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In der vergangenen Woche hat die Stiftung Warentest die Ergebnisse ihres bislang größten Tests von Social Networks vorgestellt. Die Verbraucherschützer prüften unter anderem den Schutz personenbezogener Daten bei Facebook, studiVZ & Co. – mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Insgesamt am besten, d.h. mit nur „einigen Mängeln” haben die Netzwerke der VZ-Gruppe abgeschnitten; das Schlusslicht bildet mit „erheblichen Mängeln” das Netzwerk „myspace”. Im Interview erklärte uns die Rechtsanwältin und Datenschutzbeauftragte der VZ-Netzwerke Jana Moser wieso gerade studiVZ und schülerVZ vergleichsweise gut bewertet wurden und welche Rolle der Datenschutz bei ihnen spielt.

studiVZ und schülerVZ sind vor einiger Zeit in die Kritik geraten, weil AGB unrechtmäßig geändert und Nutzerprofile unzureichend geschützt wurden. Jetzt schneiden die beiden sozialen Netzwerke der Holtzbrink Verlagsgruppe im Vergleich der Stiftung Warentest am besten ab. Welche Anstrengungen haben Sie unternommen, damit sich Datenschutz und Nutzerfreundlichkeit der VZ-Netzwerke gebessert haben?

Jana Moser
Foto nicht unter Creative Commons
Unabhängig von den Medienereignissen sind wir ständig bemüht, die Interessen der Nutzer bei der sukzessiven Weiterentwicklung unserer Angebote stark zu berücksichtigen. Vor allem die von der Stiftung Warentest untersuchten Bereiche des Datenschutzes und der Nutzerfreundlichkeit stehen dabei seit Jahren im Fokus unseres Handelns. So haben wir Ende 2009 nicht nur die Softwarequalität und die Datensicherheit der VZ-Netzwerke durch den TÜV SÜD freiwillig prüfen lassen, sondern suchen auch regelmäßig den aktiven Dialog und Erfahrungsaustausch mit der Berliner Datenschutzbehörde.

In letzter Zeit haben wir zudem zahlreiche neue Funktionen eingeführt und Veränderungen vorgenommen, um den über 16 Millionen Mitgliedern von studiVZ, meinVZ und schülerVZ ein Höchstmaß an Datenschutz und Datensicherheit zu gewährleisten. In diesem Zusammenhang sind unter anderem diese Funktionen und Veränderungen zu nennen:

1. Die VZ-Netzwerke geben ihren Mitgliedern Hilfe beim Schutz ihrer Privatsphäre. Bei Neumitgliedern sind automatisch erst einmal alle Daten nicht öffentlich. Jedes Mitglied hat dann die Möglichkeit, in den Privatsphäreeinstellungen frei zu wählen, welche Daten für jedes Mitglied von studiVZ, meinVZ beziehungsweise schülerVZ offen zugänglich sein sollen.

2. Die VZ-Netzwerke bieten ihren Mitgliedern zusätzliche Transparenz: Zum einen bieten wir über die detaillierten Informationen zur Datenverarbeitung in der Datenschutzinformation auch viele Informationen rund um das Thema Datensicherheit (z.B. Was sind IP-Adressen? usw.) an. Zum anderen bieten wir den Nutzern eine Selbstkontrolle an: Direkt nach dem Login erscheint am linken Bildschirmrand die Anzeige, wann das einzelne Mitglied zuletzt im VZ-Netzwerk eingeloggt war. Weitergehende Infos zur letzten Nutzung von studiVZ/meinVZ beziehungsweise schülerVZ (z.B. die verwendete IP-Adresse) finden sich unter „Mein Account“. Sollte ein Mitglied also den Verdacht haben, dass jemand sich unter seinem Namen eingeloggt hat, kann es das hier nachprüfen. Sollten noch andere „Sitzungen“ aktiv sein, können diese direkt vom Nutzer selber beendet werden.

3. Bei jedem Login haben die VZ-Mitglieder nun die Möglichkeit, die Sicherheitsfunktion „Sitzung sichern“ zu aktivieren, um zu verhindern, dass eine bestehende Session von einer anderen IP-Adresse aus „entführt“ werden kann.

4. Anfang November 2009 haben wir sämtliche Nutzer-IDs ausgetauscht. Die ID dient zur eindeutigen Identifizierung eines Profils. Sollte also jemand Datensätze kopiert haben, die allgemeine Profildaten und den Link zum Profil enthalten, sind diese nun wertlos.

Hat sich die öffentliche Kritik an Ihren Netzwerken bei den Nutzerzahlen bemerkbar gemacht?

