Das Internet erklärt für Juristen Teil 3
Dienstag, 16. März 2010, von Adrian Schneider und Florian Schmidt
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Kommentare
Hi,
schön dargestellt. Ich finde allerdings, das Postpaket ist kein ganz idealer Vergleich, obgleich ihr ja erwähnt, dass die ausgetauschten Dokumente letztlich auf viele kleine Pakete verteilt sind. Ich würde eher sagen, es ist, als verschicke man ein Buch signaturweise in Briefumschlägen, die wiederum in weitere Briefumschläge gesteckt werden usw. usf.
schön dargestellt. Ich finde allerdings, das Postpaket ist kein ganz idealer Vergleich, obgleich ihr ja erwähnt, dass die ausgetauschten Dokumente letztlich auf viele kleine Pakete verteilt sind. Ich würde eher sagen, es ist, als verschicke man ein Buch signaturweise in Briefumschlägen, die wiederum in weitere Briefumschläge gesteckt werden usw. usf.
Das ist halt immer das Problem bei Analogien, dass sie nie ganz genau passen. Den Vergleich mit den Briefumschlägen habe ich auch schon mal gehört. Ich konnte da aber immer nicht ganz nachvollziehen, warum man einen Briefumschlag nochmal in einen anderen Briefumschlag stecken sollte.
Dass ein Paket während des Transportes zwangsläufig immer wieder mit neuen Informationen für die Logistik versehen werden muss (Absender und Empfänger, regionales Postzentrum, Nummer des Postcontainers, Zuweisung von Lieferwagen und Postboten usw), habe ich als so wunderbar einleuchtend empfunden, dass ich es für die Veranschaulichung besser fand. Aber klar: Das Beispiel könnte man sicher noch weiter optimieren.
Dass ein Paket während des Transportes zwangsläufig immer wieder mit neuen Informationen für die Logistik versehen werden muss (Absender und Empfänger, regionales Postzentrum, Nummer des Postcontainers, Zuweisung von Lieferwagen und Postboten usw), habe ich als so wunderbar einleuchtend empfunden, dass ich es für die Veranschaulichung besser fand. Aber klar: Das Beispiel könnte man sicher noch weiter optimieren.
Ich glaube ich stimme zu: Analogien sind problematisch. Denn die besagte "Stückelung" (umso komplexer wird's, wenn auch noch IP-Fragmentation dazu kommt) wird ja - durch das TCP-Protokoll - wieder wegabstrahiert. Und so etwas wie einen Datenstrom kann man fast gar nicht vernünftig mit einer Analogie zu materiellen Dingen abbilden.
Eigentlich kann man ja schon froh sein, wenn sich damit befasste Juristen überhaupt erstmal der Komplexität bewusst werden und nicht tendenziösen Vereinfachungen erliegen (oder gar in grandioser Selbstüberschätzung davon ausgehen, sie würden wirklich um alle beteiligten Verfahren wissen).
Eigentlich kann man ja schon froh sein, wenn sich damit befasste Juristen überhaupt erstmal der Komplexität bewusst werden und nicht tendenziösen Vereinfachungen erliegen (oder gar in grandioser Selbstüberschätzung davon ausgehen, sie würden wirklich um alle beteiligten Verfahren wissen).
Eine exzellente und für Nicht-Techniker gut verständliche Vorlesungsreihe zu Internettechnologien ist als Videoaufzeichnung hier abrufbar:
http://www.yovisto.com/lecture/2142
Sich 13 eineinhalbstündige Videos anzuschauen ist für die meisten Juristen leider etwas zu zeitaufwändig, aber es lohnt sich.
http://www.yovisto.com/lecture/2142
Sich 13 eineinhalbstündige Videos anzuschauen ist für die meisten Juristen leider etwas zu zeitaufwändig, aber es lohnt sich.
Kurze Anmerkung zum ersten Teil des Artikels -- was sind überhaupt "A" und "B". Ganz früher bezeichneten IP-Adressen praktisch immer ein eindeutiges Ziel im Internet. Daten gingen also von A nach B und meistens auch irgendwas wieder zurück. TCP macht das heute im Prinzip auch noch so, es ist ein "verbindungsorientiertes" Protokoll.
