinn". Sie wissen ja: Sein Tag hat nur 24 Stunden.
Ich verstehe aber, dass es gewisse Ängste gibt, auch wenn zumindest meine Meinung ist, dass die zumeist auch unbegründet sind und mehr aus der Unsicherheit geboren werden, dass man nicht genau weiss, was diese Entwicklung bedeutet.
Ja, klar. War ja auch nur der Versuch, sich mal dem argumentativen Niveau dieses Initiatoren anzunähern. Dass dieses nicht für alle Befürworter von GSV gilt, ist mir klar, beweisen ja auch die ansonsten sachlichen Beiträge auf dieser Seite.
Ich glaube mittlerweile, dass Sie Recht haben damit, dass die Furcht vor Vorteilen für Kriminelle eher einem diffusen Unbehagen entspricht.
Allerdings halte ich dieses Unbehagen selbst nach wie vor für begründet. Grundsätzlich bedeutet die neue Anwendung einen weiteren Schritt hin zur Öffentlichkeit. Sofern man über einen halbwegs unverwechselbaren Namen verfügt, lassen sich bereits heute jederzeit intimste Familienverhältnisse aufdecken. Wieviele Geschwister ich habe, wo die wohnen und was die so machen, lässt sich mit wenigen Handgriffen herausfinden - vor 20 Jahren undenkbar. Das Ganze ist nicht abhängig von Facebook etc, es reicht eine kurze Notiz in der Lokalzeitung für einen Preis bei Jugend Musiziert o.ä., die bis in alle Ewigkeit online bleibt. Sie haben zurecht darauf hingewiesen, dass das auch Chancen hat: Etwa für Journalisten, die Gefälligkeitsgeschäfte weitaus besser aufdecken können. Natürlich haben sich daraus aber auch Gefahren ergeben. Mit einer weiteren Verengung des Netzes (kommen als nächstes tägliche Aktualisierungen der Fassaden durch internetaffine Nachbarn? Und danach die Webcams mit Bewegtbildern von meinem Vorgarten? Quasi als Rundum-Videobüberwachung?) werden Chancen wie Gefahren zunehmen.
Wer erst mal keinen Kredit bekam, weil die Hausfassade in Google-Street-View ein wenig hässlich wirkte, wird das ganze nicht mehr lustig finden. Den Widerspruch der Bürger unterlaufen zu wollen, ist daher eine Frechheit.
Die Freiheit von Autoren zu fotografieren ist etwas ganz anders. Das sollte Jens Best als Fotograf eigentlich wissen.
Ich will mir nicht vorstellen, dass er wirklich selbst noch an den Sinn dieser Kinderei glaubt. Er sieht wahrscheinlich einfach nicht, wie er aus der Nummer rauskommen soll. Sich hinzustellen und zu sagen: "Leute, ich habe im Überschwang der Gefühle einen Fehler begangen. Street-View finde ich nach wie vor toll, aber das mit der Guerilla-Aktion war zu viel des Guten", das würde natürlich eine starke Persönlichkeit voraussetzen. Und indem ich das schreibe, merke ich, dass ich es ihm damit wahrscheinlich noch unmöglicher mache - sähe am Ende noch so aus, als habe er seinen spießigen Kritikern nachgegeben. Ach, ist das alles kompliziert.
Aber da erwarte ich von der Politik, dass sie diese Gefahren angeht und entschärft.
So ist ja beim Beispiel Rating das Problem nicht Street View, sondern das Rating selbst. Auch ohne Street View haben Rating-Agenturen noch genügend Informationsquellen, wie z.B. städtische Sozialentwicklungspläne etc. Wenn man aber der Meinung ist, dass dies ein Problem darstellt, dann muss man Rating-Agenturen reglementieren. Welche Daten dürfen herangezogen werden? Muss der Algorithmus transparent und publiziert sein? usw.
Am Datenerzeugerende zu kämpfen ist ein Kampf gegen Windmühlen, denn wir sind es ja auch selbst, die allerlei Daten ins Netz stellen, wie z.B. diese Kommentare hier. Sollen wir dann einfach das Kommentieren sein lassen oder dafür kämpfen, dass man frei und möglichst ohne böse Folgen seine Meinung sagen darf?