Keinesfalls. Mit aktuell etwa 16 Millionen Mitgliedern sind studiVZ, meinVZ und schülerVZ unverändert das größte soziale Netzwerk im gesamten deutschsprachigen Raum. Einen Vertrauensverlust der Nutzer können wir nicht feststellen. Vielmehr registrieren sich wöchentlich tausende Mitglieder neu. Die Useraktivität entwickelt sich zudem weiterhin positiv.

Wohl auch dank der zahlreichen Datenschutzaffären in letzter Zeit ist die Sensibilität der (auch jugendlichen) Verbraucher im Umgang mit Daten gewachsen. Wissen Sie, ob sich das Verhalten der schülerVZ- und studiVZ-Nutzer geändert hat?

Die Mitglieder von studiVZ, meinVZ und schülerVZ wissen, dass ihre Daten bei den VZ-Netzwerken sicher und bestmöglich geschützt sind. Einen Vertrauensverlust können wir nicht feststellen. Die Nutzeraktivität ist weiterhin absolut zufriedenstellend. In manchen Bereichen wächst die Nutzeraktivität sogar stark: Momentan nutzen rund 500.000 VZ-Mitglieder die Applikationen („Apps“) externer Entwickler täglich. Gerade einmal vier Monate seit dem Start des OpenSocial-Konzepts Anfang Dezember installierten sie die momentan rund 60 Apps bereits über 10 Millionen Mal.

Ein Garant für die große Beliebtheit der Apps im VZ-Netzwerk und das Vertrauen in unser OpenSocial-Konzept ist die innovative Lösung der bei anderen Netzwerken durchaus brisanten Weitergabe persönlicher Daten an Dritte. Mithilfe von Visitenkarten können die VZ-Mitglieder für jede App individuell festlegen, welche Daten übertragen werden sollen. Sie haben somit jederzeit die volle Kontrolle über ihre Profilinformationen.

Zwar wurden die VZ-Netzwerke von den Testern am besten bewertet – dennoch wurden auch bei Ihnen noch „einige Mängel“ festgestellt, vor allem bei der Datensicherheit und beim Jugendschutz. Sehen Sie selbst Handlungsbedarf und falls ja wo? Welche Verbesserungen sind in Planung?

Wir nehmen die Testergebnisse der Stiftung Warentest ernst und prüfen die einzelnen Kritikpunkte im Detail aktuell sehr intensiv. Selbstverständlich werden wir uns die angesprochenen Mängel anschauen und diese zeitnah beheben.

Sehen Sie im Datenschutzrecht eher ein Hindernis, oder eine Chance für soziale Netzwerke?

Wir begreifen die enorme Aufmerksamkeit, die der Datenschutz momentan genießt, als Chance, uns klar von unseren Wettbewerbern abzugrenzen. Im Gegensatz zu amerikanischen Anbietern halten wir uns an in Deutschland geltende Datenschutzregelungen. Wir nehmen die Sicherheitsinteressen und Sorgen unserer Mitglieder um ihre Daten sehr ernst und bemühen uns intensiv, ihnen eine sichere und sorgenfreie Nutzung unserer Angebote zu ermöglichen.

Für viele stellten die Ergebnisse der Stiftung Warentest keine Überraschung dar. Dass der Datenschutz bei sozialen Netzwerken nicht überall sonderlich ernst genommen wird, ist nicht neu. Wie erklären Sie es sich, dass die sozialen Netzwerke dennoch so beliebt sind? Wird Datenschutz für die kommenden Generationen keine (so große) Rolle mehr spielen?

Soziale Netzwerke haben die Kommunikation in Deutschland und weltweit verändert. Die grenzübergreifende, distanzüberbrückende Vernetzung mit Familienangehörigen, Freunden und Bekannten stellt eine völlig neue Dimension des gesellschaftlichen Miteinanders dar. Die Popularität sozialer Netzwerk beruht ganz wesentlich darauf, dass sie ihren Mitgliedern einen immensen Nutzwert bei der täglichen Kommunikation bieten, der von klassischen Medien wie der E-Mail, dem Telefon oder der Briefpost nicht erreicht wird.

Das Zeitalter des Datenschutzes ist aber keinesfalls vorbei, wie es manche Wettbewerber den Nutzern suggerieren möchten. Genau das Gegenteil ist der Fall: Selten zuvor waren die Internetnutzer mehr für die Themen Datenschutz und Datensicherheit sensibilisiert. Hieran wird sich auch zukünftig nichts ändern. Wir erleben aktuell vielmehr eine medial bedingte und medial begleitete Wende hin zu einer aufmerksamen, für Datenschutz und Datensicherheit sensibilisierten Netzkultur.

Vielen Dank für das Interview.

Zu den Ergebnissen der Untersuchung von Stiftung Warentest.

Der Test tabellarisch und im Überblick.
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Kommentare

* Simon 01.04.2010 14:59
Die Antworten von Frau Moser sind derart PR-mäßig formuliert...

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