Indess, heute wird ein zweistelliger Prozentsatz des Web-Traffics durch sogenannte Content Delivery Networks erledigt, die besonders häufig nachgefragten "Content" typischerweise an verschiedenen Stellen im Internet verteilen, so dass sie sehr nah am Endkunden sind. Der unbestrittene Marktführer ist hier Akamai. Ein Beispiel: Wenn ich auf größere Webseiten oder Microsoft Software-Updates zugreife, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht eine Verbindung zu einem vorher klar definierten "B" aufgebaut, sondern meine "Verbindung" umgeleitet zu einem Punkt an dem die nachgefragten Daten am nächsten für mich sind -- mithin am günstigsten für meinen ISP zu liefern. Google macht das für seine Angebote im Prinzip genau so. Außerdem gibt es noch saubere "Anycast"-IP-Adressen die von jedem Router nach belieben aufgelöst werden können, so dass wiederum eine günstige Last-Verteilung stattfindet. So funktioniert etwa DNS, zumindest für die Root-Server (also dort, wo .com, .de, .org, etc. aufgelöst werden).
Das war jetzt ein relativ schnell geschriebener Beitrag, aber ich hoffe, er hilft trotzdem dem einen oder anderen Leser
Indess, heute wird ein zweistelliger Prozentsatz des Web-Traffics durch sogenannte Content Delivery Networks erledigt, die besonders häufig nachgefragten "Content" typischerweise an verschiedenen Stellen im Internet verteilen, so dass sie sehr nah am Endkunden sind. Der unbestrittene Marktführer ist hier Akamai. Ein Beispiel: Wenn ich auf größere Webseiten oder Microsoft Software-Updates zugreife, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht eine Verbindung zu einem vorher klar definierten "B" aufgebaut, sondern meine "Verbindung" umgeleitet zu einem Punkt an dem die nachgefragten Daten am nächsten für mich sind -- mithin am günstigsten für meinen ISP zu liefern. Google macht das für seine Angebote im Prinzip genau so. Außerdem gibt es noch saubere "Anycast"-IP-Adressen die von jedem Router nach belieben aufgelöst werden können, so dass wiederum eine günstige Last-Verteilung stattfindet. So funktioniert etwa DNS, zumindest für die Root-Server (also dort, wo .com, .de, .org, etc. aufgelöst werden).
Das war jetzt ein relativ schnell geschriebener Beitrag, aber ich hoffe, er hilft trotzdem dem einen oder anderen Leser
Danke für die Ergänzung. Zum DNS (CDN würde ich an dieser Stelle thematisch einordnen) hätte man sicher noch eine ganze Menge mehr schreiben können, aber irgendwo mussten wir kürzen, um uns auf die Basics zu konzentrieren und den Artikel nicht zu überfrachten. Mal gucken, vielleicht machen wir irgendwann einen eigenen Beitrag dazu. Lohnen würde es sich.
Klar, ohne kürzen geht's nicht. Allerdings würde ich CDNs nicht thematisch unter DNS ansiedeln, das sind unterschiedliche Schuhe.
Das spannende an CDNs ist, dass sie in den letzen Jahren verstärkt die Infrastruktur des Internets neudefinieren, und das weitgehend als "verteilte Overlay-Applikationen" wenn man so will. Peer-to-Peer-Tauschbörsen und TOR gehen in eine ähnliche Richtung.
Das ganze ist insofern wichtig, als dass dadurch die klassische simple End-to-End-Struktur des TCP/IP-Internets aufgebrochen wird und neue Abstraktionen (jenseits von Vereinfachungen wie "Net Neutrality") für Policy-Debatten fällig werden. Also auch für Juristen nicht uninteressant.
Das spannende an CDNs ist, dass sie in den letzen Jahren verstärkt die Infrastruktur des Internets neudefinieren, und das weitgehend als "verteilte Overlay-Applikationen" wenn man so will. Peer-to-Peer-Tauschbörsen und TOR gehen in eine ähnliche Richtung.
Das ganze ist insofern wichtig, als dass dadurch die klassische simple End-to-End-Struktur des TCP/IP-Internets aufgebrochen wird und neue Abstraktionen (jenseits von Vereinfachungen wie "Net Neutrality") für Policy-Debatten fällig werden. Also auch für Juristen nicht uninteressant.
"Allerdings würde ich CDNs nicht thematisch unter DNS ansiedeln, das sind unterschiedliche Schuhe."
Das ist mir schon klar. Wir haben aber ja genau bei der Frage gekürzt, wo es um die Frage geht, zwischen wem die Kommunikation überhaupt erfolgt und wie Absender und Ziel definiert werden. Der wichtigste Punkt dürfte dabei DNS sein, dessen statische Struktur durch Content Delivery Networks aufgebrochen wird. So hatte ich das gemeint.
Vielleicht reicht da aber auch mein Kenntnishorizont einfach (noch) nicht aus. Ich will mich selbst von dem Lernprozess, den viele Juristen in Sachen Verständnis des Internets vollziehen sollten, gar nicht ausnehmen.
Übrigens freuen wir uns auch immer über Gastbeiträge, wenn du Lust haben solltest, das Thema mal zu erklären.