Ich wäre für letzteres.
Mit Street View verhält es sich nicht genauso, aber ähnlich: Zwar sagt niemand, dass ich eine zwielichtige Gestalt bin. Man tut aber alles dafür, dass etwa ein potenzieller Kreditgeber von selbst den Eindruck gewinnen kann.
Dass sich Rating-Agenturen diesen Vorteil wegnehmen lassen, halte ich für unrealistisch. Im Zweifelsfall werden sie Street View nutzen, aber für ihre Entscheidung einen anderen Grund als Vorwand angeben.
Ich will das nicht dramatisieren und habe gegen die Anwendung grundsätzlich auch nichts einzuwenden (mein Haus bleibt unverpixelt - weil ich denen mit einem Widerspruch nicht auch noch meine Adresse liefern will). Schlimm ist nur, wenn Leute anfangen, aus Besserwisserei und Profilierungssucht andere in dieses System zu zwingen.
nicht jeder hat ein so übertriebenes Darstellungsbedürfnis wie Sie. Das haben Sie bei Ihren obigen Ausführungen leider vergessen, zu erwähnen.
Die Gestaltung eines Gartens oder einer Hausfassade ist geistiges Eigentum des Hauseigentümers und nur er allein bestimmt, wie damit verfahren wird. Wenn Sie diese Dinge ohne seine Erlaubnis ablichten und veröffentlichen, so ist dies eine Urheberrechtsverletzung.
Weiterhin dringen Sie in seine Privatsphäre vor und verletzen diese.
Das ist ungefähr so, wenn Ihnen auf offener Straße jemand die Hose herunterzieht, Sie dann fotografiert und dieses Bild anschließend im Internet und in Zeitungen veröffentlicht. Aber vermutlich finden Sie das dann auch noch toll, weil das Foto auf der Straße aufgenommen wurde und somit im "öffentlichen Datenraum" oder so ähnlich....
Ich wünsche Ihnen bereits jetzt viel Vergnügen bei der zu erwartenden Klagewelle!
Ich halte zwar auch nichts von der Idee des Herrn Best, aber eine Hausfassade oder ein Garten, soweit sie von ausserhalb des Grundstücks einsehbar sind, können immer fotografiert und veröffentlicht werden, auch ohne jede Erlaubnis und Bezahlung. Die Frage ist, wie sinnvoll es ist, das maschinell mit jeder Hausfassade zu tun, die es irgendwo gibt und jede mit Adressdaten zu veröffentlichen. Doch auch diese Frage muss sich schließlich der stellen, der für solche Banalitäten Geld ausgibt. Frech wird es nur, wenn jene Menschen, die eine Veröffentlichung aus rein "maschinellen" Anlass nicht wünschen, dann per Hand doch hineingezwungen werden sollen. Es gibt kein öffentliches Interesse an der Veröffentlichung jeder dämlichen, stink langweiligen Hausfassade.
So einfach verhält das sich mit dem Urheberrecht sicher nicht. Ihr verständliches Bemühen zeigt aber den traurigen Umstand, dass man sich mit solchen Paragrafenreitern wie Herrn Best nur noch auf strafrechtlicher Ebene unterhalten kann - nicht mehr auf ethischer. Das ist in etwa so, wie wenn ich einen Fußgänger überfahre, weil er an der Ampel nicht rechtzeitig die andere Straßeseite erreicht hat. Was wollt ihr denn alle? Meine Ampel zeigte doch grün? Paragraf XY erlaubt mir doch, bei Grün...
Natürlich lässt sich immer eine Argumentation konstruieren, nach welcher Street View rechtmäßig oder unrechtmäßig sein soll. Begriffe wie die des personenbezogenen Datums und auch der Panoramfreiheit taugen aber nicht dafür, seriös zu diskutieren. Sie werden beide gnadenlos überdehnt und von ihren jeweiligen Befürwortern völlig überstrapaziert.
Ich finde, man sollte das Pferd anders aufzäumen. Der Begriff der Privatsphäre befindet sich im Wandel. Deshalb kann es eigentlich nur darum gehen zu klären, was unter legitimer digitaler Öffentlichkeit auf der einen, und Privatsphäre und informationeller Selbstbestimmung 2.0 auf der anderen Seite zu verstehen ist. Fest steht, dass die Zeit der elektrischen Schreibmaschine vorbei ist. Auf diesem Altar darf aber auch nicht alles geopfert werden, was unsere Gesellschaft an Werten und Rechtsprechung hervor gebracht hat.
Wir brauchen einen Ausgleich. Radikale Standpunkte verdeutlichen die Eckpfeiler, zwischen denen sich ein entsprechendes Ergebnis irgendwann mal einpendeln wird. Vielleicht guckt man in 100 Jahren auf diese Zeit der Orientierung mal dankbar zurück :)
Viele Grüße!
Schadensersatz? Für was denn?
Da ist sie, die Anspruchshaltung, die jegliche Eigenverantwortung und Rückgrat vermissen lässt.
Mein Tipp an dich, kleiner Karsten, geh' heim zur Mutti und wein' dich da aus. Deine Chance auf einen Job.....war eh nur eine Illusion.
Sie sind ein armer Geist. Durch mein Engagement in der Öffentlichkeit musste ich auch lernen, dass es von dieser Gruppe der unreflektierten Rumgeiferer, wie sie einer sind, sehr viele gibt.
Umso mehr ist es dringlich, dass man ihnen auch mal in aller Unhöflichkeit klarmacht, dass sie unqualifizierte Beiträge bringen. Alles weitere klären sie dann bitte mit ihrer Mutter, die ist da in erster Linie für zuständig.
Schadensersatz, Ärger machen - solche Worte zeigen, welch' Geistes Kind sie sind. Anspruchsdenken über Bürgersinn. Egoismus über Gemeinsinn. Sie sind die eigentliche Gefahr für eine Bürgergesellschaft, nicht Google.
Sehen sie eigentlich, dass sie selbst unqualifiziertes Geseiere schreiben? Wo in dem obenstehenden Artikel beleidige ich irgendjemanden?
Nur weil sie nicht fähig sind zu argumentieren und als wehklagendes anonymes Etwas hier rumtrollen, muss ich mir doch nicht die Mühe machen, auf sie einzugehen. Nehmen sie sich einen Therapeuten, der wird dafür bezahlt.
Wissen sie was, ich wünsch' ihnen viel Spass bei ihren Schadensersatzklagen und anderen Kämpfen gegen die Ungerechtigkeit, die die böse böse Gesellschaft ihnen antut.
Selig sind die, die arm im Geiste sind, denn ihnen gehört das Himmelreich. In diesem Sinne F.O.A.D.
Nachdem die Beleidigungen von beiden Seiten gefallen sind, gehe ich davon aus, dass aktuell jeder damit d'accord geht wenn der Kommentarstrang so stehen bleibt. Falls nicht, werde ich auf besonderen Hinweis die entsprechenden Äußerungen entfernen.
Andererseits hast du recht. Was die Eltern bei der Erziehung schon verbockt haben, lässt sich bei den Trollen kaum noch in einem Kommentar-Gespräch retten.
Aber mal unter erwachsenen Menschen - was würdest du denn auf den Kommentar Nr. #39 antworten. Würdest du wirklich die Mühe machen, jede Ebene des Missverständnisses (und Missverstehenwollens), das aus diesen Zeilen tropft, freundlich aufzuklären (vorallem wenn der Schreiberling gleichzeitig durch die Blume mit körperlicher Gewalt droht)?
Ich scheue, wie du weisst, nicht die Debatte, sachlich und auch gerne ein wenig emotional. Aber ich muss mich nicht von jedem dahergelaufenen Anonymling anmachen lassen, der noch nicht mal ein Argument gerade hinbekommt.
Weitere Fragen oder Kritik nehme ich gerne unter dem Email-Adresse
s.moeller@telemedicus.info
an.